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Versöhnungskirche Taube, Hahn und Salamander

Martin Bernklau, 30.01.2013 13:52 Uhr
Die Versöhnungskirche gedenkt des Bildhauers Fritz Melis zum hundertsten Geburtstag.

Stuttgart-Degerloch - Fritz Melis wäre dieser Tage 100 Jahre alt geworden. Grund genug für die Gemeinde der Versöhnungskirche, dem Bildhauer einen Festsonntag zu widmen. Denn zu dem „Gesamtkunstwerk“, wie Pfarrer Andreas Mauer die 1960 nach Plänen von Adolf und Hans Bregler gebaute Kirche nannte, trug Fritz Melis nicht unerheblich bei – mit Tierfiguren, für die er berühmt war, aber auch mit dem mächtigen Bronzekreuz im Altarraum.

Die Kunsthistorikerin Mirja Kinzler hatte aus Galerien und Privatbeständen eine Ausstellung mit Plastiken, Drucken und Zeichnungen des 1982 in seiner Wahlheimat Bietigheim gestorbenen Künstlers zusammengestellt, die mittags im Gemeindehaus eröffnet wurde: „Taube, Hahn und Salamander“. Der Gottesdienst im Beisein der Familie Melis’ war gleichzeitig eine Orgelmatinee. Denn auch die reizvoll neben dem Altarraum und auf der hinteren Empore disponierte Orgel gehört natürlich zu dem Gesamtkunstwerk, zumal Melis gerade seine Tierbildnisse nicht nur als „typisch, einfach, formgerecht“ charakterisiert, sondern seine Kunst am Vorbild einer Bach-Fuge ausgerichtet hat.

Melis kam nach dem Weltkrieg nach Stuttgart

Auch die Musik, in Abschnitte auf den Gottesdienst verteilt, war deshalb mit Bedacht ausgewählt. Die herausragende Haus-Organistin Bernadetta Sunavska war zwar verhindert. Aber die aus der Slowakei stammende Virtuosin hatte ihre eigene Orgel-Fassung des „Karnevals der Tiere“ von Camille Saint-Saëns mit ihrem in Korea geborenen Schüler Jun Byung Park erarbeitet, der sie mit sieben der 14 Sätze vorzüglich vertrat. Eine ganz internationale Sache also, so bunt und weltumspannend wie die Tierwelt, die der 1921 gestorbene französische Komponist in seiner nachgelassenen Suite für Kammerorchester auftreten lässt.

Auch auf der Königin der Instrumente hob diese Programm-Musik mit „Introduktion und königlichem Marsch des Löwen“ an. Aber nicht nur die lautmalerische Tierdarstellung hat die Suite weltweit so populär gemacht, sondern auch die liebevolle Veralberung von Komponisten-Kollegen wie Berlioz oder Rossini, die wohl der Grund für Saint-Saëns war, das gut drei Jahrzehnte zuvor entstandene Stück erst nach dem Tod freizugeben. Den damals schnellsten Tanz der Welt, Jacques Offenbachs frivolen „Can-Can“, vollführen bei ihm die schwerfälligen Schildkröten – wie in Zeitlupe. Aber schon die gackernden Hühner und krähenden Gockel waren in der Version von Bernadetta Sunavska und ihrem hochversierten Schüler ungemein plastisch, witzig und virtuos.

Der 1913 in Berlin-Pankow geborene Fritz Melis hatte dort vor allem in der naturalistischen Tradition studiert und war nach dem Weltkrieg nach Stuttgart gekommen. Hier wurden seine Skulpturen und Holzschnitte, gerade auch die charakteristischen Tierfiguren, durch die Auseinandersetzung mit dem Kubismus kantiger, geometrischer und reduzierter. Der grandios sparsame Zeichner – Melis lehrte das dann an der Technischen Hochschule – ist mit vielen faszinierenden Tierbildnissen in der Ausstellung vertreten. Durch den engen Kontakt mit Architekten wurde recht bald die Kunst am Bau zu einem seiner wichtigsten Arbeitsfelder. Vor allem Vögel und Vogelgruppen von Kranichen bis zu Zaunkönigen wurden zu einer Art Markenzeichen. Die Degerlocher Versöhnungskirche hat neben dem Kreuz die Taube auf dem Taufstein, den Gockel an der Ecke des Firsts und den Salamander am Brunnen von Fritz Melis bekommen.

 
 
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