Weil der Stadt Die ewige Jugend ist den Damen garantiert

Von Elisa Wedekind 

Hübsche Frau und kerniger Typ – die  Schlehengeister. Foto: Archiv
Hübsche Frau und kerniger Typ – die Schlehengeister. Foto: Archiv

Faltenfrei, mit Saubloder und Schellen unterwegs: Seit 44 Jahren gibt es die Schlehengeister. Mit einem großen Nachtumzug durch die Innenstadt feiert die AHA am Freitagabend den Schnapszahl-Geburtstag ihrer Weißnarren-Gruppe.

Weil der Stadt - Zarte glatte Haut ohne eine einzige Falte – und das mit 44? Geht doch gar nicht! Geht ja wohl, zumindest wenn Frau ein Schlehengeist ist. Denn die Damen dieser seltenen Weiler Spezies haben ein so weiches und makelfreies Gesicht, dass es der restlichen Frauenwelt vor lauter Neid doch glatt die Furchen auf die Stirn treibt. Auch der Schlehengeist-Mann dürfte so manchen neidischen Blick kassieren, liegt er doch mit seinem imposanten Kinnbart derzeit voll im Trend. Und nicht jeder Mann ist bekanntlich mit einer solchen Haarpracht gesegnet.

Doch genug dieser Oberflächlichkeiten, es gibt schließlich was zu feiern. Die Schlehengeister werden in diesem Jahr 44. Am Dreikönigstag 1972 hob der damalige Weiler Zunftmeister Helmut Kadasch besagte Narrengruppe offiziell aus der Taufe. Seitdem treibt auch der Schlehengeist während der Fasnetszeit sein Unwesen. Beim Nachtumzug am Freitag lassen es die Weiler „Weißnarren“ dann so richtig krachen.

Ein Schlückchen Schlehenschnaps besänftigt

Angeführt von Büttel, Herold und dem Siebenerrat ziehen die Schlehengeister durch die Stuttgarter Straße bis zum Marktplatz hoch. Und damit es eine große Sause wird, haben sie auch gleich das närrische Volk aus der Umgebung eingeladen. Roland Grün, Obergeist und Siebenerrat in Personalunion, rechnet mit 530 Teilnehmern. Wie bescheiden, aber bei solch einer Schnapszahl darf der Narr auch ruhig mal dick auffahren. Apropos Schnaps: der schmeckt bei den Schlehengeistern besonders gut. Ist schließlich hausgemacht. Einmal im Jahr ziehen die Weißnarren durch die Natur und sammeln Schlehen. Etwa 100 Kilo kommen da zusammen, daraus machen sie feinen Likör und Schnaps. Und den verteilen die weiblichen Schlehengeister dann beim großen Umzug ans Publikum.

Doch wer glaubt, sie täten dies aus reiner Nächstenliebe, irrt gewaltig. „Das machen die Damen zur Besänftigung“, erklärt der Obergeist grinsend. Denn wenn die Herren Schlehengeister dem menschlichen Volk erst einmal mit ihren „Saublodern“ (aufgeblasene Schweineblasen, die die Schlehengeister stets mit sich führen) zu Leibe rücken, dröhnt das in den Ohren.

Und dann noch dieses ganze „Gschell“. Männlein wie Weiblein tragen Lederriemen mit Schellen am Körper, mit denen sie ordentlich Krach machen. Die vier Riemen der Männer bringen an die fünf Kilo auf die Waage. Und damit hüpfen sie munter durch die Gegend. Sportlich, sportlich, diese Schlehengeister.

Das Häs ist Handarbeit

Wo der Obergeist und seine Gefährten auch hinkommen, fallen sie sofort auf. „Wir sind halt Exoten zwischen all den Hexen“, erklärt Roland Grün. Denn die Schlehengeister sind sogenannte Weißnarren, eine traditionelle Figur in der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Und die einzige Gruppe mit zwei verschiedenen Masken. Das heitere, liebliche Frauengesicht wird von einem weißen Kopftuch umrahmt. Der kernige Kerl steckt mit seinem Kopf in blauen Schlehenbeeren. „Bei Frauenüberschuss in der Gruppe schlüpft da aber auch mal eine Frau drunter“, verrät Grün. Übrigens alles Handarbeit, ein Häs von der Stange kommt den Schlehengeistern nicht in die Tüte.

Lust auf Gschelle und Schlehenschnaps? Dann am Freitag nichts wie hin zum Nachtumzug: AHA, AHA, AHA!

Umzug
Anlässlich ihres 44. Geburtstages ziehen die Schlehengeister am Freitag, 29. Januar, durch die Weiler Altstadt. Aufstellung ist um 19.50 Uhr im Sägeweg. Mit den Böllerschüssen um 19.72 Uhr (20.12 Uhr) startet der Umzug mit den Weißhäs-Narrengruppen, dem Siebenerrat, dem Herold und Büttel, begleitet von Musikkapellen, Guggamusikern und Fanfarenzügen. Die Route führt die Stuttgarter Straße hoch zum Marktplatz, wo von 21 Uhr an auf der Bühne die Post abgeht.

Programm Von 18 Uhr an wird im Spittl bewirtet, um 18.30 Uhr beginnt im Rössle der Zunftmeisterempfang. Nach dem Umzug herrscht von 22 Uhr an im Spittl buntes Narrentreiben, auch in den Kellern und Gaststätten in der Innenstadt wird gefeiert. Das Narrenmuseum ist ebenfalls geöffnet.

Lesen Sie jetzt