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Weiter fahren mit Semesterticket 330 Euro für landesweites Studiticket?

Von Constantin Pläcking 

Rege Nachfrage nach S-Bahn und Bus: Rund 47 000 Studitickets hat der VVS allein im vergangenen Wintersemester verkauft Foto: Max Kovalenko
Rege Nachfrage nach S-Bahn und Bus: Rund 47 000 Studitickets hat der VVS allein im vergangenen Wintersemester verkauftFoto: Max Kovalenko

Ein landesweites Semesterticket für Studenten hatte sich Grün-Rot schon im Koalitionsvertrag vorgenommen. 2016 soll es kommen. Nach Recherchen der Stuttgarter Nachrichten könnte der Fahrschein Studenten aus der Region Stuttgart teuer zu stehen kommen.

Stuttgart - Einige Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen haben es bereits: Ein Semesterticket, mit dem Studenten im ganzen Land mit Bus und Bahn fahren können, ohne zusätzliche Fahrkarten kaufen zu müssen. Ein solches Ticket auch in Baden-Württemberg einzuführen ist erklärtes Ziel der grün-roten Landesregierung. Jetzt wurden Details aus den Verhandlungen bekannt.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte schon Anfang des Jahres gesagt, dass die Studenten ab 2016 in den Genuss des Landestickets kommen sollen. Mittlerweile steht fest, dass das Angebot zum Teil solidarisch aus Pflichtbeiträgen aller Studenten, zum Teil aus dem Verkaufserlös finanziert werden soll. Dieses Modell mit zwei Komponenten steht im Gegensatz zu jenem, bei dem der Preis ein wenig niedriger ist, aber alle Studenten dazu gezwungen werden, das Ticket zu kaufen. Das ist beispielsweise eben auch in Nordrhein-Westfalen der Fall.

„Da in Baden-Württemberg das Zwei-Komponenten-Modell traditionell von den meisten Verkehrsverbünden genutzt wird, soll auch das landesweite Semesterticket dieses Modell haben”, sagt Michael Heinl, Sprecher der Landesstudierendenvertretung. Das sei einfacher für die Umstellung der bisherigen Regelungen.

Mit dem neuen Semesterticket soll man, so heißt es aus dem Landesverkehrsministerium, den ganzen Tag und so oft man möchte durchs Land fahren können. Aber auch alle, die ausschließlich den Pflichtteil bezahlen, kommen in den Genuss von Bus und Bahn im ganzen Land. So ist für alle eine Freizeitregelung geplant: Wochentags am Abend und am Wochenende ganztags sollen alle Studenten der teilnehmenden Hochschulen ohne Zusatzkosten durchs Land fahren können. Perfekt für Wochenendtrips zu den Sehenswürdigkeiten im Land oder Besuche bei Freunden oder der Familie. Das Studiticket des Heimatverbunds soll es neben der landesweit gültigen Version weiterhin geben.

Das neue Semesterticket wird aber vor allem für Pendler eine Verbesserung. Wer in Stuttgart wohnt und in einer Stadt außerhalb der Region studiert, musste sich bis jetzt zusätzlich zum Semesterticket der Universitätsstadt das Anschluss-Studiticket Stuttgart für 282 Euro kaufen.

Wie viel das neue Semesterticket kosten soll, ist noch nicht bekannt. Allerdings steht nach Angaben der Landesstudierendenvertretung fest, dass es unterschiedlich viel kosten wird, je nachdem, an welchem Ort man studiert und wie groß das Angebot an Bus und Bahn dort ist. Das sind vor allem für die über 78 000 Studenten in der Region Stuttgart schlechte Nachrichten, denn hier dürften angesichts des besten Angebots die höchsten Preise verlangt werden.

Zurzeit kostet das Studiticket im Bereich des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) 195,60 Euro – zusätzlich zum Pflichtbetrag von 43,25 Euro ans Studentenwerk, den alle bezahlen müssen. Knapp 47 000 Studitickets hat der VVS im vergangenen Winter­semester verkauft, außerdem gut 5000 Anschluss-Studitickets. Dagegen müssen Studenten beispielsweise in Tübingen weniger als die Hälfte bezahlen. Das liegt eben daran, dass es im ländlich geprägten Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (Naldo) auch weniger Fahrtmöglichkeiten gibt. „Es mag sich im ersten Moment ungerecht anhören, man muss aber bedenken, dass man auch das landesweite Semesterticket hauptsächlich an seinem Studienort verwenden wird“, sagt Michael Heinl. Analog werde es in Nordrhein-Westfalen gehandhabt.

Für die Region Stuttgart rechnet der VVS nach Angaben von Thomas Hinterkopf, der an den Verhandlungen beteiligt ist, mit Kosten von unter 100 Euro zusätzlich zum Studiticket. Die Bahn ist allerdings noch am Kalkulieren, und die Studenten müssen dem Preis im Rahmen einer Urabstimmung zustimmen. Im Herbst soll es Neues dazu geben. Die Stuttgarter Studenten müssten für das Komplettpaket hier voraussichtlich mit Kosten von insgesamt rund 330 Euro rechnen – für ein halbes Jahr.

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