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Wildschweine Geheime Jagden aus Angst vor Tierschützern

Gerhard Schertler, vom 04.12.2011 08:35 Uhr
 Foto: Piechowski
Foto: Piechowski

Waiblingen - Um den Wildbestand zu kontrollieren, setzen Jäger auf großangelegte Drückjagden. Ihre Angst ist, dass ihnen im Wald übereifrige Tierschützer in die Quere kommen, die den Jagdbetrieb lahmlegen. Die Tierschutzorganisation Peta sieht sich dazu derzeit allerdings personell nicht in der Lage.

Im Raum Winnenden haben am vergangenen Freitag 60 Treiber und eine Hundemeute in einem zusammenhängenden Waldgebiet von neun Jagdrevieren das Wild aufgestöbert und es 80 Jägern zugetrieben. Erlegt haben die Schützen zehn Wildschweine, acht Rehe und zwölf Füchse. Damit durch den Jagdbetrieb niemand unnötig gefährdet wird, hat sich die Kreisjägervereinigung Waiblingen mit den zuständigen Behörden im Landratsamt und den betroffenen Gemeinden darauf verständigt, für die Zeit der Jagd Straßen, die durch das Gebiet führen, mit einem Tempolimit zu belegen. Betroffen war auch die vierspurige B14 bei Schwaikheim. Im Wald selbst versperrten schwarz-rot gestreifte Plastikbänder an diesem Tag den Erholungssuchenden die gewohnten Wege. Teilweise, wie etwa am Kleinheppacher Kopf oberhalb von Korb, hingen die Bänder auch Tage später noch und verwirrten Spaziergänger.

"Militante Tierschützer im Wald"

Die Kreisjägervereinigung Waiblingen informierte die Öffentlichkeit erst Mitte dieser Woche mit einer Pressemitteilung über die Jagd und ihre Begleitumstände. Über andere, gleichgelagerte Veranstaltungen, die in diesen Tagen stattfanden oder noch stattfinden werden, stand kein Wort in dem Bericht. Das Landratsamt hielt es ebenfalls nicht für notwendig, die Verkehrsteilnehmer auf die Einschränkungen hinzuweisen. Auf Anfrage teilt die Behörde mit, dass die von der Jägerschaft beantragte Sperrung der alten B14 abgelehnt worden sei. Die übrigen Eingriffe in den Verkehrsablauf seien wegen ihres bagatellhaften Charakters mit oder ohne Jagd nicht öffentlich zu machen.

Kreisjägermeister Günther Heissenberger verteidigt sowohl die Form der Jagd als auch die strenge Geheimhaltung des Termins. "Wir können damit nicht im Vorfeld in die Öffentlichkeit, weil wir sonst am Tag der Jagd militante Tierschützer im Wald haben", sagt Heissenberger. Bei deren Verhalten (Heissenberger: "Die stellen sich sogar vor die Schützen") sei ans Abhalten der Jagd nicht zu denken. Ein Abbruch hätte aber zur Folge, dass rund 150 Stunden Organisationsarbeit umsonst gewesen wären. Dem im Rems-Murr-Kreis und im gesamten Ballungsgebiet Stuttgart stark angewachsenen Bestand an Wildschweinen ist laut Heissenberger aber nur durch großflächige Jagden beizukommen. Angesichts der Schäden, die Wildschweine mittlerweile sogar in Hausgärten wie beispielsweise in der Winnender Siedlung Schelmenholz anrichteten, seien für das nächste Jahr noch größere Jagden geplant.

Peta greift Jäger an

Die Jagd vom Hochsitz aus reicht für Martin Röhrs, den Leiter der Kreisforstbehörde, nicht mehr aus, um die Schwarzwildpopulation und damit deren Schäden einzudämmen. Eine Rotte von 20 Tieren vermehre sich innerhalb eines Jahres auf 50 bis 70 Säue. Der Grund für die starke Vermehrung seien die reichen Nahrungsquellen, die die Tiere zu allen Jahreszeiten vorfinden. "Wir haben den Auftrag, die Schäden, die die Wildschweine anrichten, zu vermindern, und revierübergreifende Drückjagden seien das beste Mittel dafür", verteidigt Röhrs den verstärkten Wildschweinabschuss.

Wie nicht anders zu erwarten, hält die Tierrechtsorganisation Peta dagegen. Für deren Sprecher Edmund Haferbeck sind die Jäger an der wachsenden Wildschweinpopulation selbst schuld. "Die mästen die Tiere durch ihre Fütterungen und schießen die falschen Tiere ab", meint der Peta-Sprecher. Mitglieder seiner Organisation, so Haferbeck, "werden sich auch in Zukunft der Tötungslust der Jäger in den Weg stellen." Er räumt aber auch ein, dass dafür derzeit die Personaldecke bei Peta zu dünn sei.

Kommentare (18)
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JAN
19
15:43 Uhr, geschrieben von Wildtierbeauftragter
Fuchsbandwurm oder Tod
Und übrigens ist es wahrscheinlicher von einer Jägerkugel getötet zu werden als an Fuchsbandwurm zu erkranken wenn wir schon bei wirren Behauptungen "Pro Jagd" sind. Von 1982-2000 erkrankten europaweit (740 Mio) 556 Menschen an Fuchsbandwurm. Pro Jahr also 30 Menschen von 740 Mio. Im Jahr 2011 gab es 16 Tötungsdelikte durch Jäger in Deutschland (80 Mio), ohne Selbstmorde und Unfälle.Welche Wahrscheinlichkeit ist höher? 30=740Mio 16=80Mio Na wer ist gut in Prozentrechnen....
JAN
19
15:37 Uhr, geschrieben von Wildtierbeauftragter
Fütterungen längst bewiesen Herr Becker
Das Jäger Wildschweine und Rehe systematisch mästen ist längst nachgewiesen. Es mag den einen oder anderen Ort geben an dem das ein Jäger aus Zeitmangel nicht macht aber es ist dennoch die Regel. Wi haben derzeit einen sehr milden Winter. Wozu wird dann Tonnenweise Trester ausgeleert. Oftmals mit Mais vermischt das bei Rehen durch Pansenazidose zum Tode führt. Die Wälder sind voll davon und jeder kann sich selbst davon überzeugen. Die Tonnen werden gerne mit Zweigen getarnt. Die Fütterungen weilflächig gestreut damit man sie von Weitem nicht gleich anhand von Haufen erkennt. Sie sind aber "immer" in der Nähe von Ansitzen oder an Wildpfaden die an einem Ansitzz vorbei führen. Das die Bewertungen hier positiv Jagd sind liegt an den Scripten die Jäger einsetzen um ihre Cookies zu löschen und mehrmals abstimmen zu können. Stuttgarter Nachrichten sollten sich einen besseren Programmierer zulegen :-) IP Sperre und Zeitsperre wirken Wunder.
DEZ
06
10:10 Uhr, geschrieben von Thomas Schwarz
Jägerlatein
Jäger wollen also den "Wildbestand" "kontrollieren"? Wie sie das tun, zeigt ein Beispiel, das in der Deutschen Jagd Zeitung, Heft 7, 2011, S. 16-17, "Jäger in der Grube..., von Hans Jörg Nagel, abgedruckt ist. In einem Revier im Landkreis Alzey-Worms wurden in einem Weinberg die Füchse regelrecht ausgemerzt, weil die Jagdpächter ihrer Meinung nach zu wenige Kaninchen kaputt schießen konnten, die Füchse wurden bekämpft bis aufs Blut, die Kaninchen gehegt, bis es Hunderte und dann Tausende wurden, die jetzt die Weinberge unterhöhlen, Füchse gibt es so gut wie keine mehr - genau das, was die Jäger ja wollten, "fehlende Prädatoren", aber das Ausmaß war ihnen nicht bewusst. Jagdstörer sind Lebensretter, die ein archaisch anmutendes Hobby einer schwer bewaffneten, nekrophilen Minderheit stören, die sich als Naturschützer inszenieren und deren wahre Motive immer durchschaubarer und einer nicht-jagenden Bevölkerung zunehmend bewusster werden, nachzulesen und sehr schön auf den Punkt gebracht von Jäger Gerd Rohmann im Rahmen des "Forum lebendige Jagdkultur" (http://www.jagdkultur.de/main.php?page=archiv/2004/rohmann.html). Jagd hat mit Naturschutz nichts zu tun, sondern bezeichnet das "Aufsuchen, Nachstellen, Fangen, Erlegen und Aneignen von Wild durch einen Jäger." (Wikipedia, Jagd) Dafür werden Totschlagfallen aufgestellt (das ZDF berichtete, "Totschlagfallen: Gefahr für Kinder") und Jäger dringen ungefragt und häufig auch ungewollt von dem Grundstückseigentümer mit "kriegswaffenähnlichen Gewehren" (ARD, SWR-Sedung "report" aus Mainz) auf fremden Grund und Boden ein, um dort Tiere zu Klump zu schießen. Laut Angabe der Europäischen Union verseuchen Jäger den Waldboden jährlich allein in Deutschland mit 1000 Tonnen Blei, um die 40 Menschen sterben durch Jäger und Jagdwaffen, teilweise aus den eigenen Reihen (Treiber), aber auch unbeteiligte Personen (Erntehelfer, häufig Ehefrauen) werden von Jägern verletzt oder getötet. Erst gestern wurde bekannt, dass ein Jäger seinen Mieter erschossen hat - es ging um Mietstreitigkeiten. Jagdstörer bewegen sich in der Tradition von Pazifisten wie Tolstoi oder Magnus Schwantje, oder auch dem Widerstandskreis "Weiße Rose" um die Geschwister Scholl, die durch Aufklärung und Aktion dem sinnlosen Töten ein Ende setzen und die Bevölkerung gegen den Gewaltterror wachrütteln wollten. Wenn Jäger etwas gegen die "Schäden" unternehmen wollen, die Wildtiere anrichten, müssen sie es sich auch gefallen lassen, dass Menschen etwas gegen die Schäden, die Jäger anrichten - an Mensch, Tier und Umwelt - unternehmen. Ich frage mich, wenn Jäger sich so in den Dienst der Allgemeinheit stellen und Ernteschäden verhindern wollen, warum Jäger sich nicht gleichermaßen gegen Felddiebstahl durch Menschen engagieren, wodurch Millionenschäden entstehen? Tonneweise Obst udn Gemüse werden von den Äckern gestohlen (vgl. http://www.rp-online.de/niederrhein-sued/krefeld/nachrichten/landwirte-klagen-ueber-erntediebstahl-1.720261) Das scheint den Jägern wohl unattraktiv, obwohl sie ja vorgeben Schäden verhindern wollen; im Gegensatz zu den arglos ausgelieferten Wildschweinen sind Menschen allerdings nicht jagdbar, obgleich in Jägerforen ja schon mal angedeutet wird im Hinblick auf Jagdgegner und Jagdstörer, dass es "auch mal Querschläger geben" könne. Ich glaube den Jägern das. Und es wird sich auch ein Richter finden, der sie freispricht. Eines darf den Jägern versprochen werden: die Personaldecke um Leben zu retten, wird deutlich verstärkt werden. Wir stehen in der historischen Verantwortung, gegenüber den Gewalttaten einer Minderheit nicht wieder die Augen zu verschließen, zu schweigen oder gar als Helfershelfer zu fungieren, sondern den Mut zu fassen dagegen aktiv zu werden. Jagdgegner sind keine Spaßverderber, die anderen ihr Hobby nicht gönnen: Jagdstörer handeln aus tiefster moralischer Überzeugung und sind ihrem Gewissen verpflichtet Leben zu schützen. Sie handeln altruistisch, wollen sich nicht bereichern und bringen sich und ihr Leben in Gefahr um anderen ein Weiterleben zu ermöglichen.
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