Über 100 Kinder in türkisfarbenen T-Shirts, die sich gleichzeitig in einer kleinen Sporthalle bewegen, dabei alle wichtigen Muskelgruppen trainieren, ihre Ausdauer fördern, ihre Schnelligkeit erhöhen, ihr Gleichgewicht schulen und und und. "Das ist ein Weltrekord", stellt Norbert Rühl fest. Aufgestellt haben ihn Schülerinnen und Schüler der Theodor-Heuss-Realschule beim Turnweltcup in Stuttgart. Außer den Kornwestheimer Siebtklässlern brauchte es für den inoffiziellen Weltrekordversuch nicht viel: nur die übliche Ausstattung einer Standardsporthalle, eine Musikanlage und einige Helfer.
Gedauert hat der Spuk nur wenige Minuten. Trotzdem haben die Schüler in der kurzen Zeit die "Bauchmuskelfabrik", die "Beinzugmaschine", das "Rumpfkraftwerk" und weitere Stationen absolviert. "Multi-Super-Zirkel" heißt das Konzept, das Norbert Rühl, früherer Bundesliga-Trainer für Judo und 23 Jahre lang Sportlehrer, ausgearbeitet hat. Mit der Organisation eines Weltrekordversuchs will er mehr Aufmerksamkeit für Konditions-, Koordinations- und Haltungsschulung, wie sie durch das Turnen in der Schule gefördert wird, erreichen. Zu viele Kinder steckten im magischen Dreieck aus Fernsehen, Computer und Kühlschrank fest, meint Rühl. Schulen müssten darauf achten, dass sie sportliche Impulse setzten - und nicht die Schüler langfristig vom Sport wegbringen. An der Theodor-Heuss-Realschule wird schon daran gearbeitet. Schulleiter Dietmar Dekrell kennt Norbert Rühl von der Zusammenarbeit beim schulischen Gesundheitsmanagement. Im Sportprofil seiner Schule läuft das Projekt "Fitness und Gesundheit" der Klassenstufe 7, die nun an der sportlichen Demonstration teilgenommen hat.
Neun Stationen sind in der Halle aufgebaut. Jeweils zwölf Schülerinnen und Schüler bewegen sich an jeder. Bei der Bauchmuskelfabrik übergeben sie, auf dem Rücken liegend, sich im rhythmischen Wechsel einen Ball, den sie vorher vom gegenüberliegenden Partner übernommen haben. Der letzte Schüler spielt den Ball wieder zum ersten, das Ganze geht von vorne los. Da mehrere Bälle im Umlauf sind, geht es hoch her. Hoch her geht es auch musikalisch. Lautstark dröhnt es schon vor dem Startschuss durch den Raum. "Das muss so sein, um den Rhythmus zu verinnerlichen", erklärt Dekrell. Die ganze Aktion müsse auch Spaß machen. Denn nur über den Spaß bei der Bewegung werde nachhaltig die Bereitschaft zur Bewegung erhöht. Auch in einer kleinen Halle sei es möglich, viel auf die Beine zu stellen.
Rühl hat Material für Lehrer erarbeitet. Die Basisübungen kommen mit Barren, Sprossenwänden, Turnbänken, Kasten, Matten und Pauschen aus. Dabei rückt er auch die Teamarbeit in den Vordergrund. An den jeweiligen Stationen erfüllt nur selten ein Kind allein eine Aufgabe - ohne mindestens einen Mitschüler geht es eigentlich nie. Zumindest als Gegner wird er benötigt.
Einen Herausforderer braucht eigentlich auch ein Weltrekord. Rühl berichtet, dass der Schwäbische Turnerbund vorgeschlagen habe, im kommenden Jahr beim Landesturnfest zu versuchen, den Rekord zu knacken.