Am Mittwochabend ist es im östlichen Rems-Murr-Kreis früher als gewöhnlich dunkel geworden. Eine schwarze Regenfront zog auf, an vielen Orten windete es stark und es goss wie aus Kübeln. Doch damit nicht genug: in Nellmersbach und im Welzheimer Teilort Breitenfürst hat zudem ein Tornado gewütet, der Bäume entwurzelte, Straßenlampen umwarf, Dächer abdeckte und unter anderem einen Wohnwagen mehrere Meter hoch in die Luft riss. Die Polizei geht von einem Gesamtschaden von rund 200 000 Euro aus, Menschen wurden aber offenbar nicht verletzt.
Einige Indizien sprächen dafür, dass es sich tatsächlich um einen Tornado gehandelt habe, sagt Uwe Schickedanz vom Deutschen Wetterdienst in Filderstadt. Etwa die Tatsache, dass die Schäden sehr punktuell aufgetreten seien - dort, wo der Tornado Kontakt zum Boden hatte, nämlich in Nellmersbach und in Breitenfürst.
In der Ortsmitte des Leutenbacher Teilortes Nellmersbach wütete der Tornado, der laut Schickedanz mit mehr als 100 Stundenkilometern unterwegs war, zuerst. "Viele Dächer wurden stellenweise abgedeckt", schildert Roland Schippert, Chef des örtlichen Bauamts. Etliche Bäume und ein Baugerüst stürzten um, Straßenlaternen wurden beschädigt, mehrere Keller liefen voll mit Wasser.
An der nahe gelegenen Bahnstrecke zwischen Winnenden und Backnang fiel ein Baum auf die Oberleitung, die Gleise wurden daraufhin bis zum späten Abend komplett gesperrt. Die Bahn setzte Busse ein und leitete die Regionalzüge Richtung Backnang über Ludwigsburg und Marbach um. Bis gestern morgen war der Streckenabschnitt nur eingleisig befahrbar, weshalb auf der S-Bahnlinie weniger Züge als üblich unterwegs waren. In Welzheim-Breitenfürst riss die Windhose ein hölzernes Wartehäuschen an einer Bushaltestelle weg und trug es mehrere hundert Meter weit, bis es auf dem Dach zum Liegen kam. Ein Campinganhänger wurde mehrere Meter hoch in die Luft gerissen, gedreht und landete auf dem Dach. Auch einige parkende Autos wurden durch die massenhaft herumfliegenden Trümmer beschädigt. Ganze zwei Minuten habe das Geschehen gedauert, heißt es von Seiten der Polizei zum Unwetter dort .
Einige Bauhofbeschäftigte und die örtlichen Feuerwehrleute begannen noch am Mittwochabend mit den Aufräumarbeiten. Evakuierungen oder dauerhafte Sperrungen seien nicht notwendig gewesen, heißt es aus den Rathäusern von Leutenbach und Welzheim.
Vom Rems-Murr-Kreis ausgehend zogen die Unwetterwolken danach weiter in Richtung des Ostalbkreises. Im Raum Aalen richteten vor allem Hagelkörner Schäden an, die mancherorts knietief die Straßen bedeckten.
Dass es dieses Problem im Rems-Murr-Kreis nicht gegeben hat , schreibt das Landratsamt in Waiblingen dem Einsatz der beiden Hagelflieger zu, die zwischen 18 und 19 Uhr unterwegs waren, um ihr Silberjodid im Raum Winnenden, Welzheim und Weinstadt zu versprühen. Die stärksten Aufwinde stellten die beiden Piloten der Hagelflieger bei ihrem Einsatz nahe von Welzheim fest.