Waiblingen - Um den Wildbestand zu kontrollieren, setzen Jäger auf großangelegte Drückjagden. Ihre Angst ist, dass ihnen im Wald übereifrige Tierschützer in die Quere kommen, die den Jagdbetrieb lahmlegen. Die Tierschutzorganisation Peta sieht sich dazu derzeit allerdings personell nicht in der Lage.
Im Raum Winnenden haben am vergangenen Freitag 60 Treiber und eine Hundemeute in einem zusammenhängenden Waldgebiet von neun Jagdrevieren das Wild aufgestöbert und es 80 Jägern zugetrieben. Erlegt haben die Schützen zehn Wildschweine, acht Rehe und zwölf Füchse. Damit durch den Jagdbetrieb niemand unnötig gefährdet wird, hat sich die Kreisjägervereinigung Waiblingen mit den zuständigen Behörden im Landratsamt und den betroffenen Gemeinden darauf verständigt, für die Zeit der Jagd Straßen, die durch das Gebiet führen, mit einem Tempolimit zu belegen. Betroffen war auch die vierspurige B14 bei Schwaikheim. Im Wald selbst versperrten schwarz-rot gestreifte Plastikbänder an diesem Tag den Erholungssuchenden die gewohnten Wege. Teilweise, wie etwa am Kleinheppacher Kopf oberhalb von Korb, hingen die Bänder auch Tage später noch und verwirrten Spaziergänger.
"Militante Tierschützer im Wald"
Die Kreisjägervereinigung Waiblingen informierte die Öffentlichkeit erst Mitte dieser Woche mit einer Pressemitteilung über die Jagd und ihre Begleitumstände. Über andere, gleichgelagerte Veranstaltungen, die in diesen Tagen stattfanden oder noch stattfinden werden, stand kein Wort in dem Bericht. Das Landratsamt hielt es ebenfalls nicht für notwendig, die Verkehrsteilnehmer auf die Einschränkungen hinzuweisen. Auf Anfrage teilt die Behörde mit, dass die von der Jägerschaft beantragte Sperrung der alten B14 abgelehnt worden sei. Die übrigen Eingriffe in den Verkehrsablauf seien wegen ihres bagatellhaften Charakters mit oder ohne Jagd nicht öffentlich zu machen.
Kreisjägermeister Günther Heissenberger verteidigt sowohl die Form der Jagd als auch die strenge Geheimhaltung des Termins. "Wir können damit nicht im Vorfeld in die Öffentlichkeit, weil wir sonst am Tag der Jagd militante Tierschützer im Wald haben", sagt Heissenberger. Bei deren Verhalten (Heissenberger: "Die stellen sich sogar vor die Schützen") sei ans Abhalten der Jagd nicht zu denken. Ein Abbruch hätte aber zur Folge, dass rund 150 Stunden Organisationsarbeit umsonst gewesen wären. Dem im Rems-Murr-Kreis und im gesamten Ballungsgebiet Stuttgart stark angewachsenen Bestand an Wildschweinen ist laut Heissenberger aber nur durch großflächige Jagden beizukommen. Angesichts der Schäden, die Wildschweine mittlerweile sogar in Hausgärten wie beispielsweise in der Winnender Siedlung Schelmenholz anrichteten, seien für das nächste Jahr noch größere Jagden geplant.
Peta greift Jäger an
Die Jagd vom Hochsitz aus reicht für Martin Röhrs, den Leiter der Kreisforstbehörde, nicht mehr aus, um die Schwarzwildpopulation und damit deren Schäden einzudämmen. Eine Rotte von 20 Tieren vermehre sich innerhalb eines Jahres auf 50 bis 70 Säue. Der Grund für die starke Vermehrung seien die reichen Nahrungsquellen, die die Tiere zu allen Jahreszeiten vorfinden. "Wir haben den Auftrag, die Schäden, die die Wildschweine anrichten, zu vermindern, und revierübergreifende Drückjagden seien das beste Mittel dafür", verteidigt Röhrs den verstärkten Wildschweinabschuss.
Wie nicht anders zu erwarten, hält die Tierrechtsorganisation Peta dagegen. Für deren Sprecher Edmund Haferbeck sind die Jäger an der wachsenden Wildschweinpopulation selbst schuld. "Die mästen die Tiere durch ihre Fütterungen und schießen die falschen Tiere ab", meint der Peta-Sprecher. Mitglieder seiner Organisation, so Haferbeck, "werden sich auch in Zukunft der Tötungslust der Jäger in den Weg stellen." Er räumt aber auch ein, dass dafür derzeit die Personaldecke bei Peta zu dünn sei.