Weinexpertin aus Hedelfingen Winzerin statt Wengerterfrau

Von Maira Schmidt 

Beate Koch genießt die traumhafte Aussicht in der Pfaffenklinge. Foto: Maira Schmidt
Beate Koch genießt die traumhafte Aussicht in der Pfaffenklinge. Foto: Maira Schmidt

Seit zweieinhalb Jahren besitzt Beate Koch einen eigenen Weinberg und ist Mitglied der Genossenschaft. Rund 400 Liter Riesling produziert sie auf ihrem Steilhang in der Hedelfinger Pfaffenklinge.

Hedelfingen - Rund 400 Liter Riesling produziert Beate Koch auf ihrem Steilhang in der Hedelfinger Pfaffenklinge. Das ist zweifelsohne nicht besonders viel, und doch ist es etwas Besonderes. Denn die 51-Jährige ist eine von gerade mal zwei Winzerinnen in der Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen. Natürlich gibt es viele Frauen, die gemeinsam mit ihrem Mann einen Weinberg bewirtschaften. Doch nur wenige scheinen selbst über ein Stück Land zu verfügen und Mitglieder in der Weingärtnergenossenschaft zu sein.

„Am Anfang war ich mehr ein Klotz am Bein“

Beate Koch kam über die Liebe zum Wein. Sie heiratete den Hedelfinger Wengerter Jürgen Koch. Die 51-Jährige kann sich noch gut daran erinnern, wie sie mit 17 Jahren das erste Mal im Weinberg stand. „Am Anfang war ich mehr ein Klotz am Bein“, erzählt sie lachend. Denn auch wenn Beate Koch ursprünglich aus dem badischen Bühl stammt, also aus einer Weinregion, hatte sie die Reben bis zu diesem Zeitpunkt nur aus einer gewissen Entfernung gesehen.

Zunächst sei es schon eine ziemliche Umstellung gewesen, erzählt sie. Denn ihr Leben orientiert sich fortan am Zyklus des Weins. Gemeinsame Sommerurlaube sind unmöglich. Gerade in den Monaten Juni, Juli und August verlangt der Wein die volle Aufmerksamkeit des Winzers beziehungsweise der Winzerin. Wenn anschließend die Lese ansteht, wird es auch nicht besser. „Im Oktober können wir nichts planen“, sagt sie. Als ihr heute 17 Jahre alter Sohn noch klein war, sei sie deshalb in den Sommerferien immer allein mit ihm weggefahren. Für ein Kind seien sechs Wochen schließlich ziemlich lang. Im Winter hätten sie dann mit der ganzen Familie Urlaub gemacht. Von Anfang an packte die gelernte Postbeamtin bei der Arbeit tatkräftig mit an. „Man kann den Mann sich ja nicht kaputtschuften lassen“, findet sie. Außerdem gehe es zu zweit einfach schneller. Als ihr Sohn drei oder vier Jahre alt war, hat sie ihn einfach mit in den Weinberg genommen, erzählt sie.

Ausbildung zur anerkannten Beraterin de deutschen Weinbaus

Beate Koch möchte ihr Leben als Wengerterfrau nicht mehr missen. „Die Arbeit hat etwas Meditatives“, sagt sie. Es sei schön, so viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen. „Ein Klotz am Bein“ ist die 51-Jährige im Weinberg auch schon lange nicht mehr. Im Gegenteil: Sie hat sich selbst zu einer richtigen Weinexpertin entwickelt. Seit zweieinhalb Jahren hat sie ihren eigenen kleinen Steilhang. Sie hat ihn von ihrem Schwiegervater geerbt.

An zwei Samstagen im Monat betreut sie außerdem den Weinverkauf in der Hedelfinger Kelter. Um ihre Kunden optimal beraten zu können, hat sie sogar eine Ausbildung zur anerkannten Beraterin des deutschen Weinbaus bei der Württembergischen Weingärtner-Zentral-Genossenschaft (WZG) in Möglingen gemacht. Schließlich betreut die 51-Jährige zusammen mit ihrem Mann seit einiger Zeit auch den Internetauftritt der Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen und kümmert sich um die Vermarktung der Weine. An Ideen mangelt es den beiden wahrlich nicht. Zuletzt haben sie in der Pfaffenklinge sogar Schilder aufgestellt. Auf diesen ist der jeweils auf der Fläche angebaute Wein und die Speisekarte einer Hedelfinger Gaststätte abgedruckt, die diesen verkauft.

Redaktion Hedelfingen

Ansprechpartnerin
Caroline Friedmann
hedelfingen@stz.zgs.de

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