Windkraftanlage spaltet sogar Naturschützer

Von "Marbach und Bottwartal" 

Ludwigsburg Der BUND-Vizechef im Kreis lehnt das Ingersheimer Projekt ab. Von Martin Willy

Ludwigsburg Der BUND-Vizechef im Kreis lehnt das Ingersheimer Projekt ab. Von Martin Willy

Der stellvertretende Kreisvorsitzende des Umweltverbandes BUND, Wolfgang Huber, lässt sein Amt ruhen. Das hat er dem Kreischef Stefan Flaig mitgeteilt. Grund ist ausgerechnet ein Projekt, das gemeinhin geradezu als Aushängeschild für Umwelt- und Naturschutz steht: die Windkraftanlage in Ingersheim, die im Oktober 2011 fertiggestellt sein soll. Der BUND-Kreisverband ist für das Vorhaben. Wolfgang Huber, der in Ingersheim lebt und dort dem Ortsverein vorsteht, lehnt die Anlage ab.

Der Schritt, das Amt ruhen zu lassen, ist ihm nicht leichtgefallen. Schließlich engagiert sich Huber im BUND bereits seit 26 Jahren. Huber tut es nicht aus Wut oder Enttäuschung, sondern um der Glaubwürdigkeit willen. "Ich habe tagelang mit mir gerungen", sagt er. Er könne als Mitglied der BUND-Führung nach außen nicht ein Projekt befürworten, das er als Privatmann ablehne. Flaig kann das nachvollziehen und begrüßt die Entscheidung. Keiner der beiden sieht den Verband aber in einer Krise oder gar vor einer Zerreißprobe. "In einem demokratischen Verband mit rund 6000 Mitgliedern können gar nicht immer alle einer Meinung sein", sagt Flaig.

Der Entscheidung für das Windradprojekt ging eine lange und intensive Diskussion im Ludwigsburger BUND-Kreisverband voraus. "Es war sehr schwer für uns, uns auf eine Position zu einigen", sagt Huber. Letztlich wurde eine gefunden. Die meisten Aktiven könnten "den Eingriff in die Landschaft zugunsten des Klimaschutzes" akzeptieren, sagt Flaig, der die Zustimmungsquote im gesamten Kreisverband auf 80 bis 90 Prozent schätzt.

Huber zählt allerdings nicht dazu. "Die geplante Windkraftanlage macht mehr kaputt, als sie einen Effekt für die Energiewende hat", sagt Huber. Mehr als 1100 solcher Windräder seien erforderlich, um das Kernkraftwerk Neckarwestheim zu ersetzen. Huber ist für jede Form der regenerativen Energieerzeugung, auch für die Windkraft. "Aber nicht an dieser Stelle in Ingersheim." Als Naturschützer müsse er auch den Arten- und Landschaftsschutz berücksichtigen, vor allem Vögel und Zugvögel seien gefährdet. Mit 179 Metern sei die größte Anlage der Region überdimensioniert, der Wind zu gering, andere Standorte seien besser geeignet, auch wenn der Regionalplan in Ingersheim ein solches Projekt vorsehe. Die Gegner des Vorhabens außerhalb des BUND, die sich vor allem in der Bürgerinitiative im benachbarten Husarenhof zusammengeschlossen haben, argumentieren genauso. Auch zwei Bürgermeister, die grundsätzlich die Windkraft befürworten, lehnen das Windrad in Ingersheim ab: Steffen Bühler und Monika Chef. Die FDP-Landtagsabgeordnete und Bürgermeisterin im nahe gelegenen Gemmrigheim kritisiert wie ihr Amtskollege im benachbarten Besigheim vor allem den Standort als falsch. Darüber hinaus könnten durch den sogenannten niederfrequenten Infraschall Gesundheitsschäden bei Menschen nicht ausgeschlossen werden. Für Chef als Bürgermeisterin einer Gemeinde, auf deren Gemarkung ein Atomkraftwerk steht, ist das kein Widerspruch. "Ich bin kein ängstlicher Mensch," sagt sie. Aber bei jeder Technik müsse man auf die Gefahren hinweisen. Bürgermeister Bühler will nicht tatenlos zusehen, wenn die Windkraftanlage in unmittelbarer Nachbarschaft seiner Stadt gebaut werden sollte. Er hat angekündigt, Feldwege sperren zu wollen, falls sie für den Bau der Anlage benutzt werden müssten.

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