Wo Sauerkraut draufsteht, muss nicht zwangsläufig Sauerkraut drin sein. Auch, oder erst recht nicht, wenn es sich dabei um eine Büchse Mildessa Mildes Weinsauerkraut der Esslinger Firma Hengstenberg handelt. Denn dieses Behältnis wird nicht nur im Lebensmittelhandel angeboten, sondern - unter dem Begriff Dosensafe - auch in diversen Outdoorgeschäften und im Internet. Darin verstaut werden können Geld, Armbanduhren, Handys, Schmuck, Schlüssel, persönliche Dokumente, aber auch das Gebiss, die Brille, der Lottoschein oder eine Schatzkarte - Dinge eben, die einem lieb und teuer sind und die man auf keinen Fall und schon gar nicht freiwillig hergibt.
Erfunden hat den Dosensafe Stefan Neser, der seit sieben Jahren in Berlin lebt - sozusagen als Exilschwabe. Der in Ditzingen aufgewachsene Tüftler hatte die zündende Idee vor rund sechs Jahren bei einem Urlaub an der Cäte d"Azur. Er und seine Freunde wussten einfach nicht, wohin mit den Wertsachen, "wenn wir an den Strand wollten". Der 36-jährige Neser hatte die Idee, das Geld und den Schmuck einfach in einer bereits geleerten und ausgespülten Konservenbüchse zu deponieren. Freilich sei diese Lösung "suboptimal" gewesen, sagt er, denn in eine geöffnete Büchse schauten neugierige Zeitgenossen eher hinein, als in einer geschlossenen Bares zu vermuten. Deshalb entwickelte er die Idee weiter und machte sich damit schnell selbstständig.
In der Dose mit Schraubverschluss können die kostbaren Güter vor den Augen dreister Diebe sicher verborgen werden. Welcher Einbrecher rechnet schon damit, dass in Büchsen, die offensichtlich mit Sauerkraut, Erbsen und Möhren, sauren Kutteln, Chili con Carne, Bier oder Cola, Hunde- oder Fischfutter gefüllt sind, die Objekte seiner Begierde versteckt sind.
Der gebürtige Leonberger, der eigentlich Hörgeräteakustiker und Rettungssanitäter gelernt hat, hatte nicht viel zu verlieren, denn er war zu dieser Zeit arbeitslos. Inzwischen kann er von dem Geschäft gut leben - seine Produkte werden zu Preisen zwischen zehn und 20 Euro verkauft. Allerdings sei es nicht so, dass er "fünf Tonnen Sauerkraut auf einem Komposthaufen hinterm Haus" lagern müsse, um an die Dosen zu kommen. Denn er kauft die offenen Blechbehälter in großen Mengen ein und verpasst ihnen mittels eines eingepressten Gewinderings einen Schraubverschluss. Auf dass sie im geschlossenen Zustand aussehen wie eine Konservenbüchse im Originalzustand. Die genaue Herstellung, für die Neser eine selbst gebaute Maschine einsetzt, sei freilich sein Betriebsgeheimnis.
Die Labels für die Banderolen habe er nach den Produkten der "bekanntesten Lebensmittelhersteller im Konservenformat" ausgesucht, sagt Neser. Die Firmen stellen ihm diese offenbar gerne zur Verfügung. Zum Beispiel das in Esslingen ansässige Unternehmen Hengstenberg, dessen Weinsauerkraut seit Oktober einen der vielen verschiedenen mobilen Blechtresore schmückt. Als die Anfrage an die Firma herangetragen worden sei, hätten die Verantwortlichen gerne zugestimmt, sagt Katja Bauer, die bei Hengstenberg für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Schließlich sei diese Art der Dosennutzung "eine pfiffige Idee und für uns auch eine kostenlose Werbung".
Inzwischen können wertvolle Dinge nicht nur in Lebensmitteldosen versteckt werden, denn Nesers Firma Plastic Fantastic bietet auch Versteckmöglichkeiten in eigens dafür präparierten Schrauben, Zigaretten, Dosen für Intimspray ("Wer geht da schon ran?"), im Lippenstift oder Hammer an. Geheimfächer hat er zudem in Blumentöpfe, Bilderrahmen, Bücher (darunter auch die Bibel), Kerzen und sogar in Feuerzeuge, Batterien, Kugelschreiber und Steine integriert. Das Geschäft mit dem doppelten Boden scheint dem 36-Jährigen im Blut zu liegen, denn schon seit vielen Jahren tritt er unter dem Künstlernamen Stefan van Rode zu verschiedenen Anlässen als Zauberer auf.
Damit ihm seine Ideen für die Geheimverstecke nicht von der Konkurrenz weggezaubert werden, hat Stefan Neser einen Markenschutz für seine Produkte erwirkt. Dabei hat ihm eine Auszeichnung im Rahmen einer Patentaktion für kleine und mittlere Unternehmen geholfen. Diese wird von Signo (Schutz von Ideen für die gewerbliche Nutzung) angeboten, einer Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.
Obwohl er schon viele unterschiedliche Produkte mit Geheimfach im Programm hat, gehen Stefan Neser die Einfälle nicht aus, wie und wo sich Wertsachen unauffällig verstecken lassen. Im Herbst werde er pünktlich zum Weihnachtsgeschäft "neue Formate" auf den Markt bringen. Wie diese genau aussehen werden, verrät er heute noch nicht, denn das ist natürlich streng geheim.
Weitere Informationen im
Internet unter
www.geheimversteck.de