Klaus Straub, der stellvertretende Landesschatzmeister beim Bund der Selbständigen (BdS), und Klaus Bader, Vorsitzender des BdS-Kreisverbands Göppingen, kämpften in Oeffingen auf verlorenem Posten. 23 von 26 anwesenden Stimmberechtigten bei der Mitgliederversammlung des Gewerbevereins (GV) am Mittwoch in der Gaststätte Traube sprachen sich für den Austritt aus.
3520 Euro hat der Gewerbeverein im vergangenen Jahr an den Dachverband abgeführt. In diesem Jahr fließt noch mehr Geld an den BdS, der den Beitrag pro Mitglied und Jahr von 40 auf 50 Euro erhöht hat. Auch 2012 müssen die Oeffinger die Abgabe leisten. Die Kündigung der Mitgliedschaft wird erst zum 31. Dezember nächsten Jahres wirksam. "Das hat der BdS so in seiner Satzung drin, wir müssen zahlen", sagte Sebastian Aupperle, der Vorsitzende des Oeffinger Gewerbevereins. Trotz des Austritts werden die Mitglieder künftig mehr Vereinsbeitrag zahlen. Doch statt von 75 Euro auf 150 Euro zu verdoppeln, wie es der Vorstand beim Verbleib im BdS beantragt hätte, genügt es nun, den Jahresbeitrag auf 100 Euro zu erhöhen.
Der Vorstand hatte die Frage, ob der Gewerbeverein Oeffingen - wie schon der Gewerbe- und Handelsverein Fellbach - der übergeordneten Vertretung den Rücken kehrt, lange diskutiert. Auslöser sei die Beitragserhöhung gewesen, die dem Verein einen noch engeren finanziellen Spielraum beschert, sagte Aupperle. Bei solch knappen Finanzen könne man vor Veranstaltungen nur noch beten, dass nichts Unvorhergesehenes passiere: "Und an einer größeren Veranstaltung, die schief geht, könnte der Verein sogar pleite gehen." Der Austritt aus dem BdS sei der schnellste und einfachste Weg, die angespannte Kassenlage zu erleichtern und den Verein auf eine solide finanzielle Basis zu stellen. "Vom BdS haben wir keine messbare Leistung, die Kosten-Nutzen-Rechnung geht nicht auf." Der Gewerbeverein fühle sich den Oeffingern verpflichtet, und dem einzelnen Mitglied bringe der BdS faktisch nichts: "Außer der leider nicht messbaren Lobbyarbeit für den Mittelstand."
Die Oeffinger dürften nicht nur ihre Ortsgrenze sehen, die überregionale Arbeit des BdS sei wichtig, es sei schlecht, den Interessenverband aufzugeben, sagte BdS-Kreisvorsitzender Klaus Bader. Klaus Straub, der stellvertretende Landesschatzmeister, prophezeite den Oeffingern kurzfristigen Erfolg bei den Finanzen, aber langfristige Nachteile. "Sie schwächen die Stellung der kleinen und mittleren Betriebe, je mehr Mitglieder ein Verband hat, umso mehr Gewicht hat er." Die großen Unternehmen machten Lobbyarbeit rund um die Uhr, "und wir schießen unsere Vertretung ab".
Doch selbst die Aussicht, dass ein Auftrag, der durch das BdS-Netzwerk komme, das hundertfache des Jahresbeitrags bringen könne, konnte nicht überzeugen. Mit Ausnahme von Paul Rothwein sprach sich niemand für den Verbleib aus. Der CDU-Gemeinderat und Bauunternehmer hielt es für "nicht sinnvoll", aus dem BdS auszutreten, der das Sprachrohr der kleinen und mittleren Unternehmen sei. Er bestreite nicht dessen Daseinsberechtigung, sagte Schatzmeister Eberhard Pfeil. "Jeder, der will, kann Einzelmitglied werden, aber wir wollen keine Zwangsmitgliedschaft im BdS für unsere Mitglieder." Die überwiegende Mehrheit sah es ebenso, und der GV-Vorsitzende Aupperle war erleichtert: "Wir wollen, dass unser Geld sinnvoll eingesetzt wird, also machen wir lieber selbst vor Ort etwas Sinnvolles damit."