Vollgelaufene Grabkammern auf Hemminger Friedhof Pfusch am Grab: Gemeinde löst Rätsel

Von Stefanie Köhler 

Mitarbeiter des Bauhofs Foto: Gemeinde Hemmingen
Mitarbeiter des Bauhofs Foto: Gemeinde Hemmingen

Nun ist geklärt, warum einige Grabkammern auf dem Hemminger Friedhof teils zentimeterhoch mit Wasser vollgelaufen sind.

Hemmingen - Fast zwei Jahre lang haben sich der Hemminger Bürgermeister Thomas Schäfer, der Ortsbaumeister Josef Lang und die Friedhofsverwaltung die Köpfe zerbrochen und gerätselt, warum in einigen Grabkammern auf dem Friedhof das Wasser steht. Sie haben sich mit den Fachkräften besprochen, die am Bau der Grabkammern beteiligt waren, und Unterlagen und Bildmaterial aus der Bauphase analysiert. Ortsbaumeister Lang hatte schon früh vermutet, dass sich das Wasser zwischen den Kammern festgesetzt habe und nicht abfließen könne. Womit er ins Schwarze getroffen hat.

Nun ist auch offiziell klar, weshalb in manche Grabkammern unkontrolliert Wasser eingedrungen war und sich dort teilweise zentimeterhoch gestaut hatte. „Wir haben Bauschaum als den Übeltäter identifiziert“, verkündete der Rathauschef Schäfer jetzt. Er ist verärgert und spricht von „Schlamperei“. Offensichtlich hatte das ausführende Unternehmen gepfuscht.

Gut gemeint, schlecht gemacht

Die Grabkammern stehen zwei bis vier Zentimeter auseinander. Die jeweiligen Fugen der Kammerelemente an den Stirnseiten zwischen zwei Grabkammern wurden mit einem speziellen Bauschaum verschlossen, vermutlich deshalb, damit keine Erde eindringen kann, sagt der Bürgermeister. Das sei zwar gut gemeint gewesen – ist aber offenbar schlecht gemacht worden. Die Konsistenz des Dichtschaums gleicht laut Schäfer der Beschaffenheit von Kaugummi. Aufgrund des Drucks sei die Masse richtiggehend herausgequollen. Zwischen den Kammerelementen wurde das Wasser eingeschlossen, und es staute sich. Laut Thomas Schäfer hat der Bauschaum an den besagten Stellen nichts zu suchen.

Vor rund zwei Wochen sind auf dem Hemminger Friedhof an einem Kammerabschnitt, in dem Wasser festgestellt wurde, die Bagger angerollt. Der Bereich zwischen zwei sich gegenüberliegenden Grabkammerzeilen wurde 1,30 Meter tief ausgehoben. Schnell haben die Mitarbeiter des Bauhofs dabei die Ursache des Problems mit dem Wasser erkannt. Nachdem die Männer an einer Stelle den Bauschaum herausgekratzt hatten, floss das Oberflächenwasser sofort ab.

Bauschaum soll aus allen Fugen heraus

Um sicherzugehen, dass der Bauschaum auch wirklich für das Wasser in den Grabkammern verantwortlich ist, haben die Mitarbeiter des Bauhofs „ein Starkregenereignis simuliert“, nachdem die Dichtmasse entfernt war, sagt der Bürgermeister. Und tatsächlich: Das Wasser ist zum Grund der Grabkammer abgelaufen.

Vorsorglich will die Gemeinde den Bauschaum aus allen Fugen herauskratzen. Das geschieht grundsätzlich von außen, sodass die Kammern nicht geöffnet werden müssen und damit die Totenruhe nicht gestört wird. Ohnehin wäre es laut Bürgermeister Schäfer sehr mühsam, die Kammern zu öffnen: Die Deckel wiegen etwa eine halbe Tonne. Um sie zu heben, ist spezielles Gerät notwendig. Pro Jahr finden zehn Bestattungen in den Grabkammern statt.

Was die Nachbesserung kostet, wann, in welchem Umfang und von wem sie vorgenommen wird, ist derzeit noch unklar. Fest steht aber: „Wir bleiben auf den Kosten sitzen, weil das ausführende Unternehmen der Friedhofserweiterung insolvent gegangen ist, kurz nachdem die Anlage fertiggestellt war“, sagt Schäfer.

Grabkammern kosteten 1,3 Millionen Euro

Die Gemeinde hatte vor acht Jahren für rund 1,3 Millionen Euro 270 Grabkammern bauen lassen. 60 von ihnen sind inzwischen belegt. Der Grund für den Bau der Grabkammern war, dass die Leichen im Lösslehmboden sonst nur sehr langsam verwesen – weil diese Bodenart Leichnam und Holzsarg sehr gut konserviert. Sogenannte Wachsleichen entstehen. Diese bleiben Experten zufolge bis zu 300 Jahren im Boden. Das verhindert, dass die Gräber nach Ablauf der Mindestruhezeit von 20 Jahren wiederbelegt werden können. Die Grabkammern sollten Abhilfe schaffen.

Ein technisches System sollte die notwendigen natürlichen Bedingungen schaffen, um die Luftzirkulation zu ermöglichen, ebenso den maßvollen Zufluss von Wasser. Ein Zuviel an Wasser verdunstet nicht und hat dieselbe Wirkung wie schwerer Lösslehmboden: Der Zersetzungsprozess wird extrem verlangsamt.

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