VfB Stuttgart Wie gut ist die zweite Garde des VfB?

Von Thomas Näher 

VfB-Joker stechen: Vorbereiter  Alex Maxim (re.), Torschütze  Harnik Foto: dpa
VfB-Joker stechen: Vorbereiter Alex Maxim (re.), Torschütze HarnikFoto: dpa

Die Stammelf steht, und damit auch das Team der Reservisten. Gemeinsam eilen sie vom einen Erfolg zum nächsten – weil alle beim VfB Stuttgart professionell mit ihrer Rolle umzugehen wissen.

Stuttgart - In der rauen Welt des Profifußballs mutet es irgendwie unwirklich und fast schon rührend an, wie sie sich gegenseitig hegen und pflegen beim VfB. Da ist der Stürmer Daniel Ginczek, der ein unfassbares Pech hat, nach fünfmonatiger Verletzungspause mit einem Kreuzbandriss wieder ein halbes Jahr lang ausfällt und vor dem Spiel auf Schalke am Telefon zu seinem Stürmerkollegen Martin Harnik sagt: „Wenn du reinkommst, mach ein Tor.“ Da ist dieser Martin Harnik, der am Sonntag tatsächlich ins Spiel kommt, tatsächlich das Tor zum 1:1-Endstand erzielt und mit drei Fingern jeder Hand eine 33 in die Fernsehkamera zeigt – Ginczeks Rückennummer. Und dann humpelt dieser Ginczek am Montagmorgen ins Clubheim, setzt sich mit den Kollegen an den Frühstückstisch und erinnert an deren Geste auf Schalke mit den Einlaufjacken und der Nummer 33: „Danke, Jungs, für die guten Wünsche.“

Was nach einer Courts-Mahler-Schmonzette klingt, ist die Wahrheit, nichts als die reine Wahrheit – und für Robin Dutt das Normalste auf der Welt. „Dieser Teamgeist ist authentisch“, beteuert der Sportvorstand, „weil zurzeit jeder seine Rolle akzeptiert.“ Auch dann, wenn er die meiste Zeit auf der Ersatzbank verbringt – gerade dann. „Unsere Einwechselspieler sind mit der entscheidende Grund für den Erfolg in den vergangenen Wochen“, betont Dutt und hat keine Mühe, dafür Belege zu finden.

Auf Schalke trat der Joker Alexandru Maxim eine Ecke, Christian Gentner verlängerte per Kopf, und der ebenfalls gerade eingewechselte Martin Harnik vollendete.

Die VfB-Joker stechen schon im vierten Spiel in Folge

Eine Woche zuvor hatte der eingewechselte Artem Kravets zumindest indirekt Anteil am Tor zum 2:0-Endstand. Bei der Hereingabe von Lukas Rupp rutschte die Leihgabe von Dynamo Kiew aus, doch weil sich die Berliner Abwehr ganz auf ihn konzentrierte, hatte der Torschütze Filip Kostic freie Bahn.

Vor zwei Wochen hatte der Frankfurter Carlos Zambrano den eingewechselten Kravets gefoult, Kostic verwandelte den fälligen Elfmeter zum 4:1 (Endstand 4:2).

Vor drei Wochen schließlich hatte Maxim Sekunden nach seiner Einwechslung auf den kurz zuvor ebenfalls eingewechselten Artem Kravets geflankt, der zum 2:1-Siegtor einköpfte.

Die neue Stärke von der Bank – auch Georg Niedermeier zählt dazu

Damit waren die Joker in den vergangenen vier Bundesligaspielen direkt oder indirekt an vier VfB-Toren beteiligt. Leicht hätten es auch mehr werden können. Allein auf Schalke scheiterte Alexandru Maxim in der Schlussphase noch mit einem Seitfallzieher und einem scharf getretenen Freistoß nur knapp. „Es ist wichtig, dass wir von der Bank aus nachlegen können. Das zeichnet uns zurzeit aus“, sagt Daniel Schwaab, der das beste Beispiel auf dem Platz gleich neben sich hat: Auch Georg Niedermeier kam von der Ersatzbank, wo er still vor sich hin litt, bis ihm Jürgen Kramny eine Chance gab. Nun bildet er zusammen mit Schwaab in der Innenverteidigung ein zuverlässiges Bollwerk. „Wenn man sieht, wie viele Einwechselspieler uns in den vergangenen Partien weitergebracht haben, spricht das für die Breite in unserem Kader“, sagt Timo Werner, „wir haben 18 oder 19 Mann, die bedenkenlos spielen können.“ Und zwar so erfolgreich, dass sich Werner angesichts der jüngsten Erfolgsserie mit 16 von 18 möglichen Punkten aus den letzten sechs Begegnungen kneifen muss: „Wenn uns das vor Wochen einer gesagt hätte, dann hätten wir ihm den Vogel gezeigt.“

Stattdessen zeigt der VfB der Liga eine lange Nase – und ist seit acht Ligaspielen ungeschlagen. Elf wären Vereinsrekord.

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Von 27. August 2016 - 21:49 Uhr

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