Wald mächtig unter Stress Die Eiche ist das größte Sorgenkind

Von Hilmar Pfister 

Eichenstämme liegen zum Verkauf bereit. Sie leiden häufig unter Insektenbefall. Foto: dapd
Eichenstämme liegen zum Verkauf bereit. Sie leiden häufig unter Insektenbefall.Foto: dapd

Warme Frühjahrsmonate, saure Böden, verschmutzte Luft: Der Wald steht mächtig unter Stress, die Bäume verlieren wieder mehr Blätter und Nadeln, auch die Schadensschwerpunkte im Land haben sich verschoben. Schwere Schäden gibt es auf 36 Prozent der Waldfläche .

Stuttgart - Vor 30 Jahren sah alles noch ­anders aus. Am meisten Waldschäden verzeichneten die Experten damals in den Hochlagen des Schwarzwalds, deren Böden schwach mit Nährstoffen versorgt sind. Mittlerweile gibt es immer mehr geschädigte Bäume auch in tieferen Lagen, zum Beispiel in der sogenannten Vorbergzone des Schwarzwalds, im Neckarland und rund um den Bodensee. Es sind Regionen, die deutlich wärmer sind als die Hochlagen des Schwarzwalds. Was die Fachleute von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg daraus folgern? Alles deute auf eine „stärkere Beteiligung klimatischer Stressfaktoren wie sommerliche Trockenphasen“ hin. Besonders schlecht geht es derzeit den Eichen. Unter all den Baumarten verlieren sie nicht nur die meisten Blätter. Die Eichen leiden vermehrt auch unter Raupen und Mehltaubefall.

„Es ist klar, dass der Klimawandel ein ­erkennbarer Stressfaktor für das Ökosystem Wald ist“, sagte Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) bei der Vorstellung des diesjährigen Waldzustandsberichts. Klar ist auch: Der Zustand der Wälder im Südwesten hat sich verschlechtert. 36 Prozent der Waldflächen weisen mittlerweile deutliche Schäden auf – das ist ein Anstieg um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch was ist mit den Erfolgsmeldungen aus dem vergangenen Jahr, als Bonde stolz verkündete, dem Wald gehe es immer besser? „Die Belastungen vergangener Jahrzehnte wirkten immer noch nach, da Waldböden ein langes Gedächtnis haben“, sagte er. Soll heißen: Belastungen wie verseuchte Böden entfalten erst jetzt ihre volle Wirkung. Mit Blick auf die Eiche spielen aber auch kurzfristige Entwicklungen eine Rolle. Im vergangenen Jahr ­hatten die Eichen wesentlich weniger ­Blätter verloren. Grund: Es hatte deutlich weniger blattfressende Raupen im Südwesten gegeben. Auch die Fichten mussten mehr Nadeln lassen als noch im Vorjahr. Hingegen hätten sich die Buchen in diesem Jahr erholen können, sagte Bonde. Zum Beispiel beim Thema Zustand der Baumkronen – ein wichtiger Indikator für das Wohlergehen der Baumstämme. Die Baumkronen bei den Buchen sehen derzeit überdurchschnittlich gut aus. Leicht verschlechtert haben sich die Kronen der Kiefern und Tannen.

Kleinräumige Waldbewirtschaftung gefordert

In gewohnt bildhafter Sprache kommentierte der Naturschutzbund (Nabu) den Zustand des Walds. „Unser Wald bleibt Dauerpatient“, sagte Nabu-Landeschef André Baumann. Der Wald liege zwar nicht mehr auf der Intensivstation, „aber er ist nicht gesund und kann nicht entlassen werden“. Zur Stärkung des Walds forderte Baumann eine kleinräumige Waldbewirtschaftung. Alte Waldbestände dürften zudem nicht „kahlschlagartig“ abgeräumt werden. Brigitte Dahlbender, die Landesvorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), beklagte, dass noch immer zu viele Säuren und Stickstoffverbindungen in die Wälder gelangen würden. Der CDU-Forstpolitikexperte Patrick Rapp forderte von Bonde konkrete Vorschläge, wie man dem Wald helfen könne. Rapp schlug vor, einen Teil der Erlöse aus dem Staatswald in die Wälder zu investieren.

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