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Wie unter Fremden, die Freunde sind

"Fellbach und Rems-Murr-Kreis", vom 12.01.2012 02:38 Uhr
Handball Costica Neagu trainiert den TV Oeffingen in der Bezirksliga und stößt bei seiner Forderung nach Disziplin manchmal auf taubeOhren. Dennoch will der ehemalige rumänische Nationalspieler nicht aufhören, seine Akteure zu fördern. Von Markus Merz

Das Wort "Coach" prangt in großen weißen Lettern auf dem schwarzen Trainingspullover von Costica Neagu. Mit der Trillerpfeife in der linken Hand gibt der 46-Jährige den Takt vor. Jeder Richtungswechsel, jede Tempoverschärfung wird mit einem Pfiff angekündigt. Bei denjenigen, die nicht genau hinhören, kommt es vor, dass sie weiter geradeaus laufen, während die anderen schon längst wieder auf dem Weg zurück sind.

Derlei Unachtsamkeiten hat Costica Neagu in seiner Zeit als Trainer der Bezirksliga-Handballer des TV Oeffingen viele festgestellt. Dabei ist er erst seit vergangenem Sommer da. "Ich habe aber gleich gemerkt, dass die Mannschaft ein Problem mit der Disziplin hat", sagt der ehemalige Zweitliga-Handballer des TV Kornwestheim. Die fehlende Aufmerksamkeit bei manchen Übungen im Training ist jedoch nur eine Randerscheinung. Ein Vorkommnis, das Costica Neagu häufig ignoriert. Ganz anders sieht es mit den Anfeindungen aus, welche sich die Spieler regelmäßig bei Bezirksliga-Auftritten zurufen. "So etwas habe ich in meiner langen Zeit als Handballer noch nie erlebt. Manchmal hassen sich die Spieler, als wären sie Fremde", sagt Costica Neagu. Kaum ist der sportliche Wettstreit beendet, sind die Oeffinger dann wieder gute Freunde.

Weil Costica Neagu die fehlende Disziplin untereinander als Hauptproblem ausmacht, weshalb die Oeffinger seit Jahren am Versuch, in die Landesliga aufzusteigen, scheitern, arbeitet der ausgebildete Sportlehrer nahezu ununterbrochen an Verbesserungen: "Ich gebe aber zu, dass es nicht einfach ist. Oft vergessen die Jungs wieder, was ich gesagt habe. Dennoch spüre ich, dass es schrittweise besser wird mit der Disziplin."

Die Philosophie der kleinen Schritten soll schließlich am Ende der Saison einen lang gehegten Traum der Oeffinger Handballfamilie wahr werden zu lassen: den Aufstieg in die Landesliga. Derzeit belegt das Team den dritten Platz und befindet sich mit 18:6-Punkten in einem Feld von vier Kandidaten, die fast gleichauf sind. "Es ist alles eng beisammen. Wir reden aber nicht über den Aufstieg. Die Jungs sollen weiter ohne Druck spielen können", sagt Costica Neagu, der weiß, wie man eine Bezirksliga-Mannschaft nach oben führt.

Vor seinem Engagement beim TV Oeffingen hatte er die HSG Schönbuch innerhalb von drei Jahren aus der Bezirksliga in die Württemberg-Liga geführt. Mit einer Mannschaft, die seiner jetzigen durchaus ähnlich war: "Ein Team ohne große Stars - wie hier in Oeffingen auch." Ob ähnlicher sportlicher Erfolg auch beim TVOe möglich ist, bezweifelt er allerdings.

Costica Neagu muss es wissen. Immerhin kann der ehemalige Profi-Handballer auf 120 Länderspiele mit der rumänischen Nationalmannschaft zurückblicken. 1990 gehörte der einstige Kreisläufer und Linksaußen zum Aufgebot, das bei der Weltmeisterschaft in Prag die Bronzemedaille mit nach Hause brachte. Zwei Jahre später nahm die rumänische Nationalmannschaft dann noch an den Olympischen Spielen in Barcelona teil und wurde Achte. Für Costica Neagu zwei ganz besondere Erlebnisse in seiner Laufbahn: "Leider ging die Zeit sehr schnell vorbei. Aber es waren tolle Jahre, die mich ja auch nach Deutschland geführt haben."

1994 verließ Costica Neagu seine Heimat und hat in Pattonville bei Kornwestheim längst ein zweites Zuhause gefunden. In Rumänien verbringt er jedes Jahr noch etwa drei bis vier Wochen und besucht dann seine Familie, die nördlich der Hauptstadt Bukarest lebt.

Auch in diesem Sommer will der B-Lizenz-Inhaber wieder nach Rumänien reisen. Ob er danach noch Trainer bei den Handballern des TV Oeffingen ist, kann er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen: "Wir müssen schauen, wie sich die Saison entwickelt. Dann wird es Gespräche geben." Diese will er zwar nicht von der Ligazugehörigkeit abhängig machen, wohl aber davon, inwieweit die Mannschaft seine Vorgaben umsetzt. Denn alles Fordern und Fördern von Disziplin soll für den "Coach" am Ende nicht umsonst gewesen sein.

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