Weißenburg-Park im Stuttgarter Süden Kneippkur auf dem Trockenen

Von Kathrin Wesely 

Im Weißenburgpark findet sich dieses   Wassertretbecken mit Kunstcharakter. Foto: Kathrin Wesely
Im Weißenburgpark findet sich dieses Wassertretbecken mit Kunstcharakter. Foto: Kathrin Wesely

Das Kneippbecken und der Spielplatz im Weißenburg-Park im Stuttgarter Süden liegen brach und vorerst bleibt das auch so. Aber auch die Leere hat ihren ästhetischen Reiz.

S-Süd - Sieht aus wie ein echter Hajek. Nur die Farbe scheint aus dem Kunstwerk entwichen: die verlorene Form, die architektonische Monumentalität, die geometrische Expressivität und Strenge scheinen doch recht charakteristisch für den international gefeierten Maler, Bildhauer und Wahl-Stuttgarter Karl Otto Hajek. Doch hier wird der Kunstverstand gefoppt. Denn die formschöne Beton-Anlage im Weißenburg-Park wird üblicherweise mit Füßen getreten und hat mit Kunst nichts zu schaffen. Es handelt sich um ein Wassertretbecken, von dem der naturheilkundige Priester Sebastian Kneipp empfahl, es im Storchgang zu durchmessen – stets ein Bein zu Wasser und eins in der Luft. Kneipps Hydrotherapie soll Durchblutung und Kreislauf fördern. Der therapeutische Kältereiz wird gegen Krampfadern und Migräne eingesetzt und soll die Abwehrkräfte stärken.

Der Beton bröckelt

Das Becken im Weißenburg-Park leckt aber schon seit geraumer Zeit, weshalb die Stadt kein Wasser mehr einlässt. Nach Auskunft des städtischen Garten-, Friedhofs- und Forstamts bleibt das auch so den kompletten Sommer über. „Die Undichte ist den Kontrolleuren im vergangenen Jahr am Ende der Saison aufgefallen“, sagt Amtsleiter Volker Schirner. Außerdem bröckele der Beton an den Rändern und Befestigungen.

550 Spielplätze in der Stadt

Überhaupt berge der gesamte Bereich Unfallgefahren, weshalb auch gleich der angrenzende Spielplatz abgezäunt wurde. Diesen Sommer werden die Parkbesucher das Becken und die Spielgeräte nicht mehr nutzen können. „Wir haben keine schnelle Eingreiftruppe, die rasch mal zum Reparieren vorbeikommt“, bedauert der Amtschef. In der gesamten Stadt hätten seine Mitarbeiter 550 Spielplätze und 150 Bolzplätze zu betreuen. „Wir können nicht überall gleichzeitig sein. Dafür reichen unsere personellen Kapazitäten nicht aus.“

Die Verwaltung wolle sich allerdings noch diesen Monat an die Planung und anschließende Ausschreibung der Arbeiten im Weißenburgpark machen, verspricht Amtsleiter Schirner. Es werde wohl Ende des Jahres oder sogar Frühjahr nächsten Jahres werden, bis die Anlage wieder hergestellt sei. Bis dahin noch kann sich der Spaziergänger immerhin an einem falschen Hajek erfreuen.

Redaktion Stuttgart-Süd

Ansprechpartner
Nina Ayerle und Alexandra Kratz (Kaltental)
s-sued@stz.zgs.de

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