VfB Stuttgart Der Plan: Mit Hannes Wolf in die Zukunft

Von Dirk Preiß 

Aufsteiger und Bundesliganeuling: Hannes Wolf hat beim VfB seinen Vertrag vorzeitig bis 2019 verlängert. Foto: Baumann
Aufsteiger und Bundesliganeuling: Hannes Wolf hat beim VfB seinen Vertrag vorzeitig bis 2019 verlängert. Foto: Baumann

Engagement beim VfB Stuttgart, Aufstieg in die Bundesliga, Vertrag bis 2019 – läuft bei Hannes Wolf, könnte man sagen. Doch die nächsten Herausforderungen warten schon.

Stuttgart - Offiziell hatte es keine Autogramme gegeben beim Saisonopening des VfB Stuttgart am vergangenen Sonntag. Ein paar Unterschriften ihrer Stars konnten zumindest die Kinder des Fritzle-Clubs ergattern. Der Rest der 15 000-köpfigen Fangemeinde ging leer aus – wird das aber wohl verschmerzen können. Weil die eine Signatur, die dann am Montag geleistet wurde, vielen VfB-Anhängern viel mehr wert sein dürfte als ein bisschen Gekritzel auf dem neuen Trikot. Es ist die Unterschrift von Hannes Wolf unter einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019.

Am Montag jedenfalls freute sich Wolfgang Dietrich, der Präsident des Hauptvereins und Aufsichtsratsvorsitzende der VfB AG, über ein besonderes Präsent zu seinem 69. Geburtstag. „Etwas Schöneres hätte ich mir kaum wünschen können“, sagte der Clubchef – und wurde dann förmlich: „Der Aufsichtsrat begrüßt die Entscheidung des Vorstands, den Vertrag mit Hannes Wolf vorzeitig zu verlängern.“ Wichtig war ihm noch der zeitliche Bezug: „Noch vor Saisonbeginn.“

Am 19. August beginnt für den VfB bei Hertha BSC die Comeback-Saison in der Bundesliga – weshalb den Stuttgarter Machern um Dietrich und Sportvorstand Jan Schindelmeiser die vorzeitige Vertragsverlängerung mit dem Cheftrainer so wichtig war, belegt aber eher ein Blick zurück.

Hannes Wolf will weiter „alles geben“

Als bei Borussia Dortmund in der vergangenen Saison das Aus von Thomas Tuchel zum Saisonende wahrscheinlicher wurde, war auch der Name Hannes Wolf ein gern genannter, wenn es um die möglichen Nachfolger des BVB-Coachs ging. Zumal Wolf als früherer Juniorentrainer bei der Borussia ja auch beste Drähte nach Dortmund hat. Natürlich wurde von beiden Seiten und schnellstens dementiert – doch die Episode zeigt: junge und erfolgreiche Trainer sind im modernen Profifußball begehrt. Zumindest für ein bisschen Beruhigung sorgt dann ein Vertrag, der noch zwei Jahre Gültigkeit als wesentlichen Inhalt bietet. Wolfs ursprünglicher Kontrakt beim VfB war bis Mitte 2018 gelaufen, mit dem 36-Jährigen verlängert auch Co-Trainer Miguel Moreira vorzeitig (ebenfalls bis 2019). Enthalten ist bei beiden selbstredend auch eine Gehaltserhöhung.

„Es ist eine Freude und ein Privileg, diesen Weg mit dem VfB weiterzugehen“, sagte Wolf. „Wir werden alles geben, um der damit verbundenen Verantwortung gerecht zu werden und diesen Weg positiv und erfolgreich zu gestalten.“ Was bedeutet: Mindestens der Klassenverbleib muss es schon sein in der nächsten Saison. Eine Garantie dafür? Gibt es nicht, schon gar nicht vom Bundesliganeuling Wolf.

Funktioniert das variable Spiel auch in der Bundesliga?

Der Coach, der einst von Jürgen Klopp entdeckt worden ist, kam im vergangenen September aus Dortmund nach Stuttgart. Bei der Borussia hatte er zunächst die B-, dann die A-Junioren zum Titel Deutscher Meister geführt. Beim VfB folgte er auf Jos Luhukay – und überzeugte vor allem durch seine frische Art, seine positive Ausstrahlung und seine treffenden Analysen, die meist ohne die gängigen Plattitüden der Branche auskommen. Zudem gilt er als der passende Trainer für den Weg, den Manager Schindelmeiser dem Club verordnet hat: mit jungen, hungrigen Spielern den Anschluss nach oben zu schaffen. „Die bisherige Zusammenarbeit war geprägt von großem gegenseitigem Vertrauen und gemeinsamen Grundüberzeugungen“, sagt der Sportvorstand. Sportlich ist der 36-jährige Coach, der mitunter ausschaut, als gehöre er selbst noch zu den Jungprofis, aber noch nicht über alle Zweifel erhaben.

In Liga zwei lieferte der VfB einige begeisternde Auftritte, der eine oder andere Auftritt ging aber auch kolossal daneben (0:5 in Dresden, 0:3 in Würzburg, 0:1 in Fürth) – und nicht wenige diskutierten hinterher den überaus großen Drang zu taktischen Experimenten des Trainers. Der konterte, nicht die Aufstellung, vielmehr die Einstellung habe an jenen Tagen den Ausschlag gegeben. Dennoch gilt: Eine klare Spielphilosophie hat Wolf noch nicht geliefert. Wollte er auch nicht.

Viele junge Trainer in der Liga

Flexibilität ist sein oberstes Gebot, die Spieler fordert er mit immer neuen Varianten – und die Frage in den nächsten Wochen wird sein: Traut er sich die schnellen taktischen Wechsel auch in der Bundesliga? An Mut und Akribie des Trainers wird es nicht scheitern, ob beides mangelnde Erfahrung kompensieren kann, muss sich zeigen. Julian Nagelsmann (30) hat in Hoffenheim vorgemacht, wie es gehen kann, Schalke 04 setzt in Domenico Tedesco (31) ebenfalls auf einen unerfahrenen Coach.

Der VfB sendet nun nach eher zügigen Verhandlungen an Hannes Wolf ein Signal des Vertrauens, der Vater zweier Töchter vertraut seinerseits dem Stuttgarter Projekt, das die Rückkehr in das obere Tabellendrittel der Bundesliga vorsieht. Ob das klappt? Liegt ab sofort mehr denn je an – beiden. Am Club und an seinem Trainer.

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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