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Volkshochschule Abendgymnasium hat eine Million Schulden

Barbara Czimmer-Gauss, vom 22.03.2011 15:15 Uhr
Die Volkshochschule in Stuttgart Foto: Moritz
Die Volkshochschule in Stuttgart Foto: Moritz
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Stuttgart - 610 Erwachsene streben auf dem Abendgymnasium der Volkshochschule zurzeit das Abitur an. Der Betrieb stürzt den Volksbildungsverein jedoch in so hohe Schulden, dass dem Aufsichtsrat nun die Schließung des Abendgymnasiums vorgeschlagen worden ist.

Ob Industriemechaniker, Grafikdesignerin oder Fahrlehrer, nicht jeder will den erlernten Beruf bis zum Ruhestand ausüben. In manchen Berufsfeldern eröffnen sich mit dem Abitur und einem Zusatzstudium neue Perspektiven auch in führenden Positionen. Aus diesem Grund sind die zwei Abendgymnasien in Stuttgart, das des FBD Bildungsparks (24 Schüler) und das der VHS Stuttgart (610 Schüler), seit Jahren gleichbleibend gefragt - trotz einer Gebühr von rund 600 Euro im Jahr.

Doch nun schlägt die VHS Alarm: "Die finanzielle Lage des Abendgymnasiums ist eine Belastung und bedroht unsere Existenz", sagt VHS-Leiterin Dagmar Mikasch-Köthner. Die VHS müsse jährlich "einen sechsstelligen Betrag" zuschießen, um den Schulbetrieb am Laufen zu halten. Außerdem muss ein Darlehen in Höhe von 400.000 Euro getilgt werden. In der Summe würde, so das Fazit eines Wirtschaftsprüfers, die Konsolidierung der Weiterbildungseinrichtung 1,1 Millionen Euro kosten.

Gleichzeitig muss die VHS selbst einen harten Sanierungskurs einschlagen, weil vor Mikasch-Köthners Amtszeit ein Defizit von rund einer halben Million aufgelaufen war. Das gleicht die Stadt Stuttgart zwar aus, im Gegenzug erhält die VHS aber jährlich 180000 Euro weniger Zuschüsse.

Auch das Abendgymnasium, das im Auftrag des Landes 1948 in Stuttgart eingerichtet wurde, ist um 50 Plätze verkleinert worden, die Außenstellen Esslingen und Weinstadt, circa ein Drittel des Gesamtvolumens, sind an die dortigen Kommunen übergeben worden, mehrere innerstädtische Klassenräume wurden aufgegeben, um Mietkosten zu sparen. Seit das Gutachten vorliegt, ist der VHS-Chefin klar: "Wir brauchen Unterstützung. Das Land hat zum Ausdruck gebracht, dass Abendgymnasien zu den wichtigen Säulen des Schulsystems gehören, jetzt muss der bildungspolitischen Forderung finanzielle Hilfe folgen."

Kommentare (9)
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MRZ
23
14:17 Uhr, geschrieben von J.Schmidt
Bezahlung
Schade, dass die STUTTGARTER NACHRICHTEN keine eigenen Recherchen anstellt. Sonst würde hier stehen, dass das, was Frau Eisenmann sagt, nicht richtig ist. Die LehrerInnen des AG werden nicht überproportional bezahlt, sondern genau nach dem Tarif für angestellte Lehrer, so wie alle anderen angestellten Lehrer an anderen Gymnasien auch. Die Begündung müsste auch der Stadt Stuttgart einleuchten: Gleiches Geld für gleiche Arbeit. Die Lehrer des AG führen die Schüler genauso zum Abitur wie die Lehrer der tagesgymnasien.
MRZ
23
11:02 Uhr, geschrieben von CWilcke
Aber auch: Parkplatz Abendgymnasium
Hallo, ich bin selbst ehemaliger Abendgymnasiast, habe mit 43 in Esslingen mein Abitur nachgeholt und bin für diese realisierte Chance mehr als dankbar. Gleichzeitig weiß ich aus meiner Zeit dort, und aus Gesprächen danach, dass das Abendgymnasium von vielen Leuten schlicht als Parkplatz für "sonst-nicht-weiter-wissen" angesehen wird. Soll heißen: auf das Abendgymnasium kommt man ohne Aufnahmeprüfung mit einem Zeugnis und/oder etwas Berufserfahrung und selbst da lässt sich "etwas machen", weil man ja ungern Leute abweisen will. Einerseits ist das löblich und demokratisch. Andererseits führt das dazu, dass die Lehrer in den ersten zwei Klassenstufen teilweise mehr Sozialarbeiter als Pädagogen sein müssen. So gibt es im Esslinger Abendgymnasium inzwischen Regeln, was passiert, wenn sich Leute im Klassenraum prügeln, oder ihre Familie holen um dort für 'Mehrheiten' zu sorgen. Und der Schülerschwund von über 75% bis in die Klassenstufen 12 kommt nicht nur daher, dass die Schule selbst so fordernd ist, sondern dass die Teilnehmer teilweise nur mühsam mit Deutsch als Unterrichtssprache klar kommen. Ich selbst bin um 20:30 im Mathematikunterricht gesessen und musste zwei Dinge gleichzeitig tun: dem Lehrer vorne folgen und das Geschnatter der türkischen Girls hinter mir ausblenden. Und wehe, man beschwert sich! Fakt ist, dass klassisch Motivierte, die nach einer Lehre oder einem unqualifizierten Berufsstart jetzt das Abitur machen möchten tendenziell in der Minderzahl sind. Eine wachsende Anzahl sind Leute, von den niedrigen Aufnahmeschwellen profitieren und dort 'parken'. Dennoch bin ich der Meinung, dass diese Schulform unbedingt erhalten und auch angemessen gefördert werden sollte. Aber man sollte den dritten Bildungsweg an die Realitäten einer Migrationsgesellschaft anpassen. Das ist meines Erachtens nach die wahre Herausforderung, vor denen die Abendgymnasien stehen.
MRZ
23
09:14 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
Personal wird überproportional bezahlt?
Soso, sollen die "Schüler" nun ehrenamtlich unterrichtet werden, oder wie muss man sich das vorstellen? Werden arbeitslose Akademiker von der ARGE gezwungen, dort ihren Dienst zu tun für einen Euro die Stunde? Bildung ist das wertvollste Gut, das wir haben, wir sollten dankbar um jeden guten Lehrer sein, und das letzte Argument in dieser Sache sollte das Geld sein!!! Oder war das nur zynisch gemeint, als vom "Bildungsstandort Deutschland" geredet wurde???
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