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Volksentscheid S-21 SPD beißt mit Forderung auf Granit

dpa/lsw, vom 08.09.2010 08:23 Uhr
SPD-Landeschef Nils Schmid sagte am Mittwoch, mit dem Volksentscheid wolle die SPD die Akzeptanz für das Milliardenprojekt erhöhen.  Foto: dpa
SPD-Landeschef Nils Schmid sagte am Mittwoch, mit dem Volksentscheid wolle die SPD die Akzeptanz für das Milliardenprojekt erhöhen. Foto: dpa

Stuttgart  - Die Südwest-SPD beißt mit ihrem Vorschlag für einen Volksentscheid über das Bahnprojekt Stuttgart 21 bei der schwarz-gelben Koalition auf Granit. CDU-Fraktionschef Peter Hauk sprach am Mittwoch von einem „billigen Taschenspielertrick“, sein FDP-Kollege Hans-Ulrich Rülke nannte die SPD eine Partei von „Umfallern und Wendehälsen“. Beide betonten, mit dieser Forderung habe sich die SPD aus dem Lager der Befürworter des Milliarden- Projekts verabschiedet.

Schmid: "Die SPD steht trotz dieser Initiative zu Stuttgart 21"

Zuvor hatte der SPD-Vorsitzende Nils Schmid an die schwarz-gelbe Landesregierung appelliert, den Weg für ein landesweites Plebiszit freizumachen. Als Grund nannte er den anhaltenden Massenprotest: „Es ist eine Stimmung entstanden: Ihr da oben, wir da unten.“ Die SPD stehe trotz dieser Initiative zu Stuttgart 21. „Wir werden weiter dafür streiten und dafür kämpfen.“ Mit dem Volksentscheid wolle die SPD die Akzeptanz für das Milliardenprojekt erhöhen. Allerdings würden die Genossen damit auch einen Ausstieg in Kauf nehmen.

Wie Schmid wies auch SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel darauf hin, dass ein Ausstieg aus Stuttgart 21 bedeuten würde, dass das Land der Bahn Schadenersatz in Höhe von etwa 1,4 Milliarden Euro zahlen müsste. Darüber müsse das Volk dann auch befinden. Schmiedel erklärte, auch CDU und FDP müssten ein Interesse an einer „konfliktfreien Umsetzung“ des Projekts haben. Eine Volksabstimmung könne noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Der von der SPD beauftragte Gutachter, der Speyerer Jura-Professor Joachim Wieland, zeigte sich überzeugt, dass ein Volksentscheid - und damit auch ein Ausstieg aus dem Milliardenprojekt - möglich ist. Die SPD schlägt allerdings kein Volksbegehren vor, für das man die Unterschriften von einem Sechstel der Bevölkerung sammeln müsste. Stattdessen soll die schwarz-gelbe Landesregierung ein „Gesetz über den Ausstieg aus den Verträgen“ in den Landtag einbringen. Wenn das Parlament dieses Gesetz ablehnt, wäre laut Wieland ein Volksentscheid möglich. Ein Drittel der Abgeordneten des Landtags könnte dann ein Plebiszit beschließen.

Koalitionsfraktionen sind empört: "Das grenzt an Volksverdummung"

Aus den Koalitionsfraktionen schlug der SPD Empörung entgegen. Hauk sagte: „Der Vorschlag, die Regierung zu veranlassen, selbst mit einem Gesetz gegen eines ihrer zentralen Projekte zu stimmen, um so einen Volksentscheid zu erreichen, ist schlichtweg absurd und grenzt an Volksverdummung.“ Die CDU sei sich sicher, dass die Bürger diesen Irrsinn der SPD nicht mittragen werden. „Die CDU-Fraktion steht zu Stuttgart 21.“ FDP-Fraktionschef Rülke wetterte: „Die Forderung nach einem Volksentscheid zeigt einmal mehr, dass die SPD eine Tradition des Umfallens aus populistischen Gründen etabliert hat und nun auch in Baden-Württemberg auslebt.“ Schmid sei umgekippt. „Damit hat sich der SPD-Spitzenkandidat endgültig als verantwortungsloser Politiker entlarvt, der in keiner Weise taugt, das Land Baden-Württemberg zu führen“, sagte Rülke.

Unsicher ist nun die Zukunft von Wolfgang Drexler (SPD) als Projektsprecher. Der SPD-Politiker und Landtags-Vizepräsident sagte, er werde in den nächsten Tagen entscheiden, wie es weitergeht. „Das muss ich mir jetzt überlegen.“ Er fügte hinzu: „Ich möchte nicht in die Situation kommen, wo ich gegen meine Partei handeln müsste.“ Drexler hatte stets erklärt, das Projekt sei wegen bindender Verträge unumkehrbar. Ein Problem könnte sein, dass die SPD nun einen sofortigen Baustopp fordert, um den Boden für einen Volksentscheid zu ebnen. Sollte die Bahn und das Land einen Stopp ablehnen, müsste Drexler als Sprecher die weiteren Bauarbeiten verteidigen. Das Milliardenprojekt Stuttgart 21 sieht den Umbau des Kopfbahnhofs in eine unterirdische Durchgangsstation und deren Anbindung an die neue ICE-Strecke nach Ulm vor.

 

 

Kommentare (61)
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APR
22
21:39 Uhr, geschrieben von Niko
:D
Wieso tun hier alle so als ob sie die ganzen 7 mrd+ von ihren steuergeldern abzahlen müssten?? Den grösten teil übernimmt immernoch DB und Europa + Land aber das vergesst ihr. Aber ihr könnt ja gerne austeigen . Dan habt ihr NICHTS + Schulden von 1,5 mio euro bei der Deutschen Bahn... Achja nicht zu vergessen die Deutsche bahn wird stuttgart wohl die nächsten 50 jahre meiden dh. soviel wie unser schöner bahnhof mit pisse in den aufzuügen bleibt so wie er ist.
SEP
11
02:40 Uhr, geschrieben von DWS
Stuttgart 21 ja , aber bitte zum ausgemachtem Preis !!
Es ist schön die Argumente der Befürworter für S21 zu lesen - ich bin auch dafür - aber dann bitte für die unter 4 Mrd. € ausgemachten Kosten. Es ist eine absolute Heuchlerei der Politik und der Verantwortlichen , was sich hier mal wieder zeigt. Die hohen Kosten sind doch längst bekannt. Das Volk wird wiedermal für dumm verkauft - immer wieder die Kosten offiziell erhöhen, obwohl man vorher genau weiß, dass so ein Projekt niemals zu dem ursprünglichen Preis umgesetzt werden kann. Die Politik und die Verantwortlichen schieben sich mit dem Projekt mal wieder das Geld in die eigene Tasche. Überall sind doch die "eigenen Leute" in den beteiligten/ausführenden Firmen vertreten und haben für die Zukunft ausgesorgt. Und der normale Bürger kann wieder mal blechen und wird klein gehalten! Aber das überrascht nicht!! Die Politik muß eben Dinge tun, die sie tun muß - weil eben eine ganz bestimmte Lobby dahintersteht. Es ist doch alles eine große Show und dabei geht es nur ums Geld. Auch am Beispiel Sarrazin ist mal wieder deutlich zu sehen, welche Macht diese Lobby hat, um Menschen auf eine offizielle Art zu unterdrücken, wie es in unserer heutigen Welt eben Gang und gebe ist. Man könnte hier viele Beispiele nennen, aber das würde den Rahmen sprengen. In diesem Sinne - auf S21.
SEP
10
16:23 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
Für Stuttgart 21
Ich bin klar für das Projekt Stuttgart 21. Ich würde sagen, jeder S21 Gegner sollte ich mal in die Materie einlesen und informieren und ein eigenes Bild machen. Das Problem ist, das zu wenig Informationen an die Menschen geflossen sind um sich ein wirkliches Bild zu machen. Man sollte hald auch mal in die Zukunft sehen und da können wir mit diesem Projekt nur profitieren. Eine Partei, die keinen Festen Standpunkt hat, wird von mir sicher keine Stimme bekommen bei der nächsten Wahl. Entweder man ist für das Projekt oder dagegen, das zeichnet eine Partei aus.
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