Weil der Stadt Stockbetten, Schränke, Stühle und ein Tisch

Von Elisa Wedekind 

Der Gemeinderat und die Stadtverwaltung besichtigen die Flüchtlingsunterkunft im Fruchtkasten. Foto: factum/Bach
Der Gemeinderat und die Stadtverwaltung besichtigen die Flüchtlingsunterkunft im Fruchtkasten.Foto: factum/Bach

Vor zwei Tagen hat das Landratsamt die ersten 42 Flüchtlinge aus Syrien in der neuen Container-Anlage in der Josef-Beyerle-Straße im Gewerbegebiet untergebracht. Im „Kasten“ in Merklingen läuft die Sanierung auf Hochtouren.

Weil der Stadt - Als sie den ersten Container betreten, müssen die Gemeinderätinnen Cornelia Schmalz (SPD) und Brigitte Benzinger-König (CDU) kräftig schlucken. Schmale, lange Räume dicht an dicht und kahle weiße Wände, so weit das Auge reicht. Wolfgang Fischer (Grüne) hat „unterschwellig ein blödes Gefühl“, als er den langen Gang entlang blickt. Rechts und links gehen die Wohnräume ab, dazwischen befinden sich der Gemeinschaftsraum, zwei Küchen und die Duschen.

Als sich die Erste Beigeordnete der Stadt, Susanne Widmaier, kürzlich zusammen mit einigen Gemeinderäten die Anlage mit 30 Containern in der Josef-Beyerle-Straße im Gewerbegebiet angeschaut hat, war alles noch Baustelle. Mittlerweile ist sie bezugsfertig, seit Donnerstag wohnen dort nun 42 Flüchtlinge aus Syrien. „Das sind alles Familien mit Kindern“, sagt Claus Ofterdinger vom Weiler Arbeitskreis Asyl, der sich um die Neuankömmlinge aus dem Krisengebiet kümmert.

Von Luxus ist in den Containern keine Spur

Wann weitere Flüchtlinge in die Container einziehen werden, steht noch nicht fest. Doch die Stadtverwaltung geht langfristig von einer Belegung mit gut 80 Personen aus. Soweit die Information vom Böblinger Landratsamt, das für diese Gemeinschaftsunterkunft auf Weiler Boden zuständig ist.

Die Flüchtlinge werden hier maximal zwölf bis 24 Monate untergebracht. Ob die Stadt sie danach in einer ihrer Anschlussunterkunft unterbringen muss, hängt vom Asylverfahren jedes Einzelnen ab.

Doch das ist Zukunftsmusik. In der Josef-Beyerle-Straße haben die Flüchtlinge nun erst einmal ein Dach über dem Kopf. Aber es braucht nicht viel Fantasie, um zu begreifen: Luxuriös ist diese Containeranlage auf keinen Fall. Dem Weiler Ordnungsamtsleiter Thomas Besser zufolge ist ein Zimmer etwa zehn Quadratmeter groß, je nach Belegungsplan müssen sich zwei bis drei Menschen einen Raum teilen.

Stockbetten, Schränke, ein Tisch und paar Stühle, für mehr ist kein Platz. „Dennoch bietet diese Anlage allemal mehr Komfort und Privatsphäre als eine Turnhalle oder Zelte“, erklärt der Bauamtsleiter Arnd Jocher. Die Anwesenden stimmen zu.

Ende Februar soll der Fruchtkasten fertig sein

Weiter geht es nach Merklingen. Im ehemaligen Fruchtkasten in der Luisenstraße sieht die Lage etwas anders aus. Wie mehrfach berichtet, laufen in der städtischen Anschluss-Unterbringung die Sanierungsarbeiten auf Hochtouren. Das Ordnungsamt rechnet damit, dass das denkmalgeschützte Haus bis Ende Februar bezugsfertig ist. Zwischen 45 und 70 Flüchtlinge haben hier Platz, verteilt auf vier Wohnungen für Familien und zwölf weitere Zimmer sowie Küchen, Badezimmer und Gemeinschaftsräume.

„Bei der Sanierung haben wir uns an Erfahrungen aus unseren bisherigen Unterkünften und an solchen aus der Umgebung orientiert“, erklärt der Ordnungsamtsleiter Besser. Stichwort Brandgefahr oder Wasserschaden. So schaltet sich etwa der Herd nach wenigen Minuten ab, wenn niemand in der Küche ist. Außerdem werden in Küchen und Bädern Wannen eingebaut, die Wasser, so denn welches ausläuft, auffangen. An den Wänden gibt es keine Tapeten, sondern PVC-Belag. „Um Schimmel zu vermeiden, falls der eine oder andere nicht regelmäßig lüftet“, sagt Roland Bauer, der für die Sanierung zuständig ist.

Wie viele Menschen sich ein Zimmer teilen müssen, hängt davon ab, wie viele die Stadt unterbringen muss. Viel Platz hat keiner, doch im direkten Vergleich wirkt diese Unterkunft gemütlicher. Großzügig sei das auch nicht gerade, finden einige Stadträte. „Aber immerhin ist das ein richtiges Haus in der Ortsmitte, umgeben von Nachbarn.“

Mit denen hat die Erste Beigeordnete vor Weihnachten gesprochen, hat sie durch die Unterkunft geführt und ihnen die städtische Flüchtlingsbeauftragte, Tamara Ipp, vorgestellt. „Wichtig ist, dass Ängste abgebaut werden und die Anwohner bei Schwierigkeiten einen Ansprechpartner haben“, sagt Susanne Widmaier.

Erstunterbringung
Der Landkreis hat in der Keplerstadt derzeit 91 Menschen untergebracht. 49 von ihnen leben seit vergangenem Herbst in dem Wohnhaus in der Hindenburgstraße in der Kernstadt. 42 Menschen sind diese Woche in die Container in der Josef-Beyerle-Straße im Weiler Gewerbegebiet untergekommen. Eine weitere Containersiedlung zur Erstunterbringung von Flüchtlingen plant das Böblinger Landratsamt auf dem Gelände des Blannentalhofes in Merklingen.

Anschluss Stand diese Woche leben 61 Personen in sogenannten Anschlussunterbringungen, für die die Stadt zuständig ist. Dabei handelt es sich größtenteils um Asylbewerber, deren Verfahren abgeschlossen ist. 44 Menschen leben in der Unterkunft in der Benzstraße 3, weitere 17 Menschen sind dezentral in den Stadtteilen untergebracht. wed

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