Stuttgart - Auch im neuen Schuljahr wird an den Berufsschulen im Südwesten wieder regelmäßig Unterricht ausfallen, warnt der Berufsschullehrerverband. Er fordert mehr Stellen und einen Zehnjahresplan.
Der Berufsschullehrerverband Baden-Württemberg (BLV) befürchtet, dass sich die Unterrichtsversorgung gegenüber dem Vorjahr kaum verbessert. Damals fiel im Durchschnitt 4,6 Prozent des Pflichtunterrichts aus, an einzelnen Schulen in Nordbaden waren es gar bis zu 20 Prozent. "Eine Lehrerreserve zur Abdeckung krankheitsbedingter Ausfälle steht faktisch nicht zur Verfügung", kritisierte der Landesvorsitzende Waldemar Futter am Mittwoch in Stuttgart. Die dafür vorgesehenen 230 Stellen würden für den regulären Unterricht gebraucht.
Außerdem würden immer mehr Lehrer zeitweise für die Aus- und Fortbildung von Lehrern oder Bildungsplanarbeit und Schulentwicklung an Akademien und in der Schulverwaltung eingesetzt. Die dafür nötigen Stunden würden den Schulen oft nicht ersetzt und fehlten für den Unterricht, bemängelte Futter. Deshalb steige die Zahl der Überstunden an. Seit 2007 habe sich das Arbeitszeitguthaben der Lehrer von knapp 19.000 auf 35350 Wochenstunden erhöht. Um sie abzubauen, wären 1414 zusätzliche Lehrerstellen nötig. "Damit steht das Land bei seinen Berufsschullehrern mit rund 80 Millionen Euro in der Kreide", so Futter.
Kultusministerin Marion Schick wies die Kritik zurück. "Der berufliche Bereich ist in den vergangenen Jahren alles andere als stiefmütterlich behandelt worden", erklärte die CDU-Politikerin. Seit dem Jahr 2000 habe das Land 2000 zusätzliche Stellen an den beruflichen Schulen geschaffen. Nach den Prognosen des Statistischen Landesamts werde im Herbst die Zahl der Schüler an den beruflichen Schulen erstmals nennenswert sinken - um etwa 9000. "Dennoch verbleibt die demographische Rendite von rechnerisch 185 Deputaten an den beruflichen Schulen und kommt damit voll der Unterrichtsversorgung zugute", so Schick.