VfB-Fan will Aufsichtsrat abwählen Schäfer: „Verein nicht in Schutt und Asche legen“

Von Gunter Barner 

VfB-Aufsichtsratschef Martin Schäfer: Herbe Kritik von Teilen der Fans Foto: Baumann
VfB-Aufsichtsratschef Martin Schäfer: Herbe Kritik von Teilen der Fans Foto: Baumann

Der Antrag eines VfB-Mitglieds wurde rechtzeitig eingereicht und schriftlich begründet: Der Aufsichtsrat des Bundesliga-Absteigers soll abgewählt werden. Bei der Mitgliederversammlung am 9. Oktober müssten 75 Prozent der Stimmberechtigten für die Absetzung des Gremiums votieren.

Stuttgart - Der Antrag liegt nach Informationen unserer Zeitung vor, und wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird er vor der Mitgliederversammlung auch nicht mehr zurückgezogen. Dann werden am 9. Oktober die stimmberechtigten VfB-Mitglieder des Fußball-Zweitligisten darüber votieren, ob der amtierende dreiköpfige Aufsichtsrat abberufen wird. „Natürlich ärgert mich dieses Vorhaben“, sagt Aufsichtsratschef Martin Schäfer, „aber wenn tatsächlich drei Viertel unserer Mitglieder gegen uns stimmen würden, dann müsste ich das akzeptieren.“ Gleichzeitig appelliert Schäfer an die Mitglieder, „den Verein nicht in Schutt und Asche zu legen“. Der Aufsichtsrat unternehme alles, um den VfB wieder nach oben zu bringen. „Ich bin jeden Tag auf der Geschäftsstelle, wir tun alles, was in unserer Macht steht.“

Mann mit Profil

Zwar kann Schäfer den Wunsch nachvollziehen, dass viele Mitglieder sich zwei Präsidenten-Kandidaten zur Auswahl gewünscht haben, er hat aber Probleme die Kritik daran zu akzeptieren, dass letzten Endes nur ein Kandidat vorgeschlagen wird: Der Leonberger Unternehmer Wolfgang Dietrich (68). An dem ehemaligen S-21-Sprecher scheiden sich die Geister. Die Zweifler werfen ihm vor, dass er als ehemaliger Chef der Quattrex Sports AG als Investor im Profifußball unterwegs war. Das Unternehmen führt inzwischen sein Sohn. Andererseits verlangten die VfB-Mitglieder nach dem Rücktritt von Bernd Wahler lauthals nach einem VfB-Chef, der die Gesetze der Branche kennt und über ein brauchbares Netzwerk in der Liga verfügt. Beides trifft auf Wolfgang Dietrich zu. „Wir haben alle möglichen Kandidaten geprüft und uns viel Zeit dafür genommen“, beteuert Martin Schäfer, „und wenn man sich mit Wolfgang Dietrich nicht nur oberflächlich beschäftigt, dann kommt man zu dem Ergebnis: Er ist ein Mann mit Profil, der alles das mit bringt, das dem VfB jetzt helfen kann.“ Am Montagabend hatte sich Dietrich einem Kreis von VfB-Sponsoren vorgestellt. Schäfer: „Danach kamen reihenweise Gäste auf mich zu, die uns zu diesem Kandidaten gratuliert haben.“

Absage von Verlaat

Wolfgang Dietrich mochte den Antrag zur Abwahl des Aufsichtsrats am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung nicht bewerten. „Ich habe mich mit dem Thema noch nicht beschäftigt.“ Sollten tatsächlich mindestens 75 Prozent der Stimmberechtigten das Aus der Troika aus Martin Schäfer (Würth), Wilfried Porth (Daimler) und Hartmut Jenner (Kärcher) beschließen, müsste das Gremium komplett neu bestimmt werden, bliebe aber bis zur Neuwahl im Amt. Die Amtszeit des auf vier Jahre gewählten Rats läuft noch bis 2018. Bisher ist vorgesehen, das Gremium mit Ex-Profi Hermann Ohlicher (66) und Franz Reiner (49), Vorstandschef der Mercedes-Bank, zu erweitern. Ursprüngliche Pläne, Frank Verlaat (48) in die Kontrollinstanz mit aufzunehmen, sind wieder verworfen worden. Der frühere VfB-Kapitän lebt in Portugal. Der zeitliche Aufwand war ihm angeblich zu groß.

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