Verband Deutsche Burschenschaft Stuttgarter Ghibellinia tritt aus

dpa/lsw, 12.02.2013 07:39 Uhr
Mit der Stuttgarter Ghibellinia ist eine weitere reformorientierte Burschenschaft aus dem Verband Deutsche Burschenschaft (DB) ausgetreten. „Die Verbandsziele stehen nicht mehr im Einklang mit den Vorstellungen der Stuttgarter Verbindung“, sagte ein Sprecher.

Stuttgart - Mit der Stuttgarter Ghibellinia ist eine weitere reformorientierte Burschenschaft aus dem Verband Deutsche Burschenschaft (DB) ausgetreten. „Die Verbandsziele stehen nicht mehr im Einklang mit den Vorstellungen der Stuttgarter Verbindung“, sagte ein Sprecher am Montagabend. Für einen Austritt aus dem Dachverband habe der Bundesconvent, das höchste Gremium der Stuttgarter Burschenschaft Ghibellinia, am 9. Februar 2012 mit sehr großer Mehrheit gestimmt.

Der liberale Flügel kritisiert seit Jahren die rechtslastige Ausrichtung des Verbandes, der von der ultrakonservativen Burschenschaftlichen Gemeinschaft dominiert wird. Damit muss die traditionsreiche Deutsche Burschenschaft innerhalb von 18 Jahren die zweite Spaltung hinnehmen. 1996 hatten ihr etliche Bünde den Rücken gekehrt und sich zur Neuen Deutschen Burschenschaft mit etwa 20 Mitgliedern zusammengetan. Einer der Streitpunkte damals war die Aufnahme von Kriegsdienstverweigerern.

Bekenntnis zur "freiheitlichen und demokratischen Grundordnung"

Die Mitglieder der Burschenschaft Ghibellinia bekennen sich in einer Pressemitteilung zu den Menschenrechten, zur persönlichen und akademischen Freiheit und zu den grundlegenden Rechten jedes Einzelnen, sowie dessen Pflichten gegenüber der Gesellschaft. „Durch unser Bekenntnis zur freiheitlichen und demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland distanzieren wir uns von jedweden extremistischen politischen Ansichten innerhalb und außerhalb der Deutschen Burschenschaft“, sagte der Sprecher weiter.

In den vergangenen Jahren habe die Mehrheit der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft wiederholt gezeigt, dass ihrerseits weder ein Interesse an Reformen, noch an einer klaren Abgrenzung zu offen rassistischen, verfassungsfeindlichen und nationalsozialistisch geprägten Handlungen und Positionen bestehe. „Vielmehr verzehrte sich der Verband in rückwärtsgewandten Diskussionen und in seinen inneren Unstimmigkeiten, die ihn zunehmend handlungsunfähiger werden ließen“, sagte der Vorsitzende des Altherrenverbandes, Hubert Grosser. Nach seinen Angaben haben seit dem außerordentlichen Burschentag in Stuttgart Ende November allein in Baden-Württemberg 16 von deutschlandweit 111 Burschenschaften mit geschätzt 10.000 Mitgliedern den Dachverband verlassen.

Beim nächsten Burschentag in Eisenach sollen noch offene Fragen innerhalb des Dachverbandes gelöst werden. Dazu gehört eine Entscheidung über die Deutschstämmigkeit als Aufnahmekriterium in eine Burschenschaft. Mit dem Thema befasst sich derzeit eine Kommission der Burschenschaften. Bis dahin gilt die Regelung aus dem Jahr 1971, wonach in eine Burschenschaft „männliche Studierende an Hochschulen, die Deutsche sind“ aufgenommen werden können.

 

 
 
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Kommentare (2)
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Beobachtender Ist schon länger als 1 Jahr her
Es ist nunmal Fakt dass die Deutsche Burschenschaft von Rassisten und Faschisten dominiert wird, da hilft kein drumherumgerede. Wenn Widerstandskämpfer diffamiert und ein Ariernachweis angedacht wird ist eine ganz eindeutige Grenze überschritten. Wer weiterhin in so einem Dachverband ist macht sich Mitschuldig und ist nichtmehr ernstzunehmen. Wobei Burschenschaften generell eigentlich nicht ernstzunehmen sind. Auch die angeblich gemäßigten Burschenschaften sind immernoch mindestens nationalistisch, patriarchalisch, chauvinistisch, reaktionär und zum Großteil geschichtsrevisionistisch. Von daher ists eigentlich auch zweitrangig ob Burschenschaften aus dem Dachverband austreten oder nicht, auflösen wäre die einzig gute Alternative für diese anachronistischen Männerbünde.
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Beobachter Ist schon länger als 1 Jahr her
Ich finde es schade um jede Burschenschaft, die den traditionsreichen Dachverband 'Deutsche Burschenschaft' verlässt. Ich hoffe sehr, dass die Burschenschaften alsbald wieder zusammenfinden. In einer Zeit, wo fortwährend Anschläge auf Verbindungshäuser und Burschenschafter geschehen, wo die gesamte (!) burschenschaftliche Bewegung in einer Kampagne als antidemokratisch und rassistisch diffamiert wird, während zugleich die politische Korrektheit mit ihren Tabus immer weiter um sich greift, braucht die Burschenschaaft eine möglichst starke Stimme .
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