Vitrine für Helmut Palmer auf dem Hohenasperg Der Remstalrebell kommt ins Museum

Von Tim Höhn 

Boris Palmer und seine Mutter (ganz rechts) bei der Präsentation der Vitrine im Museum auf dem Hohenasperg. Foto: factum/Granville
Boris Palmer und seine Mutter (ganz rechts) bei der Präsentation der Vitrine im Museum auf dem Hohenasperg.Foto: factum/Granville

Helmut Palmer war der Remstalrebell, kämpfte gegen die Justiz, gegen die Obrigkeit – und saß dafür lange im Gefängnis. Jetzt wird er Teil der Ausstellung auf dem Hohenasperg. Zur Präsentation kommt auch sein kaum weniger bekannter Sohn Boris, der Tübinger Oberbürgermeister.

Asperg - Als Helmut Palmer im Jahr 2000 am Gefängnis auf dem Hohenasperg ankommt, trägt er ein Holzkreuz auf dem Rücken und Häftlingskleidung. Palmer demonstriert gegen seine Verurteilung, gegen Justizterror, rechte Richter – wie er es sein ganzes Leben getan hat, weshalb er irgendwann nur noch Remstalrebell genannt und zur Legende wurde. Als am Mittwoch sein Sohn Boris an den Ort zurückkommt, an dem sein Vater einst inhaftiert war, schiebt er einen Kinderwagen.

Die Zeiten haben sich geändert. Der Sohn ist als Oberbürgermeister von Tübingen Teil des Establishments, der Vater hat stets gegen die Obrigkeit gekämpft und sich damit viele Feinde gemacht. 2004 starb der Rebell, und jetzt kommt seine selbst gefertigte Sträflingsjacke von damals mitsamt dem selbst aufgenähten Judenstern zurück nach Asperg. Das Museum auf dem berühmten Berg, das die Schicksale der prominenten ehemaligen Häftlinge aufgreift und erzählt, hat erstmals eine Vitrine für Helmut Palmer vorgestellt. Boris, der Sohn, ist eigens angereist und blickt fast staunend auf das alte Foto. „Mit Vollbart – so habe ich ihn nie gesehen“, sagt er. „So habe ich ihn nicht in Erinnerung.“

„Ideologisches Spannungsfeld“

Es ist nur eine kleine Ecke, die das Museum in Asperg, eine Zweigstelle des Hauses der Geschichte, für Helmut Palmer reserviert hat. Einige Zitate, Filmausschnitte, biografische Angaben, die Jacke, Bücher. Dennoch ist der Medienrummel groß, denn Helmut Palmer hat immer polarisiert. „Mich freut es, dass mein Vater zu dieser Ehre gekommen ist und das Haus der Geschichte den Mut hat, das zu machen“, sagt sein Sohn. Immerhin bewege man sich damit immer noch in einem „ideologischen Spannungsfeld“.

Der 1930 in Stuttgart-Untertürkheim geborene Helmut Palmer war Obstbauer und immer wieder mit der Justiz in Konflikt geraten. Weil er Obrigkeitshörigkeit anprangerte, sich für Bürgerbeteiligung nach Schweizer Vorbild einsetzte, nicht an Regeln hielt und beispielsweise kranke Bäume am Straßenrand fällte, um auf den Unsinn hinzuweisen, dort überhaupt Bäume zu pflanzen. Weil er eigenmächtig Leitplanken umbaute, um sie sicherer für Autofahrer zu machen. Einmal prügelte er sich mit einem Gerichtsdiener, oft hat er Angehörige der Justiz als Nazis beschimpft.

Der Rebell kämpfte immer auch um Anerkennung

423 Tage saß er insgesamt in Haft, drei Mal auch auf dem Hohenasperg, und sah sich stets als Justizopfer. Der Sohn erzählt, wie er seinen Vater im Jahr 2000 auf dem Hohenasperg besuchte. Bedrückt und gezeichnet von der Haft sei dieser gewesen. „Er hat immer um seine Rehabilitierung gekämpft, um Anerkennung, doch zu Lebzeiten wurde ihm diese verwehrt. Vielleicht ist das heute eine Teilanerkennung.“ Remstalrebell gegen Beamtenstaat – so steht es auf der Vitrine.

Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte, betont, dass Helmut Palmer viele Menschen beeindruckt habe. „In ihm spiegelte sich das Unbehagen vieler an der Obrigkeit wider.“ Das zeigen Palmers teils guten Wahlergebnisse. Unzählige Male war er zu Kommunalwahlen angetreten, 1974 wäre er in Schwäbisch Hall fast Oberbürgermeister geworden.

Auch seine Witwe ist am Mittwoch zur Präsentation der Vitrine in Asperg. Ihr Mann habe sich als Schubart des 20. Jahrhunderts gesehen, erzählt sie. Der Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart landete im 18. Jahrhundert wegen seiner sozialkritischen Schriften im Gefängnis, auch er wird in dem Museum gewürdigt. Dass ihr verstorbener Mann, erzählt Erika Palmer, jetzt neben Schumann Teil dieses Hauses sei – „das hätte ihm gefallen“.

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