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Verzockt Länder verlieren Monopol auf Glücksspiel

Markus Grabitz, vom 08.09.2010 19:00 Uhr

Berlin - Das EuGH-Urteil hat die Bundesländer unvorbereitet getroffen: Niemand hat damit gerechnet, dass die bisherige Praxis des deutschen Sportwetten-Monopols ab sofort für unzulässig erklärt würde. Das Innenministerium erklärte lediglich: "Das Urteil muss jetzt gründlich ausgewertet und im Kreise der Länder erörtert werden."

Die EuGH-Richter hatten argumentiert, dass das deutsche Glücksspielmonopol eine Beschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs in der EU sei. Dies sei nur zu rechtfertigen, wenn es konsequent etwa die Suchtgefahren des Glücksspiels bekämpfe. Davon könne aber keine Rede sein, wenn staatliche Wettanbieter massiv für sich selbst Werbung machten.

368 Millionen Euro aus Lotteriegeschäften

Im Breitensport, in der Kultur und zahlreichen sozialen Projekten geht jetzt die Sorge um, dass künftig die staatlichen Zuschüsse geringer ausfallen könnten. Das Land Baden-Württemberg kassierte 2009 Einnahmen aus Lotteriegeschäften in Höhe von 368 Millionen Euro - davon stammten 159 Millionen Euro aus der Lotteriesteuer. Wenn als Folge des Urteils ausländische Anbieter auf den Markt drängten, könnten die Einnahmen des Landes aus dem Glücksspiel drastisch einbrechen.

Heftig begrüßt wurde das Urteil dagegen von den Organisatoren von Sportgroßveranstaltungen wie dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Sie fordern seit Jahren eine Liberalisierung, weil sie auf die Werbeeinnahmen der privaten Wettanbieter setzen.

Peter Reinhardt vom britischen Wettanbieter Betfair sagte gegenüber unserer Zeitung: "Wir sitzen auf gepackten Koffern." Sein Unternehmen erwarte, dass die Bundesländer die Vorgaben des EuGH umgehend in deutsches Recht umsetzten. "Danach wird Betfair selbstverständlich legal in Deutschland operieren, in Deutschland Arbeitsplätze schaffen und in Deutschland Steuern zahlen." Der Staat lasse sich derzeit allein beim Online-Pokerspiel Steuern in Höhe von bis zu 400 Millionen Euro jährlich durch die Lappen gehen.

Kommentare (6)
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SEP
12
17:05 Uhr, geschrieben von Carl Becker
Es war absehbar
Nun hat der Europäische Gerichtshof endlich auch das Glücksspielmonopol in Deutschland gekippt - eine Entscheidung, die überfällig war. Die Regelung im Staatsvertrag von 2008 ist nicht mehr gerechtfertigt und darf nicht weiter angewandt werden, bis eine neue erlassen ist, die dem EU-Recht entspricht, da das Verbot gegen die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit verstößt. Staaten dürfen nur dann ein Monopol beanspruchen, wenn sie konsequent gegen die Spielsucht vorgehen. Das erfüllt das deutsche System in keinster Weise, schon daher ist das Glückspielmonopol rechtlich nicht zulässig. In Deutschland ist es so, dass die staatlichen Lottoanbieter massive Werbung betreiben, um ihre Gewinne zu maximieren. Von einem Kampf gegen die Spielsucht kann nicht die Rede sein, allein ein mehr als fragwürdiger Satz wie dieser, dass Glückspiel süchtig machen könne, reicht dafür nicht aus. Es handelt sich bei diesem Satz höchstens um ein fragwürdiges Alibi-Argument, ein fadenscheiniger Versuch ein unzulässiges Monopol aufrechtzuerhalten, welches auch den Sport in Deutschland gängelt. Zwar behauptet man, Lotto sei der Partner des Sports, doch ist das jetzige Lotto-System ein schlechter Partner. Das Monopol führte zu kuriosen Konsequenzen, ganz besonders im Sport, wo den Sportvereinen durch das Monopol locker 300 bis 400 Millionen Euro pro Jahr an Einnahmen fehlten, weil Wettanbieter nicht auf die Trikots und die Plakate durften. Jugendmannschaften mussten ihre Trikots wegen Werbung für Wettunternehmen abgeben. Den absoluten Hammer leistete man sich aber beim Spiel von Real Madrid in München, bei dem die Madrilenen nicht mit ihrem normalen Trikot antreten durften. In Deutschland brauchen wir aber einen freien und trotzdem geregelten Markt mit gesitteten Wettangeboten. Zudem ermuntert die Politik in Deutschland zu Kasinos und Automatenspielen, die ein höheres Suchtpotenzial als Sportwetten haben. Den Bundesländern ging es zu keiner Zeit um eine Bekämpfung der Spielsucht, sondern nur darum, den eigenen Säckel zu füllen. Dass dieses Monopol rechtlich nicht zulässig war, hätten die Politiker schon damals, als sie den Staatsvertrag 2008 erließen, wissen können. Es steht sogar zu vermuten, dass sie es wussten. Trotzdem versuchten sie es mit diesem Staatsvertrag 2008. Dass man dies unter dem Deckmantel der Bekämpfung der Spielsucht tat, ist verwerflich und konnte, in letzter Konsequenz, nur zu einem Scheitern des Monopols führen.
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SEP
11
12:52 Uhr, geschrieben von Dieter Machmüller
Es gibt auch gute Monopole. Staatliche Lotterie gehört dazu!
Keine Privat-Wett-Abzocke und Privatisierung. Privatisierung war und ist immer ein volkswirtschaftliches Verlustgeschäft! Mit der Einführung von Privaten Wettanbietern folgt diesen in den Fusstapfen die Kriminalität mit Mafia, Wettbetrug und Geldwäsche!
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SEP
09
12:22 Uhr, geschrieben von Wolfgang Schatz
Ausländische Wettganoven.
Das ist wohl mit das schlimmste was uns in dieser Hinsicht passieren konnte. Weil Lotto und Toto dem Staat gehören ging es dort bisher immer einwandfrei und mit rechten Dingen zu. Allein in Zuffenhausen gibt es fast 50 private Wettbüros, von denen die meisten unter türkischer Herrschaft stehen. Wenn ich dort vorbei gehe und sehe was da für Leute drinnen sind, graust es mir. Niemals würde ich dort hinein gehen. Jetzt, nach dem neuen Gesetz, müssen wir davon aus- gehen und Angst haben, daß z. b. kein einziges Fußballspiel mehr sicher ist. Es soll sich keiner täuschen: Die Wettmafia gehört zum größten Teil zur organisierten Kriminalität und ist unbesiegbar.
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