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Vergewaltigungen in Stuttgart Sextäter beunruhigen die Region

Von Wolf-Dieter Obst 

Videoüberwachung in Bus und Bahn: Für die Polizei oft wichtig auf der Suche nach Straftätern Foto: dpa
Videoüberwachung in Bus und Bahn: Für die Polizei oft wichtig auf der Suche nach StraftäternFoto: dpa

Liegt es etwa an der herbstlichen Wetterlage? Oder ist alles nur Zufall? In und um Stuttgart häufen sich sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen. Und das nicht etwa nachts im Park – sondern auch am helllichten Nachmittag.

Stuttgart - Zwölf Hinweise. So viele Meldungen sind bei der Polizei bisher eingegangen. Zwölf Leute glauben etwas über Ronny sagen zu können, jenen Mann, der am Montagnachmittag eine 28-jährige Frau auf dem Weg vom Hauptbahnhof nach Botnang in zwei Stadtbahnen sexuell belästigte und schließlich in der Franz-Schubert-Straße vergewaltigte. Ein Vorgang, der freilich so auffallend gewesen sein muss, dass es eigentlich mehr als zwölf Hinweise geben müsste. Aber das Kripo-Dezernat hat zu dem Vorfall noch einen Trumpf im Ärmel: „Die fraglichen Stadtbahnen sind identifiziert“, sagt Polizeisprecher Thomas Geiger, „und wir haben die entsprechenden Videoaufzeichnungen angefordert.“ Dann bekäme Ronny ein Gesicht.

Elf spektakuläre Fälle in den letzten sechs Wochen in der Region Stuttgart – einen Grund für die auffällige Häufung solcher Vorfälle vermag die Polizei nicht zu nennen. „In der Statistik dürfte das wenig auffällig sein“, sagt Polizeisprecher Geiger. Statistisch immerhin beruhigend ist freilich, dass die Aufklärungsquote bei solchen Delikten recht hoch ist: Mehr als zwei Drittel der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen, knapp 68 Prozent, konnte die Kripo klären. Nicht zuletzt deshalb, weil sich die meisten Fälle im Bekanntenkreis abspielen. Aber auch, weil die Ermittler auf Bilder der Videoüberwachung zurückgreifen können.

Videos bringen Hinweise

Mit einer ganzen Videosequenz hofft die Polizei den Sextäter von Fellbach (Rems-Murr-Kreis) dingfest machen zu können, der am 3. Oktober eine 42-Jährige in der Bahnhofstraße massiv bedrängte und zu sexuellen Handlungen zwang. Der Unbekannte hatte sein Opfer von einer Discothek an der Bahnhofstraße aus verfolgt und sie vor einer Hofeinfahrt überfallen.

Der Umlauf der Fahndungsbilder auch in sozialen Netzwerken scheint Ergebnisse zu bringen: „Es gingen einige Hinweise ein“, sagt Polizeisprecher Holger Bienert, „die müssen nun nach und nach abgearbeitet werden.“ Konkreter wird er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht – aber für den Verdächtigen könnte es eng werden.

Den jüngsten Ermittlungserfolg konnte die Stuttgarter Polizei vom Cannstatter Wasen vermelden – die Vergewaltigung einer 18-jährigen Festzeltbesucherin war nach wenigen Tagen geklärt. Auch hier ungewöhnlich: Tatverdächtig war nicht etwa ein alkoholisierter Wasenbesucher, sondern ein 26-jähriger Festzelt-Kellner. Ungeklärt blieb dagegen ein sexueller Missbrauch eines Kindes: Ein achtjähriges Mädchen hatte sich von einem Unbekannten zu einer Geisterbahnfahrt verlocken lassen – und wurde dort von ihm unsittlich berührt.

Taxifahrer als Täter – weiter unbekannt

Zu der Reihe der ungewöhnlichen Vorfälle gehört auch der Fall eines Taxifahrers, der eine 27-Jährige am 20. September von der Eberhardstraße in der Innenstadt zur Heilbronner Straße im Stuttgarter Norden chauffierte und dann massiv sexuell belästigte. Das Opfer konnte flüchten, sich aber weder Kennzeichen noch Taxinummer merken. „Der Fall ist weiterhin ungeklärt“, sagt Polizeisprecher Geiger. Ebenso der Fall vom 6. Oktober, als ein junger Mann eine 32-jährige Passantin in der Schlosserstraße in der Innenstadt sexuell belästigte. Weitere ungeklärte Fälle der letzten Tage gibt es in Marbach, Herrenberg, Leonberg, und Esslingen.

Ob der jüngste Fall in Stuttgart geklärt und Ronny überführt werden kann? Der Gesuchte soll etwa 60 Jahre alt und 1,75 bis 1,80 Meter groß sein, grau melierte Haare und einen Stoppelbart haben. Zur Tatzeit am Montag gegen 14.15 Uhr trug er eine dunkle Jacke mit hellem Aufdruck auf der linken Brustseite. Hinweise erbittet die Kripo unter der Rufnummer 07 11 / 89 90 - 57 78.

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