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Wahl in Stuttgart Grüne nehmen CDU auch letztes Direktmandat ab

Von Josef Schunder 

Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Mitte) und die Stadträte Andreas Winter und Anna Deparnay-Grunenberg schauen genau auf die Ergebnispräsentation – anschließend ist die Freude groß Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Mitte) und die Stadträte Andreas Winter und Anna Deparnay-Grunenberg schauen genau auf die Ergebnispräsentation – anschließend ist die Freude großFoto: Lichtgut/Leif Piechowski

Auch das letzte der vier Stuttgarter Direktmandate noch an die Grünen verloren und beim Gesamtergebnis in Stuttgart als Zweitplatzierte weiter abgehängt: Die CDU ist auch in der Landeshauptstadt klarer Verlierer der Landtagswahl.

Stuttgart - 32 Minuten nach Schließung der Wahllokale steht am Sonntagabend das Schicksal der CDU in Stuttgart eigentlich schon fest. „Man muss davon ausgehen, dass alle vier Direktmandate in der Landeshauptstadt an die Grünen gehen“, sagt im Großen Sitzungssaal des Rathauses Thomas Schwarz, der Leiter des Statistischen Amtes der Stadt Stuttgart. Um 22.50 Uhr ist auch klar, dass die FDP mit Gabriele Reich-Gutjahr auf den Fildern ein Zweitmandat erhält. Sie erreichte 10,7 Prozent. Die CDU geht auch bei den Zweitmandaten in der Stadt leer aus.

Was die Direktmandate angeht, sprechen schon die ersten Zwischenergebnisse aus den vier Stuttgarter Wahlkreisen eine deutliche Sprache. Bis 20.15 Uhr, als alles ausgezählt ist, erhärtet sich das CDU-Desaster.

So hat Stuttgart gewählt - alle Ergebnisse

Muhterem Aras (Grüne) verteidigt im Innenstadt-Wahlkreis Stuttgart I das Direktmandat mit 42,4 Prozent – nur ein Zehntelprozentpunkt weniger als 2011. Donate Kluxen-Pyta (CDU), die erstmals antrat, fährt nur 18,9 Prozent ein – rund acht Punkte weniger als 2011 Andrea Krueger. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) kommt im Filderwahlkreis Stuttgart II auf 37,2 Prozent der Stimmen und liegt damit 12,8 Punkte vor Stefanie Schorn (CDU) – und drei Punkte über dem Ergebnis seines Parteifreundes Werner Wölfle vor fünf Jahren.

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Alle Grünen-Kandidaten weit vorn

Im nördlichen Wahlkreis Stuttgart III büßt Reinhard Löffler (CDU) 10,7 Prozentpunkte ein und verliert das letzte Direktmandat, das der Stuttgarter CDU 2011 noch geblieben war. Sein grüner Gegenspieler Franz Untersteller, vor fünf Jahren via Zweitmandat in den Landtag gekommen und dann Umweltminister, steigert sich um 2,7 Punkte auf 30,7 Prozent. Im Wahlkreis Stuttgart IV (Neckarorte und Stuttgarter Osten) verteidigt die grüne Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch das 2011 ganz knapp gewonnene Direktmandat, dabei hat sie diesmal mit Roland Schmid einen Konkurrenten, dem als CDU-Chef in Bad Cannstatt sowie als Landtagsabgeordnetem in früheren Jahren eine starke Verankerung im Wahlkreis nachgesagt worden war. Lösch gewinnt 1,9 Punkte hinzu und kommt auf 34,4 Prozent der Stimmen.

CDU deutlich unter 30-Prozent-Marke

Stadtweit fällt die CDU um 9,3 Prozentpunkte zurück und landet bei 22,2 Prozent. 2011 war sie zwar auch nur als zweitstärkste politische Kraft aus der Wahl hervorgegangen, hatte immerhin aber noch 31,5 Prozent erobern können. Die Grünen legen stadtweit 1,9 Punkte zu und kommen auf 36,4 Prozent.

FDP-Kreisvorsitzender zufrieden

Eine, ja sogar die Gewinnerin neben den Grünen ist die AfD, die aus dem Stand 11,1 Prozent erreicht. Die SPD, die stadtweit 8,5 Punkte abgeben muss, kann sich mit 11,9 Prozent knapp als drittstärkste Kraft behaupten. Im Filderwahlkreis kommt es zwischen AfD und SPD aber zum Patt. Beide erhalten dort 7551 Stimmen. Die FDP kann stadtweit 9,4 Prozent verzeichnen. „Ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis“, meint der Kreisvorsitzende Armin Serwani. Die Linke hätte, wenn es nur nach Stuttgart ginge, mit stadtweit 5,3 Prozent den Einzug in den Landtag geschafft, aber landesweit reicht es nicht. Im Wahlkreis Stuttgart I gibt es einen kleinen Hannes-Rockenbauch-Effekt. Der Stadtrat des parteifreien Bündnisses SÖS, der auf dem Ticket der Linken kandidierte, liegt mit 7,3 Prozent über den sonstigen Linken-Ergebnissen.

Grüne freuen sich über „Hammer-Ergebnis“

Lauter Jubel herrscht in der rechten Ecke des Rathaus-Sitzungssaals, wo die AfD-Vertreter den Eingang der Ergebnisse miterleben. Stadtrat Bernd Klingler und seine Mitstreiter feiern dort schon früh – während Vertreter anderer Parteien davon reden, dass das starke Abschneiden der Rechtspopulisten ein großer Wermutstropfen bei dieser Wahl sei. So äußert sich etwa Mark Breitenbücher, Kreisvorsitzender der Grünen, der sich sonst über ein „Hammer-Ergebnis“ freut. 2011 hätte niemand den Grünen zugetraut, dass sie ein ähnliches Ergebnis wie damals wieder würden erreichen können. Das schlechte Abschneiden der SPD sei bedauerlich. Völlig klar sei, dass der Auftrag zur Regierungsbildung bei den Grünen liege.

OB Kuhn hält nichts von Regierung der Wahlverlierer

Das sieht Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne) nicht anders. Grün-Rot sei jetzt die Wunschkoalition, sagt er, alles Weitere müsse man sehen. Eine Regierung der Wahlverlierer werde in Baden-Württemberg aber sicherlich nicht an den Start gehen. Die AfD werde sich bei der Arbeit im Landtag selbst entzaubern, wie es vor Jahren die Republikaner gemacht hätten, glaubt Kuhn.

Der CDU-Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann sagt unserer Zeitung, er wolle sich bei der CDU auf Landesebene dafür einsetzen, dass sie Politik für die Großstadt macht. Grund: In der künftigen CDU-Landtagsfraktion hätten die Abgeordneten aus ländlicheren Gebieten jetzt mehr Einfluss. Die Stuttgarter CDU habe vor der Wahl keine Fehler gemacht, meint Kaufmann. Alexander Kotz, CDU-Fraktionschef im Gemeinderat, ist sich sicher: „Egal, wen wir hier aufgestellt hätten, keiner hätte einen Wahlkreis gewonnen.“ Und wie geht es jetzt weiter für die CDU im Land? CDU-Ordnungsbürgermeister Martin Schairer fände eine grün-schwarze Koalition im Blick auf die Mehrheitsverhältnisse im Land am „glaubwürdigsten“, wenn denn Grün-Rot nicht mehr gehe. „Das Land braucht eine starke Mehrheit – und in Stuttgart hat man gezeigt, dass Grüne und Schwarze zurechtkommen.“

Bei der SPD ist das Entsetzen groß. „Wir sind in Baden-Württemberg keine Volkspartei mehr“, sagt der Kreisvorsitzende Dejan Perc. Die SPD habe sozial schwache Wähler an die AfD verloren, weil sie sich durch die Flüchtlingszuwanderung als Verlierer fühlten. Perc wäre dem SPD-Spitzenkandidaten Nils Schmid „dankbar, wenn er noch bis zum Landesparteitag Ende April dabei bleibt“.

AfD jubelt über ihren Erfolg

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