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Stuttgart - Als Borussia Mönchengladbach das bis dato letzte Mal in Stuttgart gastierte, da war die Mercedes-Benz-Arena eine Baustelle, doch der VfB gewann. Und zwar mit 7:0. Am Sonntagabend schauten die Borussen wieder vorbei – doch diesmal war alles anders. Das Team aus Mönchengladbach gewann 3:0, das Stadion ist längst fertig – und die Baustelle ist jetzt die Mannschaft des VfB Stuttgart. Oder besser: Sie ist es schon wieder. Was irgendwie beängstigend wirkt.
Nun sind Spieler und Verantwortliche der Roten weit davon entfernt von Gefühlen wie Angst zu sprechen, klar ist aber auch: Eine gewisse Nervosität macht sich nach der jüngsten Negativserie in der Liga so langsam, aber sicher breit. Oder wie es Manager Fredi Bobic ausdrückt: „Der Druck wird größer.“ Was sich der VfB selbst eingebrockt hat.
Bittere Bilanz der letzten Spiele
Einem verheißungsvollen Saisonstart folgte eine schwache zweite Hälfte der Vorrunde. „Schon da haben wir leichtfertig Punkte liegengelassen“, sagte VfB-Trainer Bruno Labbadia. Und weil die Roten nun auch die ersten beiden Spiele der Rückrunde in den Sand gesetzt haben, lautet die bittere Bilanz der letzten sechs Spiele: 18 Punkte wären möglich gewesen, einen hat der VfB geholt – und taumelt bereits an der Grenze zur Abstiegszone. Rot ist schon wieder in Not.
Immerhin: Das haben nach der Partie gegen Borussia Mönchengladbach alle erkannt. Ob der Blick jetzt nach unten gehe, wurde Serdar Tasci gefragt. Worauf der VfB-Kapitän antwortete: „Wo soll er denn sonst hingehen?“ Auf den Relegationsplatz haben die Roten nur vier Punkte Vorsprung, und die Frage ist: Wie konnte es dazu nur kommen?
Wer der Partie am Sonntagabend gegen die Gladbacher beiwohnte, bekam schnell eine Antwort. Der VfB spielte zwar erstmals mit Vedad Ibisevic, dafür aber ohne echten Plan, wie man den Stürmer einzusetzen gedenkt – zumindest war keiner zu erkennen. Dazu kamen haarsträubende Fehler bei Standardsituationen des Gegners, die sich nicht nur wiederholen, sondern auch wiederholt zu Gegentoren führen. So wie am Sonntag vor dem 0:1 durch Mike Hanke in der 31. Minute.
Erste Stimmen gegen Labbadia
William Kvist war dem Gladbacher Stürmer zugeteilt, doch dem reichte eine Täuschung, um mit dem Kopf an die Flanke von Marco Reus zu kommen. „Das war wie ein Eigentor“, sagte Bobic. Außer einen Kopfball und einen Schuss an den Außenpfosten von Tamas Hajnal hatte der VfB in der Folge wenig entgegenzusetzen, und als Labbadia später die volle Offensive forderte, wurden die Roten noch zweimal ausgekontert. Reus (81.) und Igor de Camargo (84.) trafen. Was bedeutete, dass die Truppe von Trainer Lucien Favre weiter von der Champions League träumen darf, der VfB dagegen sich mit dem Kampf gegen den Abstieg beschäftigen muss. Und dass sich im Umfeld so langsam eine Diskussion über den Trainer entspinnt.
„Labbadia ist kein Thema, ich bin überzeugt vom Trainer“, sagte Fredi Bobic zwar. Wer auf den Rängen der Arena aber die Ohren spitzte, hörte schon andere Töne und ab und an den Hinweis, in Backnang sitze ja ein Trainer, der auf ein Jobangebot warte. Gemeint war der wiedergenesene Ralf Rangnick.
Noch aber ist es an Bruno Labbadia, seine Truppe wieder auf die Erfolgsspur zu führen, was gar nicht so einfach ist, wie das Beispiel der Standardsituationen zeigt. Diese sind seit Wochen Hauptbestandteil des Trainings – und doch größte Fehlerquelle. „Es ist klar, dass der Schalter nicht sofort umzulegen ist“, sagt der Coach und verspricht: „Wir werden kritisch mit der Situation umgehen.“ Alles andere wäre auch nicht angemessen.
Der VfB gehört zu den besten zehn Fußball-Vereinen in Europa – was die Zuschauerzahlen betrifft.