Mercedes Benz

Wertewandel Auto als Statussymbol hat ausgedient

Von Lisa Philippen 

Seit 2000 gibt es 63 Prozent weniger junge Stuttgarter, die ein eigenes Auto besitzen. Weniger mobil sind die 18- bis 25-Jährigen deshalb nicht.

Stuttgart - Wer angesagt sein wollte, brauchte mit 18 einen fahrbaren Untersatz. Dafür haben Generationen jeden Pfennig zusammengekratzt. Doch diese Zeiten sind vorbei. Autos sind für die Jugend längst nicht mehr so wichtig.

Ein Blick in die Statistik zeigt: Immer weniger junge Stuttgarter besitzen ein eigenes Auto. Seit dem Jahr 2000 sind die Zahlen der Autohalter zwischen 18 und 25 Jahren von 12.956 auf 4781 gesunken, das entspricht in etwa 63 Prozent. „Dieser Rückgang ist beachtlich“, sagt Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amtes der Stadt. Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Zahl der 18- bis 30- Jährigen seit der Jahrtausendwende um knapp neun Prozent angestiegen ist.

Doch der Statistiker ist vorsichtig. Einen grundlegenden Wandel möchte er noch nicht beschwören. Dazu müssten die Zahlen in den kommenden Jahren weiterhin sinken. „Dennoch bezeugen unsere Ergebnisse einen klaren Trend weg vom Auto“, sagt Thomas Schwarz.

Die Wahl der Verkehrsmittel hat sich in ganz Deutschland verändert

Damit steht die Landeshauptstadt, deren Wohlstand sich unter anderem auf die guten Geschäfte mit Pkw gründet, nicht allein. Eine Studie des Instituts für Mobilitätsforschung zeigt, dass sich die Wahl der Verkehrsmittel bei jungen Erwachsenen in ganz Deutschland verändert, insbesondere in Großstädten und deren Vororten. Bundesweit war es vor der Jahrtausendwende so, dass junge Erwachsene, sobald sie einen Führerschein hatten, öffentliche Verkehrsmittel kaum noch nutzten. Die Mehrheit der jungen Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel hatte vor dem Jahr 2000 keinen Führerschein. Seit der Jahrtausendwende hat sich das umgekehrt: 18- bis 25-Jährige fahren wesentlich häufiger mit Bus und Bahn als Jugendliche ohne Fahrerlaubnis.

Der Leiter des Statistischen Amtes macht einen grundlegenden Wertewandel der Generation U 30 für den Trend verantwortlich: „Autos sind für die Jugend nicht mehr das Prestigeobjekt Nummer eins.“ Viel wichtiger seien heutzutage Kommunikationsmedien wie Smartphones, Tablet-PCs oder auch der Umzug in eine eigene Wohnung. Die Prioritäten haben sich verschoben, sagt der Statistiker: „Wer einen großen Geldbeutel hat, der kauft auch heute noch ein Auto. Sind die finanziellen Mittel aber begrenzt, entscheidet man sich eher fürs Handy oder den PC.“ Umweltbewusstsein als Grund für die Abkehr vom Auto hält Schwarz in diesem Zusammenhang eher für zweitrangig.

Der Stuttgarter Chefstatistiker warnt davor, dieses Ergebnis zu verharmlosen. Der Trend lasse sich nicht allein mit gestiegenen Studentenzahlen oder der Parksituation in der Stadt begründen – also mit schmalem Geldbeutel oder Platzmangel. „Schon allein deswegen nicht, weil wir die Entwicklung flächendeckend in ganz Stuttgart beobachten.“ In Stammheim verzeichnet Schwarz 48,3 Prozent weniger Autohalter und damit den niedrigsten Rückgang im Stadtgebiet. Den größten Schwund hat der Stadtbezirk Mitte mit einem Minus von 72,2 Prozent. Die Werte der anderen Bezirke liegen irgendwo dazwischen. „Dieser stadtweite Rückgang ist enorm“, sagt Thomas Schwarz. „Das hat mich wirklich überrascht.“

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