VfB Stuttgart im Trainingslager Interview mit Kai Oswald: Ausruhen verboten

Von Philipp Maisel 

Kai Oswald ist Co-Trainer des VfB Stuttgart und spricht im Interview über seine Berufung und die anstehenden Aufgaben mit dem Club. Foto: Pressefoto Baumann
Kai Oswald ist Co-Trainer des VfB Stuttgart und spricht im Interview über seine Berufung und die anstehenden Aufgaben mit dem Club.Foto: Pressefoto Baumann

Beim VfB Stuttgart ist nicht nur Jürgen Kramny vom U23-Trainer zum Cheftrainer aufgestiegen, auch Kai Oswald wurde von der U17 als Co-Trainer zu den Profis befördert. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Oswald, Sie sind jetzt seit wenigen Wochen Co-Trainer des VfB Stuttgart. Wir nehmen an, dass es nach der Freistellung von Alexander Zorniger recht fix ging mit der Berufung.

Kai Oswald: Absolut, das passierte alles innerhalb weniger Stunden. Mir wurde von der sportlichen Leitung mitgeteilt, dass der neue Co-Trainer von Jürgen Kramny Kai Oswald heißen soll.

Sie sind nun schon sechs Jahre im Verein in verschiedenen Funktionen.

Oswald: Ja, das ist richtig, wenn man nur meine Trainertätigkeit betrachtet. Zuvor war ich ja auch schon als Spieler beim VfB.

Welche Mannschaften haben Sie bisher trainiert?

Oswald: Ich habe von der U14 bis zur U19 alle Jahrgänge als Co-Trainer betreut, dann war ich zwei Jahre Cheftrainer der U15, zuletzt etwa ein halbes Jahr Chef bei der U17.

Wenn Sie Ihren Werdegang als Trainer betrachten – war es Ihre Zielsetzung, in solch kurzer Zeit so weit zu kommen?

Oswald:  Es war sicherlich mein Bestreben, irgendwann auch als Trainer wieder im Profibereich anzukommen. Doch die Erfahrungen im Jugendbereich möchte ich nicht missen. Man gewinnt wertvolle Erkenntnisse, wenn man die Entwicklung von jungen Spielern hautnah miterlebt. Daher war es für mich die logische Konsequenz, meine ersten Schritte im Jugendbereich zu machen. Nichtsdestotrotz macht mich das Vertrauen des Vereins natürlich stolz.

Wie schwer fiel es Ihnen, Ihre U17-Schützlinge nach so kurzer Zeit wieder zu verlassen?

Oswald: Das geschah mit einem weinenden und einem strahlenden Auge. Es ist natürlich nicht einfach loszulassen, wenn man so eng zusammengearbeitet hat und die Jungs mitentwickeln durfte. Doch das ist eben der Trainerjob. Wenn sich eine solche Gelegenheit bietet, möchte man die auch ergreifen. Letztlich konnte ich den Schritt aber auch ruhigen Gewissens vollziehen, da  ich weiß, dass sie in guten Händen sind. Heiko Gerber und Heiko Necker machen einen tollen Job.

Dennoch werden Sie zumindest mit einem Auge noch nach den Jungs schauen, oder?

Oswald: Selbstverständlich. Sie haben jetzt eine intensive Zeit mit vielen Hallenturnieren und den Leistungs- und Laktattests. Ich informiere mich zwar nicht täglich, aber mindestens einmal die Woche über den aktuellen Stand.

Kommen wir zurück zu den Profis. Wie sieht Ihr Aufgabengebiet im Detail aus, inwieweit haben Sie Einfluss auf die tägliche Trainingsarbeit?

Oswald: Das ist ein reger Austausch, der mehrmals am Tag stattfindet. Jürgen Kramny und ich planen mit dem restlichen Trainerteam schon einen Tag vorher, was inhaltlich ansteht und konzipieren die Einheiten gemeinsam. Es ist seine sehr enge Zusammenarbeit.

Wie fühlen Sie sich von der Mannschaft wahrgenommen?

Oswald: Richtig gut. Ich habe zudem den Vorteil, selbst einen ganz ordentlichen Ball spielen zu können und Übungen so demonstrieren zu können. Das hilft natürlich, wenn die Jungs sehen, dass beispielsweise eine Flanke auch da ankommt, wo sie hin soll. (lacht)

Von außen betrachtet scheint in der Mannschaft aktuell eine Mischung zwischen der nötigen Lockerheit und dem konzentrierten Fokus auf die anstehenden Aufgaben vorzuherrschen. Trifft das Ihrer Meinung nach zu?

Oswald: Absolut. Die Mannschaft gibt Vollgas in den Einheiten, die Jungs motivieren sich gegenseitig, stacheln sich an und sind auch mal sauer, wenn sie ein Trainingsspiel verlieren. Außerhalb des Platzes herrscht eine gewisse Lockerheit und es wird viel geflachst. Das ist genau der richtige Mix, um Erfolg zu haben. Wir sind auf einem guten Weg.

Was haben Sie und Jürgen Kramny – außer im Training neue Reize zu setzen  – getan, dass sich dieser neue Geist im Team entwickeln konnte?

Oswald: Wir haben sicher unseren Teil dazu beigetragen, aber vieles kam aus der Mannschaft selbst. Die Jungs haben sich auch einige Male ohne uns zusammengesetzt und Tacheles geredet. Wenn man sieht, wie sie gegen Braunschweig, Wolfsburg oder auch Antalyaspor aufgetreten sind zeigt das, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen haben.

In etwas mehr als zwei Wochen wartet der Start in der Bundesliga mit dem Spiel gegen den 1. FC Köln. Was ist in der Rückrunde noch drin?

Oswald: Wir wollen die Mannschaft optimal vorbereiten, damit sie gegen Köln und in den Spielen, die dann folgen, eine optimale Leistung abrufen kann. Wir wollen das, was wir jetzt begonnen haben, nicht abbrechen lassen, sondern von Spiel zu Spiel weiter steigern. Wohlwissend, dass wir auch vor Rückschlägen nicht gefeit sein werden. Jedes Spiel wird ein Endspiel sein, mit dieser Maxime gehen wir in die Rückrunde.

Aus Ihnen spricht das Selbstvertrauen das nötig ist, um den Klassenerhalt zu packen.

Oswald: Definitiv. Die Jungs haben angedeutet, was in ihnen steckt, das gilt es jetzt Woche für Woche abzurufen. Man darf sich nicht ausruhen – und das werden wir auch nicht tun.

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