VfB-Trainer Jürgen Kramny Glücksgriff statt B-Lösung

Von red/dpa 

Mit Jürgen Kramny ist der VfB Stuttgart auf die Erfolgsspur zurückgekehrt. Foto: dpa
Mit Jürgen Kramny ist der VfB Stuttgart auf die Erfolgsspur zurückgekehrt.Foto: dpa

Seit Jürgen Kramny den selbstherrlichen, aber kläglich gescheiterten Alexander Zorniger abgelöst hat, hat sich der schwäbische Fußball-Bundesligist stark verbessert. Am Samstagabend soll der Aufwärtstrend beim Heimspiel gegen den HSV fortgesetzt werden.

Stuttgart - Die Verlegenheitslösung erweist sich immer mehr als Glücksgriff für den VfB Stuttgart. Seit Jürgen Kramny den selbstherrlichen, aber kläglich gescheiterten Alexander Zorniger als Trainer abgelöst hat, geht es mit dem schwäbischen Fußball-Bundesligisten stetig, wenn auch langsam, voran. Gegen den Hamburger SV will der immer noch stark abstiegsgefährdete Tabellen-15. seinen Aufwärtstrend fortsetzen. „Wir gehen es positiv an, aber mit dem nötigen Respekt vor dem HSV“, kündigte Kramny vor dem Abendspiel am Samstag zuversichtlich an.

Kramnys Bilanz seit seinem Amtsantritt am 24. November kann sich sehen lassen. Nach der 1:4-Pleite zum Auftakt in Dortmund verlor der VfB keine Partie mehr. Acht Punkte sammelten die Stuttgarter in den vier zurückliegenden Spielen und verschafften sich so wenigstens etwas Abstand zu den beiden direkten Abstiegsplätzen. „Wichtig ist, dass wir dranbleiben und selbst punkten. Dann geht es nach oben“, beschrieb das Mitglied der Meistermannschaft von 2007 seine Mission.

Sportvorstand Robin Dutt schätzt die Arbeit des ehemaligen U23-Trainers. Kramny habe an den richtigen Stellschrauben gedreht. Mit der Ausbeute unter dem Zorniger-Nachfolger ist der Manager ebenfalls zufrieden, auch wenn der VfB noch längst nicht in Sicherheit ist. „Wir bewegen uns zwar nicht da hinten raus, aber wir ziehen mit guten Ergebnissen die anderen mit rein“, urteilte Dutt.

Kramny war nicht der Wunschkandidat

Dabei war Kramny keineswegs der Wunschkandidat der VfB-Verantwortlichen. Erst als sich Pläne mit dem ehemaligen Mönchengladbacher Trainer Lucien Favre und anderen Kandidaten zerschlugen, wählten sie die hausinterne Lösung.

Eine Entscheidung, die auch Bruno Labbadia gut findet. „Allein schon wegen seiner Kenntnisse und seines Zugehörigkeitsgefühls zum VfB ist er eine gute Wahl“, befand der HSV-Coach, der Kramny aus seiner Stuttgarter Tätigkeit (Dezember 2010 bis August 2013) bestens kennt. „Und bisher hat er einen wirklich guten Job gemacht.“

Einen guten Job will Kramny auch am Samstag (18.30 Uhr/Sky) machen und fordert von seinen Schützlingen eine ähnlich engagierte und couragierte Leistungen wie bei den beiden jüngsten Siegen gegen Wolfsburg und in Köln. „Wenn wir wieder den gleichen Einsatz und Willen auf den Platz bringen, dann bin ich guter Dinge, dass wir erfolgreich sein werden.“

Zornigers Prinzipienreiterei abgeschafft

Ein paar grundlegende Veränderungen haben genügt, um aus der unter Zorniger völlig verunsicherten und vor lauter aufgezwungenem Vorwärtsdrang die Defensive sträflich vernachlässigenden Mannschaft wieder ein selbstbewusstes und erfolgreiches Team zu formen. Kramny lässt den VfB das spielen, was der durchschnittlich besetzte Kader kann und qualitativ hergibt.

Die Stuttgarter stehen nun deutlich weiter hinten und agieren wesentlich stabiler. Die Stürmer Filip Kostic und Timo Werner haben dadurch mehr Platz und können ihre enorme Schnelligkeit wieder besser ausspielen. Zudem ist die zuvor äußerst anfällige Viererkette durch die Hereinnahme des von Zorniger kalt- und bloßgestellten Georg Niedermeier wieder gefestigt.

Gutes Defensivverhalten wird auch gegen die konterstarken Hanseaten ein Schlüssel zum Erfolg sein. „Wir müssen vorsichtig sein“, warnte Kramny vor dem „sehr auswärtsstarken“ Kontrahenten.

Zudem steht der HSV nach nur einem Punkt aus den zurückliegenden vier Partien mächtig unter Druck. Bei einer Niederlage droht der Absturz in die Abstiegszone. Auch wenn sich Labbadia gerne an seine erfolgreichen Jahre beim VfB erinnert - erst Retter, dann Einzug in die Europa League, dann DFB-Pokalfinale -, will er nicht groß in der Vergangenheit schwelgen. „Ich fahre mit dem Gefühl hin, dass wir da gerne gewinnen wollen“, sagte er.

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