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Verkehrsingenieur Kompromisse an der Kreuzung

Peter Ilg, vom 17.12.2011 12:01 Uhr
Herr über die Ampeln in Stuttgart: Reinhard Unkhoff. Foto: Ilg
Herr über die Ampeln in Stuttgart: Reinhard Unkhoff. Foto: Ilg

Quietschende Reifen, Flüche, Hupen - Alltag im Straßenverkehr. Rote Ampeln sind häufig die Auslöser und für viele Verkehrsteilnehmer ein rotes Tuch. Dabei sorgen die roten, gelben und grünen Lichter für Ordnung auf den Straßen, auf denen Autos, Busse, Bahn, Fahrräder und Fußgänger konkurrieren. Exakt 805 lichtsignalgesteuerte Kreuzungen gibt es in Stuttgart. „Über Ampeln werden die Zeiten so zugeteilt, dass jeder Verkehrsteilnehmer halbwegs zufrieden ist”, sagt Dr. Reinhard Unkhoff. Der 54-Jährige ist Bauingenieur der Fachrichtung Verkehrswesen und hat am Institut für Straßen- und Verkehrswesen an der Universität Stuttgart promoviert. Von dort wechselte er ins Tiefbauamt der Stadt Stuttgart, war zunächst Sachbearbeiter, heute ist er zuständig für die Lichtsignalsteuerung im gesamten Stadtgebiet.

Von den 805 Kreuzungen mit Ampeln sind 315 reine Fußgängerampeln. „Das sind einfache Anlagen mit immer demselben Schema, aber unterschiedlichen Zuteilungszeiten.” Die richten sich nach der Anzahl der durchfahrenden Autos und der Straßenbreite. Je länger der Weg, desto länger erscheint das grüne Männchen. Und je mehr Autos, umso länger die Wartezeit der Fußgänger bis zur nächsten Grünphase. Denn meistens werden diese Anlagen nach Bedarf geregelt: Ein Fußgänger drückt auf den Signalknopf, und die Ampel schaltet rasch um. Der Nachfolger muss dann länger auf sein Freizeichen warten, damit sich kein Stau bildet. „60 Anlagen sind Bahnübergänge und regeln ausschließlich die Stadtbahn, und von den restlichen 400 ist jede anders gestrickt.”

Für jede Kreuzung gibt es ein System, bestehend aus Steuergeräten und Software mit Modi für morgens, mittags und abends, weil das Verkehrsaufkommen zu diesen Zeiten stark variiert. „Technisch gesehen sind alle Anlagen weitestgehend voneinander unabhängig. Sie werden nur dann vom zentralen Verkehrsrechner gesteuert, wenn die Ampeln Teil einer grünen Welle sind.” Das ist eine Anforderung an die Software. Andere Bedingungen sind: Müssen Bus und Bahn bevorzugt behandelt werden? Sollen die Fußgänger die Straße auf einmal überqueren oder nur bis zur Hälfte? „Jede Kreuzung hat ihre Besonderheit, und mit diesem Wissen beauftragen wir Ingenieurbüros, die darauf spezialisiert sind, die Software zu erstellen”, erläutert Unkhoff.

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