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Von Einbrecher in Stuttgart vergewaltigt 18-Jährige durchlebt zweistündiges Martyrium

Von Wolf-Dieter Obst 

Mit einem unglaublichen Fall beschäftigt sich derzeit die Stuttgarter Polizei. Foto: dpa
Mit einem unglaublichen Fall beschäftigt sich derzeit die Stuttgarter Polizei.Foto: dpa

Normalerweise pflegen Einbrecher zu flüchten, wenn sie auf frischer Tat ertappt werden. Als eine 18-Jährige in Bad Cannstatt einen Eindringling überrascht, reagiert der aber völlig anders. Laut Polizeiprotokoll beginnt ein zweistündiger Albtraum.

Stuttgart - Es ist ein Albtraum: Eine junge Frau überrascht mitten in der Nacht einen Einbrecher – und der flüchtet nicht etwa, sondern vergewaltigt sein Opfer. Zwei Stunden hält er die 18-Jährige gefangen, bis Angehörige nach Hause zurückkehren und den Täter aufscheuchen. Immerhin wird der 35-Jährige wenig später dingfest gemacht. Am Montag landete er vor dem Haftrichter.

War es eine Zufallstat? Oder war der Täter sogar gezielt vorgegangen? Der unglaubliche Fall spielte am Sonntag gegen 4 Uhr in der Eisenbahnstraße in Bad Cannstatt ab. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Kriminalpolizei schob der Einbrecher an der Hochparterrewohnung einen Rollladen nach oben, das Fenster dahinter soll offen gestanden haben. In den Räumlichkeiten schlief eine 18-Jährige, die offenbar von den Geräuschen geweckt wurde. Sie überraschte den Eindringling, als der gerade einen Schrank durchwühlte.

Dem Täter waren Wertsachen dann wohl doch nicht so wichtig. Wie die Polizei protokollierte, stürzte er sich auf die 18-Jährige, schlug und würgte sie – und vergewaltigte sie. Offensichtlich fühlte er sich ziemlich sicher. Denn er flüchtete noch immer nicht, sondern wiederholte die brutale Tat.

Es soll gegen 6 Uhr gewesen sein, als sich die Lage änderte. Zu dieser Zeit kehrte die 44-jährige Mutter des Opfers zurück. Die hatte sich von ihrem 48-jährigen Freund nach einer Reise vom Bahnhof abholen lassen. Die beiden Rückkehrer vernahmen Hilferufe der 18-Jährigen, worauf der Peiniger Reißaus nahm. Der 48-Jährige verfolgte den Mann ein paar Hundert Meter weit – und konnte ihn am Cannstatter Wilhelmsplatz stellen. Der Einbrecher wehrte sich heftig, schlug unter anderem mit einem Stein auf seinen Verfolger ein. Der ließ aber trotz leichter Verletzungen nicht los. Auch gegen inzwischen alarmierte Polizeibeamte leistete der Mann heftigen Widerstand, wurde dennoch überwältigt.

Der Mann ist ohne festen Wohnsitz in Deutschland

Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen 35-Jährigen. „Er war bisher polizeilich ein unbeschriebenes Blatt“, sagt Polizeisprecher Tobias Tomaszewski. Das heißt: Keine Einträge in der polizeilichen Datenbank. Dabei deutet seine rücksichtslose Vorgehensweise nicht gerade auf einen Anfänger hin. Der Mann ist ohne festen Wohnsitz in Deutschland. Er kam am Montag hinter Gitter.

Das Dezernat für Sexualdelikte versucht die Hintergründe abzuklären. Ob der Täter spontan sexuelle Gewalt ausübte oder sein Opfer vorher ausbaldowert hatte, ist vorerst unklar. Bad Cannstatt ist immer wieder Schauplatz von sexuellen Übergriffen – und das nicht nur während der Feste auf dem Wasen. Im Juni hatte ein 45-Jähriger aus Dettenhausen eine 18-Jährige nach Hause verfolgt und vor dem Wohnhaus angegriffen. Im vergangenen Jahr gab es gleich sechs Fälle von Vergewaltigungen, darunter auch Vorgänge, bei denen die Frauen die Täter vorher in Lokalitäten kennen gelernt und mit nach Hause genommen hatten. Der 35-Jährige hatte kaum Beute gemacht. Einzig das Handy des Opfers hatte er mitgenommen. Das Gerät wurde sichergestellt.

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Cyrus Ghanai (52) ist gebürtiger Rheinländer. Doch längst ist er Schwabe ehrenhalber. Hat der Innenarchitekt doch an zwei Orten gewirkt, die dem Stuttgarter heilig sind: Am Fernsehturm und auf dem Volksfest.