"Wie ein Verbrecher gejagt" Stefan Mappus hat von der Politik genug

dapd, 29.12.2012 15:10 Uhr

Stuttgart - Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) sieht keine Zukunft mehr für sich in der Politik. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte er, mit der Politik sei es ganz sicher vorbei, da er „von der eigenen Partei zum alleinigen Sündenbock“ für den umstrittenen EnBW-Aktienkauf gemacht werde.

Gegen Mappus wird im Zusammenhang mit dem Milliardengeschäft wegen des Anfangsverdachts der Untreue ermittelt. Unter seiner Führung hatte das Land im Dezember 2010 am Parlament vorbei das EnBW-Aktienpaket für rund 4,7 Milliarden Euro vom französischen Unternehmen EdF zurückgekauft. Der Staatsgerichtshof erklärte das Geschäft im Nachhinein für verfassungswidrig.

„Ich will das meiner Familie nicht mehr antun“

Mappus bekräftige seine Sicht, dass der Kauf von Aktien des Energieunternehmens dem Land nicht geschadet hat. Die grün-rote Landesregierung sieht dies anders und versucht derzeit vor Gericht vom früheren Anteilseigner EdF Schadensersatz für einen aus ihrer Sicht zu hoch gezahlten Preis zu erstreiten. Mappus sagte: „Es ist kein Schaden für das Land entstanden, aber ich wurde wie ein Verbrecher durch das Land gejagt, jeden Tag. Ich will das auch meiner Familie nicht mehr antun, die Veranstaltung wird mich eine sechsstellige Summe an Anwaltshonoraren kosten.“

Nachdem der Staatsgerichtshof das EnBW-Geschäft für verfassungswidrig erklärt hatte, hatte Mappus im November 2011 seinen Posten als Leiter des Brasiliengeschäfts von Merck nach nur vier Monaten in beiderseitigem Einvernehmen beendet.

Damals sei viel Druck auf Merck ausgeübt worden, sagte Mappus. Er habe daraufhin selbst um die Vertragsauflösung geben. „Das war das Bitterste. Ich dachte immer, wenn ich aus der Politik raus bin, lässt man mich in Ruhe“, kommentiert der 46-Jährige die Einflussnahme auf den Konzern.

Der frühere Regierungschef ist mittlerweile wieder berufstätig. Seine heutigen Vertragspartner hält der studierte Ökonom aber geheim.

„Das war ein Herdentrieb brutalster Form“

Das Verhalten seiner Partei ihm gegenüber hat Mappus indes nicht überrascht. „Die CDU ist eine Partei, die sehr lange sehr loyal ist, aber ab einem gewissen Zeitpunkt gibt es wahrscheinlich auch keine Partei, die so brutal ist wie die CDU“, sagte er. Nachdem die staatsanwaltlichen Ermittlungen im Juli bekannt wurde, distanzierte sich die Spitze des CDU-Landesverbands auf dem Karlsruher Parteitag von Mappus' Alleingängen. Zuvor waren bereits einzelne Weggefährten von ihm abgerückt. Es gab sogar Forderungen, Mappus aus der Partei auszuschließen.

Das Umschwenken der Parteimitglieder sieht Mappus heute als „ein Herdentrieb in brutalster Form“. „Wenn ich meine Frau nicht gehabt hätte, die Kinder nicht, die Kinder in ihrer Lebhaftigkeit dann wäre ich erledigt gewesen“, sagte er.

 
 
Kommentare (28)
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DEZ
30
Christa Neff, 17:22 Uhr

Stefan Mappus hat von der Politik genug

Zuerst: zum Kommentar von Jingle: Gebe ihnen 100% Recht. Man muss ja nur die ganzen Beiträge hier anschauen. Vor allem den von @Reutlingerin, die sich ja unheimlich schlau vorkommt wenn sie nur irgendwas zitiert (auch noch als Plagiat da ohne Hinweis auf Zitat und 'Gänsefüßchen'). Außerdem fast ausschließlich Hern Sckerl. So langsam habe ich den Eindruck dass dieser Mann nur den Mund aufreißen kann (erinnert mich an eine Riesenschlange die ein ganzes Schwein verschluckt hat, die bekommen das auch hin indem sie ihren Kiefer ausklinken). Ist bei Herrn Sckerl wahrscheinlich nicht der Fall, eher ist zu vermuten dass bei ihm was anderes ausklinkt. Darauf hinzuweisen dass, egal welche Hetze, politisch, rassistisch oder sonstwas nicht tragbar ist, ist vermutlich vergebliche Liebesmühe, und genau das hat Herr Mappus gemeint. Hoffentlich passiert diesen ach so 'Weißen-Westen-Trägern' nicht irgendwas ähnliches wo ihre Kinder oder die Frau betroffen sind. Aber vermutlich sind dann CDU und Mappus, Schuster und wie die Feindbilder alle heißen schuld. Wünsche guten Rutsch.

DEZ
30
Mutter eines 'Schülerdemonstranten' vom 30.09.2010, 15:27 Uhr

Herr Mappus,

warten Sie ab, Ihre Kinder werden Sie in ihrer Lebhaftigkeit eines Tages fragen, warum Sie auf Schüler haben einprügeln lassen ...

DEZ
30
Naseweiss, 15:27 Uhr

@ Stuttgarter mit Verstand

Also wenn ich mir Ihren Kommentar so anschaue, dann frage ich mich echt wo der Zweite Teil in ihrem Addy geblieben ist. Sie verwechseln mal wieder Ursache und Wirkung. Ursache die Vorgängerregierung hat schlecht gewirtschaftet. Auswirkung die jetzige Regierung versucht das zu richten, was der vorhergehende Filz hinterlassen hat. Und leider ist es so, dass jene die vorher dran waren über Jahr oder besser Jahrzehnte in vielen Bereichen falsch gewirtschaftet haben. Die heruntergekommenen Schulen, die fehlenden Kitas, die maroden Straßen, die verkommene Infrastruktur ist nicht erst mit der Wahl der Grünen entstanden! Aber die Herrschaften dieser Parteien CDU und FDP zu dehnen Sie wohl auch zählen sind an Dekadenz und ignoranter Arroganz nicht zu überbieten. Es wäre Zeit für Demut!

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