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Verdi-Umfrage bei Kitas Gewerkschaft fordert kostenfreie Kita-Plätze

Von Eva Funke 

Die Kinder nehmen ihre Erzieherin voll in Anspruch 

Foto: Oksana Kuzmina/Fotolia Foto:  
Die Kinder nehmen ihre Erzieherin voll in Anspruch Foto: Oksana Kuzmina/Fotolia

Wie gut ist die Betreuung in den Kindertagesstätten in Baden-Württemberg? Mit einer anonymen Umfrage bei den Einrichtungen will Verdi Klarheit schaffen.

Stuttgart - Im März sind Landtagswahlen. Die Umfrage der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) des Landesbezirks Baden-Württemberg kommt also gerade rechtzeitig, um vor der Wahl auf Defizite in der Kinderbetreuung hinzuweisen.

Die grün-rote Landesregierung habe die Mittel für Kitas zwar von 270 Millionen auf rund eine Milliarde Euro aufgestockt und damit in etwa verdreifacht, räumt Dagmar Schorsch-Brandt, stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiterin, ein. Die Umfrageergebnisse machten aber deutlich, dass das Personal um mindestens etwa 30 Prozent aufgestockt werden müsse, um die Qualität in den Kitas zu verbessern.

„Unterm Strich wären das bei den rund 63.500 Vollzeitstellen um die 19.000 Stellen mehr“, konkretisiert Verdi-Fachgruppenleiterin Nancy Hehl die Forderung. Finanziell würde das einen Mehraufwand von etwa 300 Millionen Euro bedeuten. Der tatsächliche Bedarf sei allerdings angesichts des Zulaufs an Flüchtlingskindern, die eventuell auch traumatisiert sind, ungewiss.

Zuwenig Zeit für außerpädagoische Aufgaben

Angeschrieben hat Verdi insgesamt 7485 Kindertagesstätten in Baden-Württemberg. Knapp 15 Prozent, 1103 Kita-Leiterinnen und Leiter, haben den Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt. Als ein wesentliches Defizit hat sich herausgestellt, dass die Leiterinnen und Leiter von Kitas zu viel Zeit in die pädagogische Arbeit in den Gruppen stecken müssen, so dass für ihre Leitungsaufgaben Überstunden anfallen oder aber sie diese in ihrer Freizeit erledigen.

Auch den übrigen Mitarbeitern bleibt laut der Umfrage zu wenig Zeit für die außerpädagogische Arbeit wie zum Beispiel Gespräche mit den Eltern, die Vor- und Nachbereitung der Arbeit in den Gruppen oder die Anleitung von Praktikanten. „Dafür sollten die Mitarbeiter pro Kopf zehn Stunden in der Woche freigestellt werden. Derzeit sind es höchstens fünf Stunden“, sagt Schorsch-Brandt. Außerdem fordert Verdi, dass die Position der stellvertretenden Leitung einer Kita vertraglich festgeschrieben wird. „Ist das nicht der Fall, bekommen die Stellvertreter nicht mehr Geld, wenn sie im Ernstfall, zum Beispiel bei Krankheit oder Schwangerschaft der Leiterin, deren Aufgaben übernehmen.“

Verdi fordert 100 Prozent Betriebskostenzuschuss

45,2 Prozent der befragten Kitas werden von der Evangelischen oder der Katholischen Kirche getragen, 33,2 Prozent von den Kommunen. Der Rest ist in privater Trägerschaft oder in der Hand von Verbänden oder Betrieben. Die Kitas bekommen derzeit vom Land 68 Prozent Betriebskostenzuschuss für die Gruppen mit den unter Dreijährigen und 63 Prozent für Gruppen mit über Dreijährigen durch den kommunalen Finanzausgleich. „Vor allem bei kleinen Kommunen kann es passieren, dass die Mittel für die eigenen kommunalen Kitas in den allgemeinen Verwaltungshaushalt fließen statt in die Kitas“, sagt Schorsch-Brandt und fordert eine genau festgelegte Zweckbindung für dieses Geld.

Eine langfristige Forderung der Gewerkschaft ist, dass das Land seinen Zuschuss auf hundert Prozent aufstockt: „Das ist nicht von heute auf morgen umzusetzen. Doch wenn Kitas eine Bildungseinrichtung sind, sollten sie wie auch die Schulen gebührenfrei sein“, fordert Schorsch -Brandt.

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