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Nach SMS-Panne "Wenn da die Runde macht, kann ich abtreten"

Michael Isenberg, vom 20.09.2011 13:09 Uhr
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 Foto: StN
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Franke weist das damals wie heute zurück. "Ich mache keine Minister, das ist nicht mein Gestaltungsspielraum", sagt er am Montag unserer Zeitung. Über die SMS von Wölfle hat er sich noch kein abschließendes Bild gemacht. "Jeder, der Kritik außerhalb der Partei äußert, schadet aber der Partei", sagt der Kreisvorsitzende Franke. "Darauf wird es eine Reaktion geben."

Dem Absender der SMS ist die Tragweite seiner Kritik an Franke durchaus bewusst. "Diese Beurteilung steht mir gar nicht zu", sagt er am Montag kleinlaut. Die Nachricht zu versenden sei "total unverantwortlich" von ihm gewesen. Auf die Frage, ob er damit eher den Grünen Schaden zugefügt habe oder dem Staatsministerium, antwortet er: "Vor allem mir selbst." Wölfle sieht zu diesem Zeitpunkt sogar seine politische Karriere gefährdet. "Wenn das so die Runde macht, kann ich abtreten", meint er.

Wölfle hat Paragraf eins des Gesetzes für innerparteiliche Konflikte im Blick. Und der heißt: Mund halten. Dafür gibt es manigfaltige Beispiele. Dass zwischen dem vorigen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) und Stuttgarts OB Wolfgang Schuster (CDU) kräftig Sand im Getriebe war, wussten viele. Gesagt hat es keiner. Mappus traute Schuster nichts zu; Schuster wusste mit dem politischen Grobmotoriker Mappus nichts anzufangen. Also ging man sich, so gut es ging, aus dem Weg.

Mappus brüskierte Schuster vor der Landtagswahl

Ein Aufreger wurde der Konflikt der beiden Konservativen erst, als Mappus bei Journalisten ausplauderte, dass Schuster schon altersbedingt auf die OB-Wahl 2012 verzichten werde. Mitten im Landtagswahlkampf wurde das als Brüskierung und Demontage Schusters gewertet. Er erhielt von allen Seiten plötzlich Rückendeckung, während Mappus mit seiner unbedachten Äußerung womöglich selbst mit dazu beigetragen hat, das Ende seiner Amtszeit einzuläuten. "Unter gewählten Funktionsträgern ist es ungeschriebenes Gesetz, dass man Animositäten gegenüber dem Kollegen außen vor lässt", wird in CDU-Kreisen bekräftigt.

Hat Werner Wölfle mit seinem letzten SMS-Satz gegen dieses Politikgesetz verstoßen? Wenn er schreibt: "Kein Unterschied zu den schwarzen"? Erkennt er bei den Grünen in der Landesregierung ähnliche Seilschaften, wie sie die Ökopartei selbst in der 58-jährigen CDU-Regentschaft in Baden-Württemberg beklagt hatte? Nein, beteuert Wölfle. "Das hat mit dem Staatsministerium nichts zu tun." Auch der Konflikt mit Klaus-Peter Murawski (Grüne), seinem Amtsvorgänger im Rathaus, der als Staatsminister in die Regierungszentrale gewechselt ist, sei eine Erfindung von Journalisten. Der böse Satz, wonach Murawski Wölfle als "Fehlbesetzung" bezeichnet haben soll, sei nicht die Wahrheit, sagt Wölfle. Murawski habe ihm selbst erklärt, dass er den fraglichen Satz "nie gesagt" habe, so Wölfle.

Im Staatsministerium will man die SMS Wölfles am Montag nicht überbewerten. Bei der Personalie Franke hätten "fachliche Dinge" die erste Rolle gespielt, erklärt der stellvertretende Regierungssprecher Arne Braun. Darüber hinaus habe Wölfle bloß "seine persönliche Meinung" kund getan. Offiziell bewerten mag man die Kritik des Stuttgarter Vorzeige-Grünen am Stil der Grünen-Landesregierung schon gar nicht. Einfluss auf die Tagespolitik habe das nicht. "Das Verhältnis zwischen Staatsministerium und Stadt ist exquisit", so Braun.

Auf die Frage, ob seine irregeleitete SMS die künftigen Beziehungen zwischen Rathaus und Villa Reitzenstein belasteten, sagt Wölfle mit ironischem Unterton: "Wenn ich eine bedeutende Person wäre: Ja."

Kommentare (100)
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SEP
22
11:04 Uhr, geschrieben von Jürgen D aus C
Weder Wolf noch Wölfle aber Fuchs in eigener Sache!!
Liest man die Leserbriefe stellt man fest, dass die Anhänger der Grünen und Gegner von S 21 fast alles edle Menschen sind die Verständnis für Fehler anderer haben und diese (im christlichen Sinne) verzeihen! Dabei bleibt Schweinerei Schweinerei und Mist Mist, egal ob früher von Schwarz oder Gelb oder heute von Grün oder Rot! Aus diesen Gründen ist es mir unverständlich, warum hier überwiegend verziehen wird (Irrtum, private SMS usw. usw.) und immer (negative) Beispiele aus der früheren Regierung gesucht und angeführt werden! Schweinereien der seitherigen Regierung rechtfertigen nicht solche der jetzigen, diese ist doch angetreten, alles besser zu machen und insbesondere auch den Filz zu durchbrechen. Stattdessen wird hier munter neuer Filz geschaffen, Geld scheint ja genügend vorhanden zu sein. Private fehlgeleitete SMS? Hier wurde ein dienstliches Mobiltelefon verwendet und (während der Arbeitszeit?) bedient! Auch hat Wölfle für schnelle Mitteilungen an die Presse gleich die Faxnummer der Zeitung eingespeichert, dafür sind dann die vielgeschmähten Stuttgarter Nachrichten gut um Erklärungen im eigenen Interesse zu veröffentlichen! Und dann die peinliche (spätpubertäre) Aussage vom „Besaufen“ („ … und ich betrinken sich“) (Deutsch? Was würde dazu die Kultusministerin sagen?). Ich weiß nicht, ich habe mir bislang unter einem seriösen Bürgermeister etwas anderes vorgestellt, vielleicht war das auch der Grund, warum Wölfle bei der ersten Wahl durchgefallen war!? Dafür sorgt er sich jetzt um das Wohlergehen seiner Familie indem er seine persönliche Referentin (mit der er zufällig seit einem Jahr verheiratet ist) unter Aufhebung der üblichen Beförderungssperre in eine höhere Besoldungsgruppe stuft! Ich kenne diesen Vorgang unter dem Begriff Nepotismus!
SEP
21
16:41 Uhr, geschrieben von peter stellwag
schamlos
schamlos - wie eine offensichtlich privat gemeinte sms öffentlich zur schaugestellt wird. steht einem politiker keine privatsphäre zu? darf ein politiker keinen fehler machen (falsche nummer/adresse)? ich glaube es ist ganz leicht vorstellbar, daß nach allem was herr wölfle in den letzten monaten erlebt hat, auch mal graue wolken aufziehen und man sich betrinken will! daß die (private) mitteilsamkeit so schamlos ausgenutzt wird ist nur den skandalwütigen elementzen der presse zuzuschreiben. ernsthaft gefragt - niemand wollte das wissen! stellen sie sich vor ich frage sie morgen "wie geht es ihnen" und sie antworten aufrichtig "schlecht" - wollen sie das übermorgen in der zeitung lesen? nein danke!
SEP
21
12:58 Uhr, geschrieben von mir
Wölfle kennt sich mit Technik aus,
egal ob mit Bahnhöfen oder Smartphones. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man brüllen vor lachen.
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