VfB Stuttgart im Trainingslager Athletiktrainer Onyeike: Die Mischung macht's

Von Philipp Maisel 

Chima Onyeike: Schleifer mit Sinn für Humor. Der Athletiktrainer macht die VfB-Profis in Belek fit für die Rückrunde. Foto: Pressefoto Baumann
Chima Onyeike: Schleifer mit Sinn für Humor. Der Athletiktrainer macht die VfB-Profis in Belek fit für die Rückrunde.Foto: Pressefoto Baumann

VfB-Fitnesstrainer Chima Onyeike macht die Mannschaft im Athletik-Bereich fit für die Rückrunde. Der Holländer war früher Profi und weiß ganz genau, was die Spieler brauchen.

Belek - 192cm, 105kg, Oberarme wie ein Preisboxer und ein Händedruck, der einem Schraubstock alle Ehre macht: Das ist der erste Eindruck den man bekommt, wenn man VfB-Athletiktrainer Chima Onyeike trifft. Der Holländer ist einen Weg gegangen, der außergewöhnlich ist. Bis ins Jahr 2011 war er Fußballprofi, spielte unter anderem für Exzelsior Rotterdam, den FC Oss, VVV Venlo oder solch illustre Clubs wie SV Spakenburg und Quick Boys.

Für die ganz große Karriere hat es nie gereicht. Also sattelte Onyeike um – und ließ sich zum Fitness- und Athletiktrainer ausbilden. Seine erste Anstellung fand er bei Anzhi Machatschkala, später ging er zu PAOK Thessaloniki, wo er mit Huub Stevens zusammenarbeitete, der ihn mit zum VfB Stuttgart nahm. Seither ist Onyeike für die VfB-Profis zuständig.

Sein Arbeitsbereich wird immer wichtiger. „Der athletische Bereich hat in den letzten Jahren eine immense Bedeutungssteigerung erfahren. Das Spiel ist schneller, intensiver, die Pausen kürzer, es gibt immer mehr Spiele. Da gilt es die Mannschaft darauf vorzubereiten. Und das geht eben am besten über intensives Training“, erklärt er.

Training nach neuesten Methoden

Dieses intensive Training findet unter Onyeike, der in Belek Unterstützung durch VfB II Fitnesscoach Matthias Schiffers erhält, nach den neuesten Methoden statt. Der Holländer orientiert sich bei seinem Training an der „Athlete´s Performance“-Schule aus Phoenix in den Vereinigten Staaten,  also der Lehre der Fitnesscoaches der deutschen Nationalmannschaft um Mark Verstegen und Yann-Benjamin Kugel. „Ich bilde mich permanent weiter und lasse aktuellste Erkenntnisse in meine Arbeit einfließen“, so Onyeike.

Als ehemaliger Profi weiß er zudem nur zu gut, auf was es ankommt. „Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass es damals schon so fundiertes Training gegeben hätte – und nicht nur Liegestütze und Gewichte stemmen“, sagt er. So wird beim VfB nur sehr wenig mit Hanteln und viel Gewichten gearbeitet, sondern nur mit dem jeweiligen Eigengewicht. Dazu kommen beispielsweise Blackrolls zum Einsatz oder TRX-Bänder, an denen sich die Spieler abarbeiten dürfen.

Doch viel wichtiger ist laut Onyeike: „Die Mischung muss stimmen. Ich verlange von den Jungs absolute Fokussierung. Wir müssen die Spieler fordern, dürfen aber auch nicht übertreiben“, führt er aus. Von den Grundlagen, die jetzt gelegt werden, profitiert die Mannschaft bis zum Saisonende. „Während dem Spielbetrieb können wir nur sehr selten Belastungsspitzen setzen, da geht es eher um Regeneration und Spritzigkeit. Also müssen wir jetzt mehr tun, um auch noch im Saisonendspurt eine gute Basis zu haben, damit wir Vollgas geben können.“

Dass dieses „mehr tun“ sich entsprechend durchschlägt, bestätigen die Spieler. „Ich habe noch nie so hart trainiert“, sagt etwa Neuzugang Artem Kravets.

Unfreiwilliges Bad im Meer

Dass bei all der harten Arbeit ab und an auch geflachst werden darf, steht für Onyeike außer Frage. „Ganz wichtig ist auch der Spaßfaktor, der darf nicht zu kurz kommen“, sagt der Holländer. Dass er auch Spaß versteht, zeigt folgende Geschichte: Nach den ersten harten Trainingseinheiten im türkischen Belek revanchierte sich die Mannschaft bei den beiden Fitnessgurus. Sowohl Schiffers als auch Onyeike landeten bereits im Meer. „Matthias hat es zuerst erwischt. Ich wollte noch fliehen, aber ich bin nicht mehr so schnell wie früher auf dem Platz, es gab kein Entkommen“, erzählt er mit einem schallenden Lachen.

Doch einfach machte er es der Truppe nicht. Ganze 15 Mann waren nötig, um den Koloss zu überwältigen und ins Wasser zu werfen. „Das geht schon in Ordnung, Spaß gehört wie gesagt dazu. Wir haben es ihnen bei der nächsten Einheit zurückgezahlt, danach war Ruhe“, so Onyeike. Sein sattes Grinsen bei der Erläuterung der Geschichte lässt auf eine gewisse Genugtuung schließen.

Noch drei Einheiten unter ihm muss die Mannschaft in Belek durchstehen, bis es zurück nach Stuttgart geht und der Fokus mehr auf Spritzigkeit gelegt wird, um für den Rückrundenauftakt gegen den 1. FC Köln optimal gerüstet zu sein. Ein Zuckerschlecken wird dies für die VfB-Profis ganz bestimmt nicht, so viel steht fest.

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