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Hannover - Was für ein Spiel des VfB Stuttgart. Sie kombinieren, die drängen den Gegner in dessen Hälfte, sie haben Chancen, sie machen zwei Tore innerhalb von nur fünf Minuten und hätten fast noch ein drittes gemacht. Ja, was für ein Spiel. Oder besser: Was für zehn Minuten.
Denn länger dauerte die Phase nicht, in der der VfB im Spiel bei Hannover 96 so richtig begeisternd aufdrehte. Und das zweite Problem an der Sache: Als diese Phase eintrat, lagen die Roten bereits mit 0:4 zurück – was den Trainer des VfB Stuttgart alles in allem ein wenig ratlos zurückließ. „So ein Spiel“, sagte Bruno Labbadia, „ist für einen Trainer unheimlich schwer zu erklären.“ Erzählt ist es dagegen recht schnell.
Tasci meldet sich schon am Morgen ab
Das Unheil begann schon am Morgen, als sich die Profis des VfB mit einem leichten Bewegungsprogramm auf das Spiel am Spätnachmittag einstimmten. Serdar Tasci, Kapitän und Fixpunkt in der VfB-Abwehr, klagte plötzlich über Oberschenkelprobleme und meldete sich für die Partie ab – was zunächst gar nicht so schwer ins Gewicht zu fallen schien.
„Wir haben von der ersten Minute an gezeigt, dass wir den Schwung vom Spiel gegen Hertha BSC mitnehmen wollen“, sagte Labbadia. Und tatsächlich: In den ersten 20 Minuten störte der VfB den Gegner früh, leistete viel Laufarbeit und wirkte durchaus gefestigt – was sich dann aber änderte. Wie schon so oft in dieser Saison war es ein Eckball, der die Roten völlig aus dem Konzept brachte. Hannovers Christian Pander zirkelte den Ball nach innen, die VfB-Abwehr erstarrte im entscheidenden Moment, und Karim Haggui hatte in der 25. Minute keine Probleme, die Kugel ins Tor zu köpfen. Zwar bäumte sich der VfB sofort auf und hatte durch Martin Harnik eine Riesenchance zum Ausgleich (27.), doch spätestens nachdem auch die nächste Ecke der Hannoveraner zum Gegentor (32.) geführt hatte – Mame Diouf verwandelte eine neuerliche Hereingabe von Pander –, war der Faden gerissen im Spiel der Roten, die fortan viel zu viele Fehler in allen Mannschaftsteilen produzierten. Torhüter Sven Ulreich mal ausgenommen.
Keine nachhaltige Trendwende
So fiel das 0:3 durch Pander (46.) wieder nach einer Ecke und direkt nach der Pause, als Labbadia mit der Einwechslung von Cacau gerade die Aufholjagd starten wollte. Und beim 0:4 durch Lars Stindl in der 73. Minute deckten die Hannoveraner innerhalb von wenigen Sekunden alle Unzulänglichkeiten der VfB-Defensive gnadenlos auf. „Danach haben wir einen Gang zurückgeschaltet“, sagte 96-Trainer Mirko Slomka – und der VfB hatte seine stärkste Phase, die beinahe noch zu einer ernsthaften Aufholjagd geworden wäre. Wenn Vedad Ibisevic in der 82. Minute seine Großchance zum 3:4 genutzt hätte. So aber blieb es bei den Treffern von Martin Harnik (1:4 in der 75. Minute) und Shinji Okazaki (2:4 in der 79. Minute) per sehenswertem Fallrückzieher – und der Erkenntnis, dass es wieder einmal nichts war mit einer nachhaltigen Trendwende.
Zwar redeten sowohl Sportdirektor Fredi Bobic als auch Trainer Bruno Labbadia davon, dass die Leistung – von den Fehlern bei den Standardsituationen abgesehen – ganz in Ordnung gewesen sei. „Wir haben auch viel richtig gemacht“, sagte etwa Bobic. Weil im Anschluss an den klaren Erfolg über Hertha BSC Berlin (5:0) aber wieder kein weiterer Sieg gelang, ist das Ringen des VfB um Konstanz weiter nicht nur zäh, sondern auch vergebens. „Wir sind nicht stabil“, sagte Mittelfeldspieler Christian Gentner, der zur Pause ausgewechselt worden war, „deshalb stehen wir da, wo wir jetzt stehen.“ Im Niemandsland der Bundesligatabelle.
Am kommenden Samstag (15.30 Uhr) gilt es also erneut, einen Rückschlag zu verarbeiten und abzuhaken, dann ist der SC Freiburg in der Mercedes-Benz-Arena zu Gast. Fredi Bobic weiß: „Wir werden uns strecken müssen.“ Und zwar nicht nur zehn Minuten lang.
Der VfB gehört zu den besten zehn Fußball-Vereinen in Europa – was die Zuschauerzahlen betrifft.