Vom Miteinander profitieren Klein und Groß

Von "Marbach und Bottwartal" 

Steinheim-Kleinbottwar Lehrkräfte und Erzieherinnen ziehen positive Bilanz nach zweieinhalb Jahren Bildungshaus. Von Karin Götz

Steinheim-Kleinbottwar Lehrkräfte und Erzieherinnen ziehen positive Bilanz nach zweieinhalb Jahren Bildungshaus. Von Karin Götz

Gestern Morgen kurz vor elf im Kleinbottwarer Kinderhaus. Wie jeden Mittwoch treffen sich Grundschüler und Kindergartenkinder zum gemeinsamen Spielen und Lernen. In den Gruppenräumen herrscht geschäftiges Treiben. Im einen Zimmer werden Buchstaben und Schriftzeichen mit Tinte und Feder zu Papier gebracht, in einem anderen entstehen aus Fimo Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten. Luca ist gerade dabei, die Beine einer Kreuzspinne zu formen. Groß und gefährlich sieht sie aus. "Wenn einen so eine beißt, dann muss man für fünf Tage ins Krankenhaus", erklärt der Vierjährige dem neugierigen Beobachter mit ernster Miene. Dass an diesem Morgen viele Erwachsene durch die Räume wandern, zuschauen und auch noch Fragen stellen, scheint ihn nicht zu irritieren. Selbstbewusst erklärt er, dass die Spinne, wenn sie fertig ist, in den Ofen kommt und später angemalt wird. "Der Körper wird braun und das Kreuz rot."

Auch in der Grundschule treffen sich zeitgleich Kindergartenkinder und Schüler im Alter von drei bis zehn Jahren in sechs so genannten Bildungswerkstätten. "Eine Schöpfung für die Kinder" lautet der Titel des Projektes, das Beate Süß leitet. Mit Pauken, Trommeln und Triangel setzen die Kinder die Schöpfungsgeschichte um. Wild schlagen sie auf die Instrumente ein, intonieren das von Süß vorgegebene Chaos. "Und weil es am Anfang auf der Erde noch dunkel und wüst war, haben wir das Licht ausgemacht", erklärt Süß den Gästen.

Ein Stockwerk höher geht es etwas ruhiger zu. Im Projekt "Rund ums Feuer" machen sich jeweils ein Kindergartenkind und ein Grundschüler auf die Spur des Feuers. Ausgestattet mit einem Teelicht und einem Glas wird beobachtet, wie lange es dauert, bis die Flamme ausgeht, wenn die Sauerstoffzufuhr unterbrochen wird. Die neunjährige Ahsen führt den Versuch durch und notiert die Beobachtungen. Ihr "Patenkind", der fünfjährige Max, ist konzentriert bei der Sache. Die beiden sind ein eingespieltes Team und haben sichtlichen Spaß am gemeinsamen Experimentieren.

Die Bilanz nach zweieinhalb Jahren Bildungshaus fällt bei allen Beteiligten positiv aus. "Die Kinder freuen sich auf die gemeinsame Zeit und sie profitieren davon", so die Leiterin der Schule an der Bottwar, Renate Väth, beim gestrigen Pressetermin. Eine Einschätzung, der sich Michaela Sambanis vom Ulmer Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) anschließt. Zusammen mit 13 Mitarbeitern betreut sie die 33 Standorte, die vom Kultusministerium des Landes im Jahr 2007 aus rund 100 Bewerbern als Pilotprojekte ausgewählt worden waren.

In zwei Jahren soll eine Studie vorliegen, die auf Erfahrungen und Erkenntnissen der Pilotstandorte basiert. "Alle Kinder fühlen sich sehr wohl, ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt", so Sambanis. "Die Kleinen verlieren die Angst vor der Schule und schauen sich auch viel von den Großen ab." Und die lernen laut Sambanis wiederum, Abläufe zu reflektieren und sie zu erklären. So manch schwächeres Schulkind komme in der Beziehung mit dem Kindergartenkind in die Rolle des Starken. "Und das tut gut."

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