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VfB Stuttgart VfB setzt im Pyro-Streit auf Dialog mit Fans

Thomas Näher, vom 27.01.2012 08:00 Uhr
Pyro in der Kurve Foto: dpa
Pyro in der Kurve Foto: dpa

Stuttgart - Das Feuerwerk kam ebenso heftig wie unerwartet. Beim DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV brannte Ende Dezember plötzlich die Cannstatter Kurve. Hinter der Bande hatten Anhänger der Roten Bengalos angezündet. Erst fünf, dann zehn, dann 30 – am Ende zischte und brannte und rauchte es breitflächig. „Wir sehen den Einsatz von Pyrotechnik als Stilmittel, um eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Der Drang, Pyros zu zünden, ist latent vorhanden“, behauptet Oliver Schaal, der Sprecher der Ultra-Fangruppierung Commando Cannstatt. Dass der VfB für den Flächenbrand 15 000 Euro Strafe zahlen muss, nahmen die Zündler billigend in Kauf. „Die Faszination ist so groß, dass man Pyros nicht dauerhaft verbannen kann“, sagt Schaal.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) sehen das komplett anders. Nach Gesprächen über eine mögliche Lockerung des Pyro-Verbots vertritt der Verband nach Prüfung juristischer Fragen nun eine strikte Null-Toleranz-Politik. Das Versammlungsstättenrecht, das Sprengstoffrecht und europarechtliche Vorschriften ließen nichts anderes zu. „Es gibt da eine Geisterdebatte, dass DFB und DFL die Pyros legalisieren könnten. Schon die Gesetzeslage verbietet das“, bekräftigt DFL-Chef Reinhard Rauball. Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert stellt klar: „Höchster Sicherheitsanspruch und der Einsatz von Pyrotechnik im Stadion sind nicht vereinbar. Da gibt es keinen Spielraum.“

Fans erbost über Kehrtwende des DFB

Die Pyro-Befürworter fühlen sich vom DFB getäuscht. Noch Mitte 2011 hatte der damalige DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn eine begrenzte Freigabe der Pyrotechnik in Aussicht gestellt. Vor Spielbeginn, vor dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit oder nach dem Spiel sollte ein Abbrand in eigens ausgewiesenen Pyrozonen ermöglicht werden. Die Fans jubelten – umso erboster reagieren sie auf die Kehrtwende. „Der Zeitpunkt, die Gespräche fortzuführen und zu einem vernünftigen Konsens zu kommen, wurde verpasst“, sagt Matthias Huber, der beim VfB für Organisation, Verwaltung und Sicherheit zuständig ist. Ähnlich äußern sich Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Manager Christian Heidel vom FSV Mainz 05. Zudem moniert Huber, dass die Vereine nicht in die Gespräche zwischen DFB, DFL und Fans eingebunden waren.

Nach der Aufkündigung des Dialogs lodert der Streit nun mal mehr, mal weniger heftig weiter. Dass die mehr als 1000 Grad heißen Mini-Fackeln, die kaum größer als ein Kugelschreiber sind, zur Gefahr für andere Fans werden können, liegt auf der Hand. Eine lückenlose Eingangskontrolle hält Matthias Huber für illusorisch: „Um Kontrollen wie am Flughafen durchzuführen, müssten wir am Freitag anfangen, damit bis zum Anpfiff am Samstag alle im Stadion sind.“ Ohnehin ist eine einheitliche Lockerung des Verbots nicht möglich, weil jedes Bundesland eigene polizeiliche Bestimmungen hat.

VfB hat Verständnis für Fans

Dennoch geben die Fan-Gruppierungen nicht auf. Sie wehren sich dagegen, in die Nähe gewaltbereiter Chaoten gerückt zu werden, und finden in begrenztem Maße Verständnis beim VfB. „Die Befürworter sehen Pyrotechnik als Ausdruck ihrer Emotionen und wollen keine Gewalt ausüben oder anderen Besuchern schaden“, sagt der Fanbeauftragte Christian Schmidt. Deshalb stößt der Wunsch des Commando Cannstatt, der VfB möge seine Stimme in den Gremien bei DFB und DFL nutzen, bei den Roten nicht auf taube Ohren. Im Fanausschuss halten VfB-Anhänger und Vereinsvertreter den Dialog aufrecht. Allerdings sagt Matthias Huber klipp und klar: „Wir werden uns weiter mit dem Thema befassen müssen, aber wir müssen uns an die rechtlichen Richtlinien halten. Solange die Pyrotechnik verboten ist, müssen wir Verstöße verfolgen und ahnden.“

Für die Zündler im Spiel gegen den HSV bedeutet das: Sollte die Polizei die Täter ermitteln, wird der VfB Stadionverbote gegen sie verhängen und die 15 000 Euro einklagen.

Kommentare (8)
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JAN
27
17:04 Uhr, geschrieben von jwd
Und wenn einer im Eifer des Gefechts damit freudig herumwedelt
und der Nachbar Feuer fängt, was dann? Was passiert, wenn Fans von der Begeisterung und vom ganz besonderen Flair "angesteckt" werden, konnte man schon in Nürnberg bewundern: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,680746,00.html Schafft ihr es verbal nicht, Stimmung zu erzeugen? Und wenn ihr es bei einem Fußballspiel von unserem VfB nicht schafft in Stimmung zu kommen, wann denn überhaupt? Ich frage mich immer was passiert wenn die Zündler erst mal bei ihrer Freundin sind. Müssen sie dann auch zunächst mal eine Magnesiumfackel anzünden um in Stimmung zu kommen für das ganz besondere Gefühl? :-) Gibt es unter euch Jungs einen Pyrofackelvergleich wer die größte und hellste hat?
JAN
27
14:15 Uhr, geschrieben von VFBler
Emotionen respektieren?
Ich musste lachen. Sie meinen wohl, "kleinen Feuerteufeln den Spaß nicht verderben". Wenn Sie mit Ihren Emotionen immer irgendwas in Brand setzen müssen, dann bleiben Sie halt emotional vor der Tür. 105 Minuten ohne Zündeln, das schaffen auch Sie. Sie müssen nur ganz fest an sich glauben. Respektieren Sie doch zunächst unsere Gesundheit und unsere Sicherheit, dann können wir gerne über Respekt Ihnen gegenüber sprechen.
JAN
27
12:39 Uhr, geschrieben von cannstatterkurve
positives signal vom vfb
ich finde es gut, dass sich der VfB etwas offener wie so manche Fans oder DFB & DFL mit dem thama und ihren sogenannten "problem"fans beschäftigt... keine frage... pyro technik kann gefährlich sein und muss richtig und vernünftig angewendet werden!! negativ beispiel wären z.B. die KSC fans beim heimspiel vom VfB vor ein paar jahren!! aber so wie die VfB anhänger ihre pyros in naher vergangenheit abgebrannt haben, war immer vorbildhaft... keiner kam zu schaden und es sah einfach immer gigantisch aus... es wäre wünschenswert wenn auch DFB und DFL (und auch einige Fans) ihre null-toleranz-politik einstellen würden!! pyrotechnik ist kein verbrechen!!
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