VfB Stuttgart „Die Jungs müssen ständig unter Strom stehen“

Von Thomas Näher 

VfB-Trainer Kramny (Zweiter von li.): „Stehe für Disziplin und Zuverlässigkeit“ Foto: Baumann
VfB-Trainer Kramny (Zweiter von li.): „Stehe für Disziplin und Zuverlässigkeit“Foto: Baumann

Vom Drittliga- über den Interims- zum Cheftrainer der Profis beim VfB Stuttgart – für Jürgen Kramny (44) macht das im Grunde keinen Unterschied: „Ich will immer den größtmöglichen Erfolg", sagt er in seinem ersten großen Interview.

Belek - Herr Kramny, dürfen wir Ihnen unseren ersten Eindruck aus dem Trainingslager schildern?
Bitte sehr, gerne.
Erster Tag, erstes Training, erste Minute: Die Spieler bilden einen Kreis um Sie – und plötzlich lachen alle lauthals.
(Schmunzelt) Die Spieler wissen von mir, dass ich Leistung von ihnen erwarte. Aber ich kann auch locker sein. Wenn wir den Platz betreten, haben wir anfangs Spaß. ­Danach sollen sich die Spieler den Spaß über Zweikämpfe und Ballgewinne holen.
Wie viel Spaß verträgt die Arbeit im Kampf gegen den Abstieg?
Alles zu seiner Zeit. Und es kommt immer auf die richtige Mischung an.
Damit gewinnen Sie die Spieler für sich?
Sie sind mir von Anfang an gefolgt. (Lacht) Sie hatten ja auch keine Alternative.
Vom Interimstrainer zum Chef: Was ist anders?
Ich bin Trainer aus Leidenschaft. Die Arbeit mit der zweiten Mannschaft hat mir auch viel Spaß gemacht. Jetzt ist das natürlich eine andere Hausnummer, aber eines bleibt: Ich will immer den größtmöglichen Erfolg.
Aber die Fallhöhe ist für Sie größer geworden.
Ich nehme mich nicht so wichtig, als dass das von großer Bedeutung für mich wäre.
Keine Zweifel, kein Zögern?
Wenn so eine Chance kommt, musst du sie annehmen. Ich arbeite akribisch und bin überzeugt: Egal, was passiert – es geht ­immer gut aus.
Woher nehmen Sie diese Gewissheit?
Ich brauche keine Absicherung. Ich weiß, dass ich immer aufgefangen werde. Diese ­Sicherheit haben mir auch meine Eltern ­mitgegeben, so war es schon immer. Deshalb empfinde ich den Job bei den Profis nicht als Risiko.
Sie hätten schon früher Profitrainer beim VfB werden können, Gelegenheiten gab es in den vergangenen Jahren genug.
Ich glaube an Bestimmung. Vielleicht ist ja gerade jetzt der richtige Zeitpunkt. Aber ja, es stimmt, ich habe mir in ein paar Situationen überlegt, ob mein Weg richtig ist.
Und sind stets beim VfB geblieben – warum?
Ich bin davon überzeugt: Wenn man kontinuierlich an etwas dranbleibt, öffnen sich ­irgendwann die Türen. Jetzt war es so weit. Generell hatte ich genau den Werdegang, den man sich als Trainer vorstellt.
Jugendtrainer und Co-Trainer in der Bundesliga beim FSV Mainz 05, Interimstrainer und Cheftrainer beim VfB.
Kontinuität bestimmt generell mein Leben.
Wofür stehen Sie noch?
Für Disziplin und Zuverlässigkeit.
Und für den Teamgedanken?
Teamgeist ist das oberste Gebot. Wir sind damals in Mainz in die Bundesliga auf­gestiegen, weil wir genau dieses Gemeinschaftsgefühl hatten, weil wir uns in jeder Situation aufeinander verlassen konnten.
Von welchem Trainer haben Sie am meisten gelernt?
Von Wolfgang Frank. Unter ihm haben wir mit Mainz 05 als erster deutscher Verein mit Viererkette gespielt. Es waren aber auch ­andere Trainer wichtig: Jürgen Klopp . . .
. . . Klopp hat Ihre Spielerkarriere in Mainz beendet.
Er sagte eines Tages zu mir: Nächste Saison kannst du nicht mehr so häufig spielen. Das war in dem Moment hart. Ich bin dann nach Darmstadt, aber Mainz hat mir die Tür offen gehalten, um A-Junioren-Trainer zu werden. Ohne Trainerschein – das gibt es heute nicht mehr. Aber Jürgen Klopp hat sich ­damals für mich eingesetzt.
Sie kommen immer wieder auf Mainz 05 zu sprechen. Und wir dachten, Ihr Lieblingsverein sei der VfB.
(Schmunzelt) Ja, meine Nummer eins ist der VfB. Das ist mein Heimatverein, ich bin in Stuttgart verwurzelt, und der VfB hat mich später ja auch wieder zurückgeholt.
Zurück zur Aktualität: Im Training tragen die Spieler stets Schienbeinschützer.
Da simulieren wir die Spielsituation. Da geht es zur Sache, da ist Feuer drin. Nur so gehe ich gut vorbereitet ins Spiel.
Wie beugen Sie Nachlässigkeiten vor?
Wenn ein Spieler denkt, er kann sich ein bisschen zurückziehen, hat er schlechte Karten. Die Jungs müssen ständig unter Strom stehen. Im Spiel sowieso, aber auch schon im Training.
Wann greifen Sie sonst durch?
Mir ist zum Beispiel wichtig, dass die Kabine ordentlich aussieht.
Darf ein Spieler bei Ihnen vor einer Partie Kopfhörer tragen?
Mir ist es jedenfalls lieber, er ist fokussiert und schirmt sich unter einem Kopfhörer ab, als dass er am Handy herumspielt.
Bei Pressekonferenzen reden Sie zuweilen so eindringlich wie in einer Mannschaftssitzung.
Jürgen Klopp hat manchmal sogar Watschn verteilt. Mir hat er auch mal eine gelangt. (Lacht) Ich sehe das emotionslos: Es gibt Spieler, die brauchen vor dem Anpfiff noch mal einen persönlichen Kontakt oder einen Zuspruch. Damit sie wissen: Jetzt muss ich liefern.
Was machen Sie kurz vor einem Spiel?
Ich gehe alle möglichen Abläufe durch. Da kann es gut sein, dass ich mich zehn Minuten hinlege und überlege: Was kann im Spiel passieren, welche Wechsel mache ich in ­welcher Situation?
Vor allem die jungen Spieler kennen Sie vom VfB II. Dürfen die Spieler Sie duzen?
Die älteren schon. Aber ich denke, wenn mich ein Jüngerer duzt, würde das meiner Autorität auch nicht schaden.
Herr Kramny, können Sie uns Mut machen? Wo steht der VfB am Saisonende?
Der Klassenverbleib ist drin, davon bin ich überzeugt.
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