US-Präsident in Warschau Trump bekennt sich fest zur Beistandspflicht

Von Jens Mattern 

US-Präsident Donald Trump spricht auf dem Krasinskich-Platz vor dem Denkmal des Warschauer Aufstands. Foto: AP
US-Präsident Donald Trump spricht auf dem Krasinskich-Platz vor dem Denkmal des Warschauer Aufstands. Foto: AP

In Polen wird US-Präsident Donald Trump von der rechtsgerichteten Regierung wie ein guter alter Freund empfangen. Das hat viel mit der polnischen Angst vor Russland zu tun. Der Staatsgast dankt es in Warschau auf seine Weise.

Warschau - Trump kam, sprach und siegte. Der Auftritt des US-Präsidenten am Donnerstagmittag in Warschau kann von der polnischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) als großen Erfolg verbucht werden. „Lasst uns zusammen kämpfen wie die Polen – für die Familien, für die Freiheit, für Gott!“, rief Donald Trump Tausenden Zuschauern auf dem Krasinskich-Platz zu, die amerikanische und polnische Fahnen schwenkten. Polen gilt als proamerikanischstes Land Europas.

Trump beteuerte, dass die USA „fest hinter Artikel fünf“ stehen – die Bestätigung der Beistandspflicht des Nato-Bündnisses war für die polnische Seite ein sehnlich erwartetes Zugeständnis angesichts der Angst vor Russland. Anfang des Jahres hatte er noch die Berechtigung der Nato angezweifelt. „Amerika liebt Polen. Euer Volk ist großartig, weil sein Geist großartig ist“, lobte Trump den „Spirit“. Mit vielen Sätzen erzeugte der Staatsgast Applaus und „Donald, Donald“-Rufe.

Verkaufsschau für Rüstungsgüter

Trump, der von dem polnischen Historiker Marek Jan Chodakiewicz bei der Gestaltung der Rede beraten worden sein soll, ging ausführlich auf die Geschichte ein. Dies kam an, denn Polen sieht sich in dem Punkt vom Westen ignoriert. So erwähnte er auch den polnisch-sowjetischen Kampf um Warschau im Jahre 1920, die Besetzung durch Nazideutschland sowie die Solidarnosc-Verdienste bei der Überwindung des Eisernen Vorhangs. Vor dem Denkmal, das an den Aufstand der Kämpfer der Heimatarmee gegen die deutschen Besatzer 1944 erinnert, kam Trump ausführlich auf den Widerstand zu sprechen. Er sprach fast wie ein Augenzeuge davon, was die Zuschauer beeindruckte. Polen sei ein Beispiel für die Verteidigung des Westens, der durch Terrorismus bedroht sei. Zugleich machte er Druck auf andere europäische Staaten, mehr für die Verteidigung auszugeben. Den Regierungschefs von zwölf zentraleuropäischen Staaten, die sich zum Forum „Intermare“ in Warschau trafen, hatte Trump empfohlen, im Rüstungsbereich US-Produkte zu kaufen. „Wenn Sie an militärische Ausrüstung denken, dann denken Sie hoffentlich nur an die USA“, sagte er.

Werbung von der Kanzel herunter

Konkret sei Amerikas Beitrag zur Verteidigung der Nato-Ostflanke ein Verkauf von Patriot-Raketen an Polen, wie der polnische Verteidigungsminister Antoni Macierewicz sagte. Doch eine Garantie für den Verbleib der amerikanischen Truppen in Polen, nach Angaben des US-Präsidenten bereits 5000, wollte Trump auf einer Pressekonferenz nicht geben. Beruhigend für die Zuhörer war die Russlandkritik des Republikaners, der dem Kreml wegen der Hackerangriffe während der US-Wahl „destabilisierendes Verhalten“ und Eingriffe in der Ukraine vorwarf. Die Regierung unter Premierministerin Beata Szydlo hatte viel getan, um den Auftritt des US-Präsidenten zum Erfolg werden zu lassen. Abgeordnete der regierenden Recht und Gerechtigkeit (PiS) wurden verpflichtet, Bekannte einzuladen. Auch von der Kirchenkanzel wurde geworben. Die Anhänger pilgerten aus dem ganzen Land nach Warschau – auch Antoni Poreba, der mit seinen Bekannten, teils in Tracht, aus dem südpolnischen Nowy Sacz angereist war. „Wir sind hier, um Polen und Amerika zu unterstützen, denn es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ländern – den Kampf gegen das Establishment.“ Sowohl Trump als auch Szydlo hatten versprochen, den „einfachen Leuten“ wieder Brot und Würde zurückzugeben.

Demonstration abgeschirmt von der Polizei

Für das amerikanische Rentnerpaar Andrew und Sandra Zima, gerade auf Europatour, ist der Trump-Besuch eine freudige Überraschung. „Neue Jobs“ und ein „bezahlbares Gesundheitswesen“, dabei dächten sie vor allem an ihre Kinder. Etwa 200 Personen demonstrierten in einer Seitengasse, von der Polizei streng abgeschirmt. „Die PiS-Regierung, die international isoliert ist, wird durch den gefährlichen Trump legitimiert, dabei dreht sich die Welt nach links“, rügte Maciej Konieczny, Vorstandsmitglied der Linkspartei Zusammen. Einige Frauen steckten in einem roten Nonnenkostüm. „In Polen werden Frauenrechte zurückgenommen, die Pille danach gibt es nur noch auf Rezept“, klagte eine Demon­strantin. Amerika könnte angesichts der frauenverachtenden Sprüche Trumps auch in diese Richtung gehen.

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