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Verkaufsdruck Bankberater ergreifen die Flucht

Rolf Obertreis, Frankfurt und Sabine Marquard, vom 07.09.2010 18:00 Uhr

Frankfurt/Stuttgart - Regelmäßig testet die Stiftung Warentest die Beratung durch die Banken - in der Regel mit verheerendem Ergebnis. Doch nicht nur Bankkunden haben Grund zur Unzufriedenheit. Zunehmend äußern auch die Berater selbst ihren Unmut über den Verkaufsdruck.

Banken unterteilen ihre Kunden in verschiedene Kategorien - ganz oben in der Gunst rangieren vermögende Privatkunden und Mittelständler mit gut gehenden Unternehmen. Darunter sind die normalen Kunden angesiedelt. Eine solche Hierarchie gibt es auch bei den Beratern - diejenigen, die eine halbe Million Vermögen oder mehr verwalten, stehen über denen, die normale Kunden beraten. Dennoch wächst nun auch unter den Beratern der besseren Kunden der Unmut über die Arbeitsbedingungen, die durch ständig wachsenden Erfolgsdruck geprägt sind. Immer mehr springen ab und suchen ihr Heil in der Selbstständigkeit. Offenbar mit Erfolg: Wegen der persönlichen Beziehungen gelingt es vielen Beratern, ihre Kunden mitzunehmen.

So haben drei erfahrene Berater der Deutschen Bank in Frankfurt eine eigene Vermögensberatung gegründet, die bereits mehr als 100 Millionen Euro verwaltet. Andere haben sich kleinen etablierten Vermögensverwaltern angeschlossen. Dabei ist in Frankfurt immer wieder zu hören, dass Strategieänderungen beim bisherigen Arbeitgeber den Ausschlag gegeben haben. Ein renommiertes Haus etwa hat 2009 entschieden, dass alle Kunden mit einem Anlagevermögen unter einer Million Euro aus der Bank gedrängt werden sollen. Zugleich wächst der Druck auf die Berater. Sie müssen ihrem Teamleiter jeden Abend berichten, wie viele Kundengespräche sie geführt, und wie viel Provision sie erwirtschaftet haben.

Zuvor hatten bereits die Berater normaler Kunden ihrem Ärger Luft verschafft. Bei einer Umfrage der Gewerkschaft Verdi forderten 95,2 Prozent von 5541 Teilnehmern, "kundenbedarfsgerechte Beratung statt Verkauf auf Teufel komm raus" anzubieten. Dabei gab es kaum Unterschiede zwischen den Bankengruppen. Bei den Privatbanken unterstützten 96,3 Prozent die Forderung, bei den Sparkassen und den Genossenschaftsbanken jeweils 94,3 Prozent.

Anders als bei Beratern für vermögende Kunden gibt es bei normalen Beratern aber keine Kündigungswelle. Dies liegt daran, dass vermögende Kunden bereit sind, für Beratung und Vermögensverwaltung jährlich bis zu 1,5 Prozent der angelegten Summe zu bezahlen, während die normalen Privatanleger meist auf einer kostenlosen Beratung bestehen. Somit fehlt vielen Beratern die berufliche Alternative.

Kommentare (4)
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SEP
08
19:07 Uhr, geschrieben von Theodor Olvert
Verkaufen(?) um jeden Preis....
Verkaufen um jeden Preis..... Ich habe in den letzten zehn Jahren ausschließlich Flopps erlebt Wobei es egal ist, bei welcher Bank man versucht seine Anlage zu plazieren. Bei der SEB mußte ich "pseudo" Gewinne versteuern, weil die Anlage in einer labilen Währung empfohlen wurde. bei der LBBW hat man bei den Einlagen eine "Rückzahlungsgebühr" nach Fälligkeit der Anlage erfunden und versucht zu kürzen. Bei der Volksbank wurde grundsätzlich eine "Strafgebühr" fällig, weil man trotz Terminvereinbarung und vorherige Rückversicherung, nachträglich auf einer zusätzlichen Kündigung bestand. Die KSK "verkaufte" Produkte mit garantierter Erfolgsaussicht mit sportlichen Argumenten, wobei die Kosten höher waren als der Ertrag Ergebnis: ein Flopp. Die Girokontozinsen, die früher Standard waren, wurden bei a l l e n Banken ohne jede Ankündigung und ohne jeden Kommentar gestrichen. Und schauen Sie sich heute die Zinsen der div. Anlagemöglichkeiten an. Eine Lachplatte. Wie wollen sich eigentlich die Banken refinanzieren wenn sie ihre solvente Kunden mit solchen Anlagezinsen verärgern.? Bei alle o.g. Banken war ich langjähriger Kunde Trotzdem habe ich erst (zu) spät bemerkt, daß man mir "Produkte" angedreht hatte, anstatt mich zu beraten. Heute "kaufe" ich nur noch "Produkte" die ich verstehe. Eine eigentlich notwendige kundenbedarfsgerechte Beratung hat es nie gegeben., und wird es nie geben. Bei keiner Bank. MfG ted
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SEP
08
11:17 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
Antwort auf Kommentar:
Herr Dr. Albrecht, soweit ich das verstanden habe geht es in diesem Artikel weniger um die Zufriedenheit des Kunden, sondern um die Zufriedenheit der Bankmitarbeiter. Die Qualität des Beratungsgesprächs kann durchaus sehr gut sein und der Kunde fühlt sich wohl. Nicht aber der Mitarbeiter der unter einem hohen Leistungsdruck steht. Als ehemalige Bankmitarbeiterin weiß ich wovon ich spreche.
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SEP
08
11:06 Uhr, geschrieben von C.L.
Nicht nur die Beratung
In Prinzip auch ein Berater kann nur vorlesen was im Vertag steht und vorausgesetzt ich verstehe was geschrieben steht. Nur was nutzt auch die beste Beratung wenn nach x-Jahren die Gesetze geändert werden und die“ sichere Gewinne“ weg sind? Ich kenne keinen einzigen Invest-Vertrag der annährend gehalten hat was versprochen wurde. Kurz: Deutschland ist als Investitionsland möglichst zu vermeiden und nicht nur wegen der Beratung.
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