Wahlkampf zur Landtagswahl Nils Schmid ringt um jede Stimme

Von Nikolai B. Forstbauer 

Bei gerade 15 Prozent sehen die Meinungsforscher die SPD in Baden-Württemberg. Für SPD-Landeschef Nils Schmid gibt es nur eines: „Kämpfen, kämpfen, kämpfen!“ Wie das geht? Die „Stuttgarter Nachrichten“ haben Schmid einen Tag begleitet.

Stuttgart - Er strahlt. „Das Foto ist gut“, ist man sich im Wahlkampfteam von Nils Schmid sicher. Die Botschaft ist klar: Souveränität und Zuversicht. Und sie gilt zuvorderst der eigenen Partei. Schmids Porträt prägt den schwarzen Van. Für drei Monate angemietet, ist das Fahrzeug nun bis zur ­baden-württembergischen Landtagswahl am 13. März Mittelpunkt, Blickpunkt und ­Signal der „Nils-Schmid-Tour“.

Fünf Jahre Regierungsarbeit liegen hinter Nils Schmid, fünf Jahre als „Super­minister“, fünf Jahre als ­Finanz- und Wirtschaftsminister der von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geführten grün-roten Koalition. Jetzt ist der ­Minister wieder Kandidat – und als erster SPD-Mann im Land gefordert, die Reihen seiner Partei zu schließen.

200 Termine absolviert er bis zur Landtagswahl, fünf sind es an diesem Tag – in ­allen Facetten zwischen Stadt und Land, großer Bühne und Tür-zu-Tür-Aktion.

Fernsehkameras   erwarten ihn am ­Morgen vor der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen. Betriebsräte sind versammelt – zur „ArbeitnehmerInnenkonferenz“. Die SPD sucht den Schulterschluss mit den ­Gewerkschaften. SPD-Bundesprominenz ist dabei – Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Kurze Hektik der Kamerateams, als Schmids ­Wagen vorfährt. Der Minister lächelt, als er aussteigt, die Anzugjacke überzieht. Ein Straffen, dann der gerade Blick in die Kamera. Die schlechten Prozentzahlen der SPD vier Wochen vor der Landtagswahl bestimmen die Fragen. Was ihn antreibt? „Es gibt jetzt nur eines“, sagt Schmid – „kämpfen, kämpfen, kämpfen!“ Die Umfragewerte? „Sind ein Riesenansporn“, sagt Schmid.

Der Mannschaftsspieler

42 ist der Einser-Jurist jetzt, und wenn er bewusst zuerst die Nähe zu jenen sucht, die den jeweiligen Termin vor Ort ­organisieren, wirkt er noch immer fast jugendlich. Zugleich spürt man überall, wie groß die Erwartungen an den SPD-Vormann im Land sind. Er soll es ­richten, er soll die Partei und ihre Wähler mobilisieren. Schmid sieht sich als Mannschaftsspieler, setzt auf Dialogformate statt frontale Rede. „Dabei kommt mehr rüber“, ist Schmid überzeugt.

Die Kernbotschaften sind klar – „bezahlbarer Wohnraum“, „gleicher Lohn für Männer und Frauen“, „beste Bildungschancen für alle“ – und auch dies: „Wir lassen uns unsere offene Gesellschaft von niemand ­kaputt machen.“ Kann man das Programm auf einen Nenner bringen? „Wir fragen nicht nach der Herkunft, wir fragen nach der ­Zukunft“, antwortet Schmid im Interview mit der ARD auf der Fahrt zum nächsten Termin. Geht es ­konkreter? Der Kandidat geht in die Tiefe, beginnt bei der vorschulischen Bildungsarbeit und endet bei dem „dringend schnellen Ausbau des Breitbandnetzes mit Glasfaser-Kabeln“.

Dialoge „auf Augenhöhe“

Als „schaffig“ sieht Nils Schmid die Menschen im Land, und immer wieder zeichnet er dieses Bild: „in jedem Tal ein Fabrikle“. Ist das nicht Geschichte? Schmid widerspricht leidenschaftlich, verweist auf erfolgreiche Firmenneugründungen „gerade in der Fläche“. Für deren Erfolg aber brauche es – ebenso wie zur Sicherung von Arbeitnehmerinteressen in einem durch die Digitalisierung getriebenen Strukturwandel – „Dialoge auf Augenhöhe“. „Mit den Gewerkschaften, mit den großen Unternehmen, mit Firmengründern.“ Gute Noten bekommt Schmid von allen Beteiligten. Sind aber die Umfragewerte für die SPD nicht umso frustrierender? „Bei einer Wahl wird selten die geleistete Arbeit honoriert“, sagt Schmid – „die Menschen stimmen über ihre Zukunft ab.“ Und wieder kommen die Kernbotschaften.

Nach 50 Minuten Fahrt erreicht der Schmid-Tross ein Unternehmen aus dem ­Baden-Württemberg-Bilderbuch: Elsner Elektronik in Ostelsheim. 1990 hat Thomas Elsner die Firma für Gebäudeautomation gegründet, und zwischen all den Großen auch im Land habe man nur „mit hochwertigen ­Materialien made in Baden-Württemberg“ eine Chance, sagt er. Schmid lächelt – und drängt, die ­Produktion zu sehen. Er sucht das direkte ­Gespräch, fragt nach innerbetrieblicher Fortbildung, nach eventueller Monotonie und möglicher Beteiligung, um Arbeitsabläufe besser zu strukturieren. So überrascht die Mitarbeiter ­reagieren, so ernst antworten sie doch. Ein Glas Wasser noch im Foyer, dann geht es weiter – nach Ettlingen.

Fördern und Fordern

Wieder im schwarzen Bus, wieder ein anderes Kamerateam, wieder aber auch die Frage nach den SPD-Prozenten. Nils Schmid antwortet kühl: „Ich nehme keine Wechselstimmung wahr.“ Wo aber sollen die notwendigen Stimmen für die SPD herkommen? Müsste die Partei nicht mehr die sozialen Medien nutzen? Schmid entspannt sich. Er hat die Zahlen auf seiner Seite. Mehr als 10 000 Menschen folgen Baden-Württembergs SPD auf Facebook – mehr als den anderen Parteien. Ein trügerisches Glück, das weiß auch Schmid.

Fürchtet er nicht, dass die Flüchtlingsdebatte Sachthemen überlagert? Schmid verweist auf das Interesse von Wirtschaft und Industrie an jüngeren Arbeitskräften. „Darauf haben wir mit dem Modell Fördern und Fordern eine klare Antwort“, sagt Schmid. „Wir machen Angebote, erwarten aber auch hohen Respekt für ­unsere freiheitliche Gesellschaft und deren Regeln und Gesetze.“

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