Willkommenszentren in Stuttgart Alle Welt trifft sich im Alten Waisenhaus

Von Josef Schunder 

Das Alte Waisenhaus – hier vom Karlsplatz aus gesehen – beherbergt bald die Willkommenszentren von Stadt und Region. Foto: Leif Piechowski
Das Alte Waisenhaus – hier vom Karlsplatz aus gesehen – beherbergt bald die Willkommenszentren von Stadt und Region. Foto: Leif Piechowski

Die Stadt und die Region Stuttgart werden ihre Willkommenszentren für Neubürger und neue Arbeitskräfte Tür an Tür und mit einem Empfangstresen betreiben. Das wurde jetzt vereinbart. Die Zentren werden unter einem Dach sein mit einem Weltladen und einem Welt-Café. Am 1. Juli geht es los.

Die Stadt und die Region Stuttgart werden ihre Willkommenszentren für Neubürger und neue Arbeitskräfte Tür an Tür und mit einem Empfangstresen betreiben. Das wurde jetzt vereinbart. Die Zentren werden unter einem Dach sein mit einem Weltladen und einem Welt-Café. Am 1. Juli geht es los.

Stuttgart - Zwischen der Stadt Stuttgart und der Wirtschaftsförderung der Region ist alles klar: Sie werden im Alten Waisenhaus die Willkommenszentren, die sie für Neubürger und für neue Fachkräfte in der Wirtschaftsregion planen, nebeneinander betreiben. Das haben OB Fritz Kuhn (Grüne), seine zuständigen Mitarbeiter, der regionale Wirtschaftsförderer Walter Rogg sowie die Agentur für Arbeit vor wenigen Tagen vereinbart – nachdem Kuhn ganz am Anfang der Überlegungen ein wenig skeptisch gewesen sein soll, was das gemeinsame Domizil angeht. Am 1. Juli wird es nun aber losgehen, weil von dem Starttermin auch der Eingang von Fördermitteln abhängig ist.

Das Alte Waisenhaus soll nach dem Willen der Stadt zu einer Adresse werden, wo nicht nur die zentrale Anlaufstelle für Neubürger ist, sondern wo auch Stuttgarts weltoffene Haltung demonstriert wird. Denn geplant ist über die Willkommenszentren hinaus ein Welthaus, in dem ein Weltladen mit Produkten zu fairen Preisen und ein Welt-Café untergebracht sind – außerdem ein „globales Klassenzimmer“, in dem Kinder und Jugendliche lernen, dass in der globalisierten Welt alle in einem Boot sitzen.

Der Gemeinderat hat schon 2013 beschlossen, 100.000 Euro für die Realisierung des Welthauses beizusteuern. Möglich wird all dies, weil das Institut für Auslandsbeziehungen im Alten Waisenhaus Flächen zu vermieten hat. Die Buchhandlung Hoser ist ausgezogen. In der Planie – und im Innenhof des Alten Waisenhauses – werden die Türen neben dem Grand Café Planie künftig zu den Willkommenszentren und zum Welt-Café führen. Die Zusammenführung aller Elemente sei in idealer Weise gelungen, sagt der oberste Wirtschaftsförderer der Region, Walter Rogg. Nach der grundsätzlichen Vereinbarung werde ab sofort am Konzept und an den Inhalten gearbeitet. Beispielsweise an den Fragen, welche Angebote die Stadt in ihrem Willkommenszentrum machen will und welche die Region.

Klar ist, dass sich die Region an die Zielgruppe der ausländischen Fachkräfte wendet, die von den Unternehmen gesucht werden. Die Stadt hat sämtliche Neuankömmlinge im Visier – ob sie nun zum Arbeiten kommen oder als Flüchtlinge in Not. Sie will die Neubürger auch auf direktem Weg in die Stadtgesellschaft lotsen, zu landsmannschaftlichen Vereinigungen und Vereinen, zu Sprachkursen und anderen Bildungs- oder auch Betreuungsangeboten. „Wir wollen ein Stück Heimat anbieten, nicht den Gastarbeiter-Tourismus fördern“, beteuert Rogg.

An einem gemeinsamen Empfangstresen und an diversen Wegweisern werden sich voraussichtlich alle Neuankömmlinge einfinden, danach wollen die beiden Willkommenszentren die Besucher nach dem jeweiligen Bedarf betreuen. Die Region setzt dafür nach Roggs Worten vier Mitarbeiter ein, die Stadt zwei. Aus städtischen Ämtern wird zudem weiteres Personal für Sprechstunden zugezogen. Viele Details sollen aber auch an Computerbildschirmen abrufbar sein. Außerdem sollen Migrantenvereine und Beratungsstellen auch selbst Sprechstunden anbieten. Mit Veranstaltungen im Welthaus will man die Willkommenskultur ebenfalls pflegen – und angestammten Einwohnern Stuttgarts die Angst vor dem Fremden nehmen. Dieses Angebot, sagt Rogg, werde sich von den existierenden Willkommenszentren in Frankfurt und Hamburg unterscheiden.

Um regionale Willkommenszentren zu betreiben, für die sich auch die Agentur für Arbeit, die Arbeitgeberverbände, die Gewerkschaften und die Industrie- und Handelskammern in einer Fachkräfte-Allianz eingesetzt haben, hat der Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) ein Förderprogramm aufgelegt. Dabei half die Europäische Union mit ihrem Sozialmittelfonds. Für 2014 erhalte man daraus 260.000 Euro, um Räume, Personal und Konzeption zu bezahlen, sagt Rogg. Die Fortsetzung sei zwar noch offen, er plane das Willkommenszentrum aber auch für 2015 und 2016. Drei Jahre brauche man schon, bis das Zentrum nachhaltig arbeiten könne.

Die Stadt hat im Doppelhaushalt 2014/2015 rund 50.000 Euro für die Mietkosten ihres Willkommenszentrums vorgesehen, das ebenfalls auf zunächst drei Jahre angelegt ist. Die Stellen möchte sie mit Zuschüssen von der Robert-Bosch-Stiftung, vom baden-württembergischen Integrationsministerium und von anderen Sponsoren finanzieren.

Die Stadt wurde erst jüngst zur Fairtrade-Town gekürt. Sie fühlt sich auch dem Grundgedanken eines umfassenden Welthauses verbunden. Dafür haben 13 Organisationen den Verein Welthaus Stuttgart gegründet. „Der Wunsch und die Notwendigkeit einer Anlaufstelle zur Unterstützung des Eine-Welt-Gedankens war da“, sagt Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle (Grüne). An alle Mietverträge wird momentan letzte Hand angelegt. Danach kann auch begonnen werden, das Veranstaltungsprogramm zu planen.

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