Weissach Viele Stolpersteine für den Waldkindergarten

Von Rebecca Welsch 

Diese Kinder würden gerne in einen Flachter Waldkindergarten gehen – den Verein dazu gibt es schon. Foto: factum/Granville
Diese Kinder würden gerne in einen Flachter Waldkindergarten gehen – den Verein dazu gibt es schon.Foto: factum/Granville

Engagierte Eltern haben den Verein „Naturkinder Flacht“ gegründet, damit ihr Nachwuchs im Freien aufwachsen kann. Es wäre die erste Betreuungseinrichtung in freier Trägerschaft in der Gemeinde. Doch das Projekt steht vor ungelösten Problemen.

Weissach - Evelyn Quass ist Mutter eines vierjährigen Jungen und eines zweijährigen Mädchens. Ihr Sohn geht bereits in Leonberg in den Naturkindergarten Seehaus, für ihre Tochter hätte sie auch gerne einen Platz in einem Waldkindergarten. Dabei werden die Kinder ausschließlich draußen erzogen, ein Bauwagen dient als „Basisstation“. Die Leonberger Einrichtung wirbt damit, dass die Sinne der Kinder besser geschult werden und die Motorik gestärkt – zudem seien die Kleinen besser abgehärtet gegen Krankheiten.

Und das ist genau das, was Evelyn Quass und eine Gruppe von Flachter Eltern für ihre Kinder möchten. Das einzige Problem: Die Wartelisten für die beiden Waldkindergärten in Leonberg, der Naturkindergarten Seehaus und die „Wurzelkinder“, sind lang. Doch Quass und ihre Mitstreiter schreckt das nicht. „Wenn man etwas nicht erreichen kann, muss man sich eben selbst drum kümmern“, sagt sie. Zusammen mit anderen Eltern hat sie im vergangenen Oktober den Trägerverein „Naturkinder Flacht“ gegründet. Ihr Ziel ist es, noch in diesem Herbst im Flachter Wald einen Naturkindergarten zu eröffnen. Bereits von April an soll es als Ergänzung erste Waldspielgruppen geben.

Insgesamt sollen 20 Kindergartenkinder Platz finden

Im Moment hat der Verein etwa 40 Mitglieder, fast täglich kommen neue dazu. Zehn Familien sind aktiv an dem Projekt beteiligt. „Schon jetzt gibt es acht Anmeldungen für den Starttermin im Herbst, im Frühjahr wären es dann 13 Kinder“, erzählt Evelyn Quass. Es sollen insgesamt 20 Plätze geschaffen werden. Auch zwei potenzielle Erzieher mit Berufserfahrung hat der Verein schon gefunden.

Ein großes Problem ist aber die Finanzierung des Kindergartens. Der Verein möchte den üblichen Kindergartenzuschuss von 63 Prozent der laufenden Kosten von der Gemeinde erhalten. „Vor allem für das Gehalt der Erzieher“, sagt Evelyn Quass „die Organisation würde der Verein ehrenamtlich übernehmen.“

Um diesen Zuschuss zu erhalten, muss aber erst einmal nachgewiesen werden, dass überhaupt ein Bedarf an Kindergartenplätzen besteht – dafür stellt jede Gemeinde einen Kindergarten-Bedarfsplan auf. Der Bürgermeister Daniel Töpfer erklärt dazu: „In der Gemeinde Weissach gab es diesen aus nicht nachvollziehbaren Gründen bisher nicht. Deshalb können über den Bedarf keine Aussagen getroffen werden. Aber wir kümmern uns darum, der Plan befindet sich momentan in der Erstellungsphase.“ Ein weiteres Problem ist allerdings, dass es noch kein Grundstück gibt, das der Waldkindergarten für seine Zwecke nutzen könnte. Im Moment sucht der Verein nach einem Areal in Waldrandnähe, auf dem er einen Bauwagen oder eine Blockhütte platzieren kann.

„Wir hätten uns mehr Unterstützung erhofft“, sagt Evelyn Quass. Aus dem Rathaus spüre sie bisher wenig Entgegenkommen. „Die Verwaltung stützt sich auf die fehlende Bedarfsplanung, aber wir bieten ein qualitativ anderes Konzept.“ Sie hofft auf die Unterstützung des Gemeinderates. Am Mittwochabend wurde das Konzept erstmals dem Finanz- und Verwaltungsausschuss vorgestellt – ein Ergebnis lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor.

„Wäre eine sinnvolle Ergänzung zum Bestand“

Auch bei der Grundstückssuche ist die Verwaltung mit im Boot. „Im Moment entsteht bei uns der Eindruck, als gäbe es Befindlichkeiten von Einzelpersonen, die sich hoffentlich ausräumen lassen. Es kann ja eigentlich keiner etwas gegen einen Waldkindergarten haben“, sagt die 39-Jährige. Bürgermeister Töpfer spricht sich nicht generell gegen einen Waldkindergartenaus: „Ich persönlich halte das Angebot für attraktiv. Es wäre eine sinnvolle Ergänzung zum Bestand.“

Die Macher des Vereins Naturkinder verweisen auf die Gesetzeslage. „Das Sozialgesetzbuch sieht vor, dass Kindergärten mit freien Trägern Vorrang vor staatlichen haben“, erklärt Evelyn Quass. Der Verein Naturkinder Flacht wäre die erste Kindertageseinrichtung in Weissach, die nicht unter kommunaler Trägerschaft stünde.

Der Verein verweist auf den Vorteil solcher selbst organisierten Einrichtungen: „Die Gemeinde hat damit weniger Verwaltungsaufwand.“ Auch seien solche Kindergärten und Kitas für eine Kommune oftmals kostengünstiger als solche unter dem Dach der Gemeinde, weil sie mehr Kostenanteile selbst tragen würden.

Letztlich muss der Gemeinderat die Entscheidung fällen, ob er Zuschüsse für den Verein gewährt. „Entscheidungsgrundlage bleibt aber der Bedarfsplan, der voraussichtlich vor der Sommerpause verabschiedet wird“, betont Daniel Töpfer. Dann werde sich klären, inwieweit das Konzept des Waldkindergartens Flacht finanziell und auch organisatorisch unterstützt werde. Für Evelyn Quass wäre aber auch ein negatives Resultat kein Hindernis: „Sollten wir den Finanzzuschuss nicht bekommen, wäre das schlecht. Aber dann versuchen wir, in kurzer Zeit viele Spender und Sponsoren zu gewinnen.“ Sie setzt darauf, dass ein funktionierender Kindergarten der beste Werbeträger ist: „ Wenn wir die Anfangszeit überbrückt haben und die Einrichtung läuft, müsste allen klar werden, dass ein Bedarf besteht.“

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