Windräder in der Region Energiewende gerät ins Stocken

Alexander Ikrat, 06.01.2013 10:00 Uhr
In der Praxis kommt die Energiewende nicht voran. In der Region Stuttgart etwa können seit Januar faktisch keine Windräder mehr errichtet werden, und die neuen Pläne lassen auf sich warten.

Stuttgart - Immer mehr zeigt sich, dass das Ziel, Atomkraft durch regenerative Energien zu ersetzen, in der Praxis auf viele Hindernisse stößt. Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Beschluss des Bundestags, aus der Atomkraft auszusteigen, ist in der Region Stuttgart ein zusätzliches Windrad in Betrieb. In ganz Baden-Württemberg kamen 2012 sechs Anlagen dazu. Um seine Energieziele zu erreichen, bräuchte das Land bis 2020 rund 120 neue Windräder pro Jahr.

Im Ballungsraum Stuttgart zeigt sich, dass die Windkraft oft mit anderen Zielen in Konflikt steht. 42 von 96 geplanten Standorten liegen im Landschaftsschutzgebiet. Zwar hat das Land in seinem Winderlass festgelegt, dass die Landkreise Ausnahmen prüfen sollen. Doch äußern sich die Naturschutzbehörden nur zögerlich. Im Rems-Murr-Kreis heißt es etwa, dass trotz der neuen Vorgaben auch alle Regeln zu Natur-, Arten- und Landschaftsschutz weiter gültig seien. In Stuttgart ist eine Diskussion um Windräder hinter der Kulisse des Baudenkmals Grabkapelle entbrannt: Auch das Landschaftsbild prägende Bauten „waren nicht von Anbeginn der Zeiten vorhanden“, sagt Peter Pätzold (Grüne). Der Chef der größten Gemeinderatsfraktion will diskutieren, „ob sich eine Kulturlandschaft nicht verändern darf und auch soll“.

Land und Region sind sich nicht einig

Da das Land die alten Windkraftpläne zum 1. Januar aufgehoben hat und die neuen nicht beschlossen werden können, bevor alle Verordnungen der Schutzgebiete geändert sind, kann es laut Planungsdirektor Thomas Kiwitt vom Verband Region Stuttgart noch Jahre dauern, bis wieder Windräder ohne aufwendige Einzelverfahren gebaut werden können. Die Region erwägt, alle strittigen Gebiete zu streichen, um bis Ende 2013 einen Beitrag zur Energiewende vorlegen zu können. Unter den Streichkandidaten seien aber „qualitativ mit die besten Standorte“.

Beim Landesumweltministerium hat man von den Problemen bei der Umsetzung der Windkraftziele nichts mitbekommen. Ein Sprecher sagte unserer Zeitung, dass man im Winderlass mögliche Wege aufgezeigt habe. Beim Land habe aber noch niemand um Unterstützung gebeten. Regionalpolitiker beklagen derweil, das Land sei nach den ersten Protesten gegen Windräder abgetaucht.

 
 
Lokale Favoriten - stuttgarter-nachrichten.de
Kommentare (3)
  1. (Logout)
  2. Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich.

Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.
Grzmik Ist schon länger als 1 Jahr her
Wer ein Windrad baut, tut das nicht, um Geld in den Sand zu setzen. Erstens weil das keiner lang aushält, außer vielleicht ein Milliardär, zweitens, weil damit gesamtwirtschaftlich sehr schnell vieles zum Stillstand kommt (es finden sich keine Investoren). Windkraft in Ba-Wü rechnet sich kaum, weil die Standorte sehr wenige sind, die wirklich kontinuierlich Wind haben und die den erzeugten Strom auch noch sinnvoll einspeisen können bzw. die Energie speichern, z.B. durch Pumpspeicherwerke. Die Infrastruktur stimmt einfach noch nicht - es wird Zeit, dass endlich ein Gesamtkonzept erstellt wird. Ein Windrad allein macht noch keine Energiewende, beginnen sollte man dringend mit mehr Pumpspeicherwerken! Ohne diese sind Windräder nur ein Schmuckstück auf Waldeshöhen. Ohne Sinn und Gewinn.
Antworten
Rudolf Kohler Ist schon länger als 1 Jahr her
Macht Windenergie in Baden-Württemberg wirklich Sinn? Ich habe mir die Mühe gemacht und die Wind- Einspeisedaten von TransnetBW für das Jahr 2012 ausgewertet. Die knapp 600 MW in Baden-Württemberg installierte Windradleistung haben im Schnitt gerade einmal 27 MW erzeugt, gerade mal 5% der installierten Leistung! Zu 40% des Jahres waren es unter 10 MW! Und mehr als 300 MW gab es gerade einmal an 4 Stunden in 2012! Aus meiner Sicht ist das doch nur eine gigantische Ressourcen-Verschwendung! Die Anlagenbauer und Projektentwickler (und die finanzierenden Banken) verdienen daran recht gut und risikolos. Wir groß das Risiko für die Betreiber sein wird - das wird man frühestens in 12..15 Jahren sehen, wenn die Investitionen abbezahlt sind.
Antworten
EchoRomeo Ist schon länger als 1 Jahr her
zwischen Sonnenmärchen, die man sich in Öko-Stuhlkreisen erzählt und der Umsetzung. Bezeichnend für die ganze Chose: die Umwelt/Natur/Klima/Egal/Sonstwas-Bewahrer haben sich mit ihrem Juchtenkäfer und Blümchenschutz wichtige Ausweg zugestellt. PS: Es ist inzwischen mehr als unwahrscheinlich, daß die verbliebenen Kernkraftwerke zum beworbenen Wunschtermin abgeschaltet werden können.
Antworten