VfB Stuttgart Das unglaubliche Transferpech des VfB

Von Gunter Barner 

Montes, Mexiko  (o.) , WM-Qualifikation gegen Neuseeland: Transfer geplatzt Foto: Getty
Montes, Mexiko (o.) , WM-Qualifikation gegen Neuseeland: Transfer geplatztFoto: Getty

VfB-Trainer Armin Veh hat mit Mexikanern schon einmal gute Erfahrungen gemacht – im Meisterjahr 2007 mit Pavel Pardo und Ricardo Osorio. Jetzt hatte der VfB wieder zwei an der Angel. Aber Héctor Moreno und Luis Montes verletzten sich schwer.

Stuttgart - Weil man neue Spieler nicht eben mal besorgt wie frische Brötchen beim Bäcker, war alles gerichtet: Die Scouting-Abteilung des VfB Stuttgart hatte gute Vorarbeit geleistet, Trainer Armin Veh die möglichen Transfers befürwortet und Sportvorstand Fredi Bobic die Verhandlungen soweit vorbereitet, dass eigentlich nur die genaue Ablösesumme, Medizin-Check und die Unterschrift unter den Verträgen fehlte.

Und dann der Schock: Erst verletzt sich Mittelfeldspieler Luis Montes schwer, dann Innenverteidiger Héctor Moreno. Die mexikanischen Nationalspieler freuten sich schon auf den möglichen Wechsel in die Bundesliga. Und beim VfB Stuttgart konnten sie ihr Pech nicht fassen. Auf der Geschäftsstelle waren angeblich Flüche zu hören, die jedem Bierkutscher die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätten. Jetzt beginnt die Suche nach Verstärkungen zwar nicht wieder von vorn, aber von neuem.

Plan B kostet allerdings Zeit, die der VfB streng genommen gar nicht hat. Die Vorbereitung auf die neue Saison läuft bereits, Armin Veh will der Mannschaft einen Spielstil verpassen, der angriffslustig ist, aber nicht selbstmörderisch. Das verlangt Automatismen, die sich nicht auf Knopfdruck einschleifen. Was bedeutet: Je früher neue Spieler zur Mannschaft stoßen, desto besser.

Die möglichen Transfers von Montes (28) und Moreno (26) sind aber nur noch eine Fata Morgana. Und wenn es überhaupt erlaubt ist angesichts des Verletzungsdramas von Glück im Unglück zu sprechen, dann liegt es in diesem Fall auf Seiten des VfB: Wären die Verträge schon unterzeichnet, hätte der Verein jetzt ein dickes Problem.

Montes schoss beim 3:1-Erfolg der Mexikaner im WM-Vorbereitungsspiel gegen Ecuador ein Tor, kurz vor der Pause krachte er aber mit Segundo Castillo zusammen und musste verletzt vom Platz. Die Diagnose: Schienbeinbruch. VfB-Sportdirektor Jochen Schneider saß im Stadion, neben ihm der mexikanische Ex-Nationalspieler und frühere VfB-Profi Pavel Pardo. Montes fällt voraussichtlich ein halbes Jahr aus. Er spielt in seiner Heimat beim FC León, war beim VfB als Ersatz für Ibrahima Traoré in Erwägung gezogen worden. Traoré wechselte am Ende der vergangenen Saison ablösefrei nach Gladbach. Der wendige und torgefährliche Mittelfeldakteur spielt zwar in der Nationalelf meist auf der halbrechten Position, ist aber ein Linksfuß. Er wäre wohl für eine Ablösesumme von zweieinhalb Millionen Euro zu haben gewesen.

Der zweite Schock erreichte die VfB-Granden am Abend, bevor sich Armin Veh am Montag dieser Woche als neuer Coach der Öffentlichkeit präsentierte. Bobic wirkte während der Pressekonferenz ziemlich angefasst. Nun scheint klar zu sein, warum. Er hatte die Bilder des Dramas wohl noch vor Augen: Mexikos Innenverteidiger Héctor Moreno stürzte sich im Achtelfinalspiel gegen die Niederlande (1:2) kurz vor der Pause in einen Zweikampf mit Arjen Robben – und brach sich das Schienbein! Der Profi vom spanischen Erstligisten Espanyol Barcelona wird ebenfalls ein halbes Jahr pausieren müssen.VfB-Sportdirektor Jochen Schneider bestätigt: „Héctor Moreno war einer unserer Kandidaten.“

Damit war eine weitere Personalie geplatzt, die besonders Armin Veh gefallen hätte. Er wollte einen Linksfuß für die Innenverteidigung. Moreno wäre wohl für 4,5 Millionen Euro zu haben gewesen.

Veh dürfte sich die Haare gerauft haben. Schließlich machte der VfB schon einmal mit zwei Mexikanern sein Glück. Mittelfeldspieler Pavel Pardo (2006 bis 2008) und Ricardo Osorio (2006 bis 2010) waren nicht nur nette, emsige und fröhliche Burschen, die mit der deutschen Mentalität keinerlei Probleme hatten, sie waren überdies wichtige Stützen in der Meistermannschaft von 2007 – unter Coach Armin Veh.

Der Plan hieß: Mexiko reloaded – jetzt ist er Makulatur.

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