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Stuttgart - Väterchen Frost geht weiter um. Auch am Wochenende muss man sich warm einpacken. Es ist eisig kalt fürwahr, keine Überraschung eigentlich im Februar. Nur Schnee hat's zu wenig, es reicht kaum zum Rodeln und Schneemannbauen. Da waren wir in den vergangenen Jahren verwöhnter.
Das Gedächtnis reicht nicht weit zurück. Regnet es den zweiten Tag nach einer Hitzeperiode, jammern wir: "Wann wird's mal endlich wieder Sommer?" Winter sind natürlich auch nicht mehr das, was sie mal waren. Und wir sind uns sicher, so einen knackigen Winter kennen wir doch nur aus der Erzählung unserer Großeltern. Weit gefehlt. 2010 erst hatten wir einen Bilderbuchwinter, mit 25 Zentimeter Schnee an Weihnachten. Den ganzen Januar über gab's Bodenfrost.
Damals hielt der Neckar Winterschlaf
Es war allerdings fast kuschelig warm, minus 1,6 Grad war damals die Durchschnittstemperatur. So hoch klettert das Thermometer in diesem Februar nicht. Minus 3,6 Grad war die Höchsttemperatur, gemessen tagsüber am Mittwoch am Schnarrenberg. Des Nachts waren es allerdings wieder zehn Grad unter null. Am Donnerstag waren es tagsüber minus 6,6 Grad, nachts minus 12,4 Grad. So ähnlich bleibt es auch am Wochenende. Der Deutsche Wetterdienst prophezeit als Höchsttemperatur minus sieben Grad und nachts bis zu minus 15 Grad. "Es ist freundlich mit einem Mix aus Sonne und Wolken", sagt Meteorologe Paul Dilger vom Wetterdienst.
Man kann also spazieren gehen. Aber nicht auf dem Neckar. Wie einst im Winter 1928/1929. Damals hielt der Fluss Winterschlaf. Und war gar ein Rummelplatz. "An den Wochenenden glich der Betrieb dem eines großen Volksfestes. Es wurden sogar Fachwerkhäuser und Bierzelte aufgestellt. Hufschmiede beschlugen Pferde, im Januar 1929 fuhren Daimler-Autos auf dem Eis von Untertürkheim nach Cannstatt, und die Vereine trafen sich beim Glühweinausschank auf dem rutschigen Parkett." So beschreibt das Willi Beck, in einem Büchlein der Neckar-Personen-Schiffahrt gelesen.
Also Vorsicht vor dem Eis
Damals konnten Fußgänger den Fluss an fast jeder beliebigen Stelle überqueren. Das taten denn auch Emil Beck und sein Freund Oskar, die in Cannstatt wohnten, in Ostheim schafften und auf dem Heimweg gern in Gaisburg "auf ein bis zwei Bierlängen" rasteten. An einem Märzabend brach Beck ein, krabbelte heraus und bekam zu Hause von seiner Frau einen furchtbaren Einlauf. Denn die Hosenbeine waren in Kniehöhe abgerissen. Das gute Stück war hinüber.
Also Vorsicht vor dem Eis. Es ist mitunter dünner, als es aussieht. Dennoch, Schlittschuh laufen lässt sich prima bei den Temperaturen. Ski und Rodel sind allerdings weniger gut, da müsste sich Frau Holle noch erbarmen. So wie 1982, als sie 40 Zentimeter über Stuttgart niedersegeln ließ. Den Rekord hält allerdings der Winter 1958 mit 52 Zentimeter Schnee. Damals musste man das Dach der Liederhalle freischaufeln, es drohte unter der Last einzubrechen. Wie übrigens auch im Januar 2010, damals genügten 25 Zentimeter, damit die Feuerwehr zum Schippen ausrücken musste.
Ein Winter wie im Bilderbuch. Gerade mal zwei Jahre her. Und schon fast wieder vergessen. Das Gedächtnis reicht halt nicht weit zurück.