Villa-Berg-Park Erpressungsvorwurf gegen Häussler

Von Josef Schunder  

Darf Rudi Häussler im Park um die Villa Berg bauen oder nicht? Foto: Kern
Darf Rudi Häussler im Park um die Villa Berg bauen oder nicht? Foto: Kern

Der Investor Rudi Häussler muss weiter um 60 Nobelwohnungen im Park der Villa Berg bangen.

Stuttgart - Der Investor Rudi Häussler muss weiter um das Baurecht für rund 60 Nobelwohnungen im Park der Villa Berg bangen. Der Gemeinderatsausschuss für Umwelt und Technik vertagte am Dienstag die Entscheidung, ob die von Häussler erhoffte Änderung des Bebauungsplans eingeleitet wird. Das bürgerliche Lager bekannte sich zwar zu dem Projekt, doch das reicht nicht. Die SPD erneuerte ihre Ablehnung. Grünen-Stadtrat Werner Wölfle verlangte erneut Zusagen von Häussler und weitere Auskünfte der Stadtverwaltung.

Auf ein ganzes Bündel früherer Anfragen lieferte die Verwaltung bereits Antworten. Falls man verhindern wollte, dass Häussler anstelle der frei werdenden Fernsehstudios des Südwestrundfunks inmitten des Parks die Wohnungen baue, komme als Alternativstandort am Parkrand allenfalls der Bauhof des Garten- und Friedhofamtes an der Sickstraße in Betracht, sagte Bürgermeister Matthias Hahn. OB Wolfgang Schuster, der kurz in die Ausschusssitzung gekommen war und sich ganz knapp äußerte, entdeckte freilich ein Hemmnis: "Die benachbarte Schule und ihre Sportflächen sind ein Konfliktpotenzial. Für Wohnnutzung in der Nachbarschaft ist das auch wieder schwierig." Auch die bürgerlichen Parteien winkten ab. "Mit Alternativstandorten am Park würde man auch etwas vom Park wegnehmen", sagte Alexander Kotz (CDU), der wie die FDP und die Freien Wähler in Häusslers Konzept eine "sehr gute Grundlage" sieht.

Preis wird auf zehn Millionen Euro geschätzt

Dagegen sei man in der Grünen-Fraktion weit von einer Mehrheit für Häusslers Projekt entfernt, sagte Wölfle, der persönlich eher dafür aufgeschlossen ist und zur Sachlichkeit mahnte. Aber Häussler müsse sagen, wie es mit der Wohnanlage und der sanierten Villa weitergehe, wenn sich das Unternehmen zurückziehen sollte. Zudem müsse er der Stadt ein Vorkaufsrecht für die Villa einräumen. Wölfle will aber auch andere Wege weiter ausloten. Die Verwaltung solle die Kosten der Verlegung des Bauhofs ermitteln, der zu einem Baugelände im Wert von etwa 5,6 Millionen Euro werden könnte.

Der Preis des Studiogeländes, das manche Grünen, die SPD sowie die SÖS/Linke in Park verwandeln möchten, wird von der Verwaltung auf rund zehn Millionen Euro geschätzt. Dieser Wert sei aber etwas theoretisch, weil das Gelände mit einem speziellen Planungsrecht für öffentlich-rechtliche Nutzung durch einen Fernsehsender "nicht marktgängig" sei, erklärte Stadtplaner Uwe Stuckenbrock.

Häusslers Stellvertreter Cemal Isin sagte, man stehe gern für Verhandlungen zur Verfügung, wenn die Stadt lieber die Rückabwicklung wolle. Die zehn bis zwölf Millionen Euro teure Sanierung der Villa, die von allen Fraktionen gewünscht wird, könne man nur mit Hilfe des Wohnprojekts stemmen. Hannes Rockenbauch (SÖS) beurteilte diesen Kurs der Häussler-Gruppe zwar als "freche Erpressungstaktik". Isin verwahrte sich aber dagegen. So könne man das Unternehmen, das viel für Stuttgart getan habe, nicht behandeln. Man wolle auch nicht in den Park bauen, sondern alte Gebäude im Park durch kleinere Neubauten ersetzen.

Lesen Sie jetzt