Berlin - Die Wörter „Fifty-fifty-Joker“, „Publikumsjoker“ und „Telefonjoker“ sind in den Duden eingegangen. „Wer wird Millionär?“ hat den Weg für wissensbasierte Unterhaltung zur besten Sendezeit im Privatfernsehen frei gemacht. Und trotz Nachahmern bleibt die RTL-Sendung mit durchschnittlich sechs Millionen Zuschauern Quotenkönig unter den deutschen Quizshows. Die Bilanz von „Wer wird Millionär?“ nach 999 Folgen kann sich sehen lassen.
An diesem Freitag ertönt um 20.15 Uhr zum 1000. Mal die unverwechselbare Eröffnungsfanfare. In der Jubiläumssendung treten vier „Helden des Alltags“ an, sozial engagierte Menschen. Sie spielen um Geld für ihr Projekt – unter anderen mit den Entertainern Barbara Schöneberger und Oliver Pocher als Zusatzjoker. Beide gewannen bei „Wer wird Millionär?“-Sondersendungen, den sogenannten Promi-Specials, jeweils eine Million für gute Zwecke. Bisher saßen dem „Mann für Millionen“, wie RTL Günther Jauch in einer Pressemitteilung nennt, mehr als 2000 Kandidaten auf dem Ratestuhl gegenüber. Nur zehn von ihnen erspielten die Million – als letzter Nicht-Promi im November 2010 der Café-Besitzer Ralf Schnoor aus Hannover. Er wusste, dass die erste deutsche Briefmarke, die 1849 in Bayern herausgegeben wurde, der Schwarze Einser war.
Begonnen hatte alles vor mehr als zwölf Jahren am 3. September 1999. Die erste Kandidatin, der Jauch Fragen stellte, war Arzthelferin Tanja Ortmann aus Aachen. Die 24-Jährige musste zunächst die Redewendung „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem . . . “ richtig ergänzen und dabei zwischen „Sofa“, „Klo“, „Grill“ und „Dach“ wählen. Am Ende gewann sie 8000 Mark. Seitdem haben die Kandidaten insgesamt mehr als 74 Millionen Euro erspielt, mit Prominenten-Specials sogar mehr als 95 Millionen Euro. In der Premieren-Sendung versprach Jauch, der das Format in England verfolgt hatte: „Ich kann Ihnen so viel verraten, es wird so spannend werden und so unberechenbar, dass wirklich der notorische Schulabbrecher hier die Chance zu einem glanzvollen Comeback hat und Nachfahren Einsteins hier schrecklich versagen können.“ Damit sollte er recht behalten. „Wer wird Millionär?“ hielt einige Überraschungen bereit. So gewann der Hamburger Barkeeper Thomas König – ein typischer Rocker mit Kopftuch, langen Haaren und Rauschebart - im Jahr 2000 beispielsweise 125 000 Mark, während ein Beamter einige Sendungen später an der 500-Mark-Frage scheiterte, weil er nicht wusste, dass der Titel eines Stimmungsliedes „Ein Pferd auf dem Flur“ lautet.
Vieles ist gleich geblieben, manches hat sich verändert
Fragen wie diese sind heute noch gängig bei „Wer wird Millionär?“. Vieles haben die Macher so beibehalten, wie es bereits zur ersten Sendung war: die Musik, die Scheinwerfer, welche den Sound in der Art eines Trommelwirbels durch ihr Auf und Ab untermauern, die in Blau gehaltene Kulisse . . . Und natürlich Moderator Günther Jauch: Laut einem RTL-Interview sagt er: „‚Wer wird Millionär?‘ ist meine Sendung! Ich hätte am Anfang selbst nie gedacht, dass das so zu meinem Format werden würde. Das ist es mittlerweile.“
Trotz vieler Konstanten hat sich in den zwölf Jahren seit dem Start der Sendung aber auch einiges verändert: Die Auswahlfrage, die darüber entscheidet, wer vor Jauch auf dem Ratestuhl Platz nimmt, wird nur noch fünf statt zehn Kandidaten gestellt. 2007 wurde eine zusätzliche Spielvariante mit Extra-Joker, aber höherem Risiko eingeführt. Seit kurzem können die Zuschauer die Telefonjoker nicht nur hören, sondern sehen sie auf Foto-Einblendungen.
Außerdem setzt „Wer wird Millionär?“ noch stärker auf Unterhaltung, wie es scheint: Zu jedem Kandidaten, der sich der Auswahlfrage stellt, wird neuerdings eine persönliche Information eingeblendet – oftmals Amüsantes und Absonderliches. Die Sendung lässt mehr Raum für Small Talk und Effekthascherei abseits des Ratens: So stellte sich Jauch in der Show am vergangenen Montag auf die Waage, nachdem ein Kandidat seine Einschätzung, er wiege 78 Kilogramm, als „optimistisch“ bezeichnet hatte. Wissenshungrige, die so viel Entertainment nervt, können sich bei der App von „Wer wird Millionär?“ dagegen völlig aufs Raten konzentrieren: Die Fragen der letzten Sendung sind nach deren Ausstrahlung auf Smartphone sowie iPad abrufbar, können im Selbsttest beantwortet werden. Die App kommt ganz ohne Moderator aus ,und einen Millionengewinn gibt es am Ende auch nicht aufs Konto.